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Krise in Nahost : Israel verstärkt Angriffe auf Hamas-Führer

  • Aktualisiert am

Über Nacht brannte es nach Einschlägen israelischer Geschosse an mehreren Stellen im Gazastreifen. Bild: AFP

Die Hamas schießt weiter Raketen in Richtung Israel. Israels Militär zerstört die Häuser mehrerer Hamas-Führer und droht der Führungsriege der Islamisten mit gezielter Tötung.

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          Nach massiven Raketenangriffen aus dem Gazastreifen hat Israels Luftwaffe dort das Haus des Hamas-Chefs Jihia al Sinwar beschossen. Das Gebäude in Chan Junis im Süden des Küstengebiets habe als „militärische Infrastruktur der Terrororganisation Hamas“ gedient, teilte die israelische Armee am Sonntag mit. Auch das Haus von Al Sinwars Bruder Muhammad, ebenfalls ein ranghohes Mitglied der im Gazastreifen herrschenden islamistischen Hamas, sei angegriffen worden.

          Nach Angaben der Armee wurden weitere Büros und Häuser wichtiger Hamas-Mitglieder attackiert. Als Teil der fortwährenden Angriffe auf das unterirdische Tunnelnetzwerk der Hamas, der sogenannten Metro, seien 30 weitere Ziele bombardiert worden. Außerdem habe die Luftwaffe Dutzende Waffenlager und Raketenabschussrampen beschossen. Binnen 24 Stunden habe die Luftwaffe 90 Ziele militanter Palästinenser angegriffen. Nach palästinensischen Angaben waren es die bisher schwersten Luftangriffe im Gazastreifen.

          In der Stadt Gaza wurden nach Augenzeugenberichten fünf Häuser zerstört. Man befürchte viele Tote und Verschüttete unter den Trümmern. Das Gesundheitsministerium in Gaza teilte am Sonntag mit, in der Stadt seien über Nacht acht Menschen getötet und 45 verletzt worden. Unter den Toten sei auch ein Arzt vom Schiffa-Krankenhaus, der größten Klinik in Gaza.

          Israels Militär hatte der Führungsriege der im Gazastreifen herrschenden Palästinenserorganisation Hamas zuvor mit gezielter Tötung gedroht. Militante Palästinenser hatten in der Nacht den Großraum Tel Aviv sowie weitere israelische Ortschaften abermals massiv mit Raketen beschossen. Seit Beginn der Eskalation am Montag sind nach Armeeangaben rund 2900 Raketen auf Israel abgefeuert worden.

          Israels Luftwaffe hatte am Samstag bereits das Haus eines anderen ranghohen Führers der Hamas bombardiert. Das Haus von Chalil al Haja, Vize-Chef des Hamas-Politbüros, habe als „Terror-Infrastruktur“ gedient. Die Armee veröffentlichte ein Video des Angriffs. Nach palästinensischen Angaben hielt Al Haja sich aber zur Zeit des Angriffs nicht in dem Haus auf.

          Am Samstag hatte ein Luftangriff Israels auch ein von internationalen Medien genutztes Hochhaus im Gazastreifen getroffen. Angesichts der Gewalt im Nahen Osten hat US-Präsident Joe Biden mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas telefoniert. Das Weiße Haus teilte zu dem Gespräch mit Netanjahu mit: „Der Präsident bekräftigte seine nachdrückliche Unterstützung für das Recht Israels, sich gegen die Raketenangriffe der Hamas und anderer terroristischer Gruppen im Gazastreifen zu verteidigen.“ Biden habe seine Besorgnis über die Sicherheit von Journalisten zum Ausdruck gebracht und die Notwendigkeit betont, deren Schutz zu gewährleisten. Es war Bidens zweites Gespräch mit Netanjahu seit Mittwoch.

          Guterres „zutiefst beunruhigt“

          Auch UN-Generalsekretär António Guterres reagierte bestürzt auf den israelischen Angriff. Sein Sprecher Stephane Dujarric teilte in New York mit, Guterres sei „zutiefst beunruhigt“. Er sei zudem bestürzt über die steigende Zahl von zivilen Opfern, einschließlich des Todes von zehn Mitgliedern einer Familie, darunter Kinder, nach einem israelischen Luftangriff auf das Flüchtlingslager Schati im Westen von Gaza. Er erinnere alle Seiten daran, jeder willkürliche Angriff auf zivile und mediale Strukturen verstoße gegen das Völkerrecht.

          Die Hamas hat nach Angaben eines israelischen Luftwaffenoffiziers seit Montag mehr als 2300 Raketen auf Israel abgefeuert. Israel habe im gleichen Zeitraum mehr als 650 Ziele im Gazastreifen angegriffen. Der Konflikt zwischen Israel und der im Gazastreifen herrschenden Hamas war zu Wochenbeginn eskaliert. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza wurden seitdem 145 Menschen getötet und 1100 verletzt. Wie der Rettungsdienst Magen David Adom mitteilte, kamen in Israel durch den Raketenbeschuss der vergangenen Tage zehn Menschen ums Leben, 636 wurden verletzt.

          Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) betont derweil das Recht Israels auf Selbstverteidigung gegen den Raketenbeschuss der Hamas und fordert einen Dreistufenplan zur Deeskalation des Gaza-Konflikts. „1. einen Stopp des Raketenterrors, 2. ein Ende der Gewalt und 3. die Rückkehr zu Gesprächen über konkrete vertrauensbildende Schritte zwischen Israelis und Palästinensern und eine Zweistaatenlösung“, sagte Maas der Zeitung Bild am Sonntag laut einem Vorabbericht.

          Die grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock verlangte in der Zeitung ein stärkeres Engagement der Bundesregierung und die Entsendung von Vermittlern in die Region. „Die Sicherheit Israels ist Teil deutscher Staatsräson. Wir können den abscheulichen Angriffen der Hamas nicht einfach zusehen“, sagte Baerbock. Die Bundesregierung müsse nun mit intensiver Telefondiplomatie handeln und hochrangige Vertreter in die Region entsenden, um gemeinsam mit engen Verbündeten ein sofortiges Ende der Gewalt zu vermitteln.

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