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Gedenken an Beginn des Zweiten Weltkriegs : „Unendliches Leid über die Welt gebracht“

Bundeskanzlerin Merkel hatte ihr Kommen früh zugesagt und so dazu beigetragen, dass andere wichtige Gäste sich anmeldeten, unter ihnen die Ministerpräsidenten Frankreichs, Italiens und der Ukraine. Großbritannien ließ sich durch Außenminister Miliband vertreten, der die Enttäuschung über das Fernbleiben Premierminister Browns dadurch milderte, dass er sein Bedauern darüber zum Ausdruck brachte, dass Großbritannien das verbündete Polen 1939 nicht militärisch verteidigt hat.

Unterschiedliche Interpretationen in Moskau und Warschau

Die heftige polnische Verstimmung wegen des befürchteten Ausbleibens wichtiger amerikanischer Vertreter wurde zuletzt dadurch gedämpft, dass in letzter Minute der Sicherheitsberater Präsident Obamas, James Jones, sein Kommen zusagte.

Die größte Aufmerksamkeit richtete sich allerdings am Dienstag auf den russischen Ministerpräsidenten Putin. Die polnische und die russische Öffentlichkeit interpretieren den Zweiten Weltkrieg gegensätzlich, und in den vergangenen Tagen hatten Umfragen gezeigt, wie tief die Unterschiede bis heute sind. In Polen ist eine große Mehrheit davon überzeugt, dass die Sowjetunion durch den Hitler-Stalin-Pakt und das damit verbundene Geheimprotokoll zur Teilung Polens zu den Aggressoren des Krieges gehört.

Erinnerung an Katyn ist wach

Die Erinnerung an den russischen Einmarsch in Ostpolen 17 Tage nach der deutschen Invasion im Westen sowie an die 20 000 polnischen Offiziere und Intellektuellen, die im Frühjahr 1940 in Katyn und anderswo von sowjetischen Schergen ermordet wurden, ist wach. In Russland allerdings wird der Hitler-Stalin-Pakt damit gerechtfertigt, dass alle anderen Mächte Europas einschließlich Polens sich damals mit Nazi-Deutschland arrangiert hätten und Russland einer bevorstehenden Aggression angeblich nicht anders zuvorkommen konnte.

Die russische Presse, unter anderem das staatliche Fernsehen, hatte in den vergangenen Tagen diese These wiederholt und dabei suggeriert, Polen habe sich mit Deutschland zu einem Angriff auf die Sowjetunion verabredet.

Am Dienstag signalisierten beide Seiten nun einerseits, dass bestimmte Deutungsunterschiede zwar weiter bestehen. Putin und der polnische Ministerpräsident Tusk versicherten aber auf einer gemeinsamen Pressekonferenz nach einem Gespräch unter vier Augen, dass man nach Wegen suchen wolle, die Differenzen „Schritt für Schritt“ zu beseitigen. Putin sagte, man sei übereingekommen, die verbliebenen Probleme „gemeinsam zu analysieren“ und versprach, dass die russische Seite zu diesem Zweck „nach dem Grundsatz der Gegenseitigkeit“ ihre Archive öffnen werde.

Das hatten polnische und russische Historiker seit längerem gefordert, unter anderem um die Morde von Katyn bessser untersuchen zu können. Tusk fügte hinzu, man sei übereingekommen, zu diesem Zweck gemeinsame Forschungsinstitute in Polen und in Russland zu schaffen. „Es kann nicht sein, dass in historischen Fragen die polnisch-russischen Beziehungen schlechter sind, als die polnisch-deutschen oder die russisch-deuschen“, sagte er. „Das ist absurd“.

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