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Eklat um Kriegsgedenken : Steinmeiers Fehler

Das Sowjetische Ehrenmal für die im Zweiten Weltkrieg gefallenen Soldaten der Roten Armee im Treptow Park in Berlin. Bild: Picture-Alliance

Die aktuellen Konflikte lassen sich nur dann aus dem Gedenken an den Überfall auf die Sowjetunion heraushalten, wenn man berücksichtigt, welches politische Minenfeld die Vergangenheit Osteuropas ist. Daran fehlte es bei Steinmeier.

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          Das Gedenken an den deutschen Überfall auf die Sowjetunion vor 80 Jahren sollte angesichts der Ungeheuerlichkeit der von den deutschen Truppen in diesem Krieg sowohl an Zivilisten als auch an sowjetischen Soldaten verübten Verbrechen eigentlich außerhalb des politischen Streits stehen. Für die deutsche Erinnerung an den von Berlin aus geplanten und gelenkten rassistischen Vernichtungskrieg müssen alle seine Opfer gleich sein, unabhängig von aktuellen Konflikten. Aber es ist nur dann möglich, die heutigen Spannungen herauszuhalten, wenn man sich bewusst ist, welches politische Minenfeld die Vergangenheit im Osten Europas ist, und entsprechend umsichtig agiert.

          Daran hat es Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier fehlen lassen. Man kann zwar fragen, ob es wirklich klug vom Botschafter der Ukraine war, seine Teilnahme an der Gedenkveranstaltung mit Steinmeier am Freitag lautstark abzusagen. Aber die Verantwortung für den Eklat liegt beim Bundespräsidialamt. Es hätte für Steinmeiers Rede einen neutralen Ort wählen müssen, nicht ein – im Übrigen verdienstvolles – Museum, zu dessen Trägern jene russische Regierung gehört, die Krieg gegen die Ukraine führt und in diesem Konflikt die Geschichte als Propagandawaffe gegen seinen Nachbarn instrumentalisiert. Wer will, dass die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg etwas Verbindendes bekommt, muss seiner ganzen Komplexität Rechnung tragen.

          Reinhard Veser
          Redakteur in der Politik.

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