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Gaza-Konflikt : Angehörige von Hamas-Militärchef bei Luftangriff getötet

  • Aktualisiert am

Aufräumen nach dem Einschlag: Palästinensische Rettungskräfte in Gaza-Stadt Bild: AFP

Nach dem Scheitern der Friedensverhandlungen in Kairo schlagen weitere Raketen der Hamas in Israel ein. Bei einem israelischen Luftangriff werden Ehefrau und Tochter von Hamas-Militärchef Deif getötet. Ägypten fordert neue Verhandlungen.

          Nach dem Ende einer weiteren Nahost-Feuerpause ist der Gaza-Konflikt wieder voll aufgeflammt. Israel wurde abermals aus dem Gazastreifen heraus mit Raketen beschossen und antwortete mit weiteren Luftschlägen. Dabei wurden nach palästinensischen Angaben am Dienstagabend elf Menschen getötet, Dutzende weitere wurden verletzt. Unter den Toten sind die Ehefrau und eine Tochter von Hamas-Militärchef Mohammed Deif. Mussa Abu Marsuk, Leiter der Delegation der radikal-islamischen Organisation bei den Waffenruhe-Verhandlungen in Kairo, bestätigte den Tod der Angehörigen Deifs.

          Israelische Medien berichteten, die Identität eines dritten Toten bei dem Angriff sei noch unklar. Mohammed Deif gilt in Gaza als einer der wichtigsten Drahtzieher, er hat schon mehrere Attentate durch Israel überlebt. Israel wirft ihm vor, er dirigiere den Gaza-Krieg aus dem Untergrund. Unter Berufung auf einen Regierungsvertreter in Jerusalem berichtete das Zweite israelische Fernsehen, es habe sich um den Versuch der gezielten Tötung des Hamas-Militärchefs gehandelt. Das wollte eine Armeesprecherin zunächst nicht bestätigen. Bei einem israelischen Angriff auf ein Gebäude in Dir el Balach im Gazastreifen sind nach palästinensischen Angaben acht Mitglieder einer Familie getötet worden. Die palästinensische  Nachrichtenagentur Maan berichtete am Mittwoch, unter den Toten seien die Eltern sowie mehrere Kinder.

          Auch am Mittwochmorgen schlugen aus dem Gazastreifen abgefeuerte Raketen in Israel ein. Insgesamt hätten militante Palästinenser bereits mehr als 60 Raketen abgeschossen, teilte die Armeesprecherin mit. Israels Militär habe rund 60 Ziele im Gazastreifen angegriffen. Die Islamisten wollen nun verstärkt den Flughafen angreifen. Als Antwort auf israelische Angriffe sei Ben-Gurion für Mittwoch als Ziel ausgewählt worden, erklärte ein Hamas-Kommandeur. Internationale Fluggesellschaften sollten den Flughafen meiden. Den israelischen Behörden zufolge ging der Betrieb dort zunächst ohne Störung weiter.

          Feuerpause gebrochen

          Die Regierung in Jerusalem hatte ihre Verhandlungsdelegation am Dienstag aus Kairo abgezogen. Dort sollte sechs Wochen nach Beginn des Gaza-Kriegs eine dauerhafte Friedenslösung zwischen Israel und den Palästinensern gefunden werden. Die letzte Feuerpause sollte eigentlich bis Dienstagabend um 23 Uhr MESZ dauern und die Verhandlungen erleichtern.

          Noch vor Ablauf der Feuerpause waren drei Raketen aus dem Gazastreifen in der Nähe der Wüstenstadt Beerscheva eingeschlagen. Israel reagierte sofort mit neuen Luftangriffen. Später heulten in weiten Teilen Israels wieder die Sirenen. Im Großraum von Tel Aviv schlug eine Rakete ein.

          UN-Generalsekretär Ban Ki-moon verurteilte den Bruch der Waffenruhe im aufs Schärfste. Ban sei sehr enttäuscht über die Wiederaufnahme der Feindseligkeiten. Er erinnerte nach Angaben der Vereinten Nationen vom Dienstag in New York beide Seiten an ihre Verantwortung, die Lage nicht eskalieren zu lassen. Ban rief Israel und die Palästinenser auf, sich umgehend auf eine dauerhafte Feuerpause zu verständigen.

          Die Hamas wies Israel mit seiner Besatzungspolitik die Schuld an der Eskalation der Gewalt zu. Schon zuvor hatte die Hamas Israel vorgeworfen, die Gespräche in Kairo über eine dauerhafte Gaza-Waffenruhe bewusst zu verzögern. Die „Manöver“ der israelischen Delegation verhinderten jeden Fortschritt, sagte der palästinensische Delegationsleiter Asam Al-Ahmed in Kairo.

          Verhandlungen gescheitert

          Laut palästinensischen Medienberichten standen beide Seiten kurz vor dem Abschluss einer mehrwöchigen Waffenruhe. Ein palästinensischer Politiker benannte die Stichpunkte einer grundsätzlichen Einigung mit Israel. Aschraf al-Adschrami sagte dem israelischen Armeesender: „Die Punkte sind der Wiederaufbau des Gazastreifens, die Aufhebung der Blockade, die Öffnung der Grenzübergänge, die Lösung der Stromprobleme, die Einfuhr von Baumaterialien unter internationaler Kontrolle und die Ausweitung der Fischereizone im Gazastreifen.“ Von israelischer Seite gab es dafür keine Bestätigung.

          Die ägyptische Regierung rief Israelis und Palästinenser am Mittwoch auf, die Waffenstillstandsverhandlungen in Kairo fortzusetzen. Das Außenministerium äußerte in einer Mitteilung „tiefstes Bedauern“, dass die unter ägyptischer Vermittlung seit rund zwei Wochen laufenden Gespräche über eine dauerhafte Feuerpause für den Gazastreifen und Südisrael am Vortag abgebrochen wurden.

          Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza kamen in dem Konflikt seit dem 8. Juli aufseiten der Palästinenser 2016 Menschen um, mehr als 10.000 wurden verletzt. Auf israelischer Seite wurden 64 Soldaten und 3 Zivilisten getötet, Hunderte Menschen erlitten Verletzungen.

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