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Gaucks Besuch bei Hollande : Im Geiste der Versöhnung

Genau die gleichen: Verleihung der Ehrendoktorwürde an Gauck durch die Universität Paris-Sorbonne Bild: AFP

Joachim Gauck trifft in Frankreich auf einen Präsidenten, vor dem er seine Sorge um Europa nicht verbergen muss. Auch was Donald Trump anbelangt, ist er mit François Hollande einer Meinung.

          Es gehört nicht viel Phantasie dazu, sich vorzustellen, wie schwierig es ist, Thomas Manns Zauberberg ins Französische zu übersetzen. Als ob die Geschichte von Hans Castorp, dem Humanisten Settembrini und dem Jesuitenschüler Naphta nicht schon in der Sprache Thomas Manns anspruchsvoll genug wäre. Daniela Schadt, die Lebensgefährtin von Bundespräsident Joachim Gauck, will mehr wissen über das Schaffen von Übersetzern, will erfahren, warum sie sich „das“ antun. Daher hat sie sich im Goethe-Institut in Paris am Mittwochnachmittag mit mehreren Frauen und einem Mann getroffen, die deutschsprachige Literatur ins Französische übersetzen. Eine von ihnen ist gerade mit dem Zauberberg fertig geworden.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Schadt sitzt in der Bibliothek des Instituts in einem schwarzen Sessel, der zwischen grünen und weiteren schwarzen Sitzmöbeln steht. Es geht ihr um die Würdigung der Übersetzertätigkeit. Mit einem Wörterbuch und gutem Willen könne sie französische Romane lesen, sagt sie. Schließlich hat sie neben der Germanistik und Politik auch französische Literatur studiert. Doch andere Welten blieben ohne Übersetzer verschlossen. Und dann, in der ihr eigenen, bisweilen flapsigen Art, sagt Schadt: „Ohne Übersetzer wären wir alle mindestens doppelt so dumm.“

          Es geht um noch mehr als das Übersetzen. Als die lebhafte Diskussion schon vorangeschritten ist, wagt der hohe Besuch aus Deutschland eine These: Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 habe sich das literarische Interesse in Deutschland von Frankreich weg auf andere, plötzlich leicht zugängliche Länder im Osten gerichtet. Nun aber, wo vieles aus diesen Ländern entdeckt worden sei, gebe es eine Rückbesinnung auf Frankreich. Nicht alle in der Runde teilen ihren Optimismus. Aber klar ist: Dieses ist nicht nur eine Debatte über die Kunst des Übersetzens. Es ist auch eine politische Diskussion über das Verhältnis von Deutschland und Frankreich, den beiden großen Ländern im Herzen Europas.

          Es heißt, die beiden hätten einen guten „Draht“ zueinander

          Während Schadt im Goethe-Institut sitzt, trifft Gauck nicht allzu weit entfernt im Elysée-Palast jenen Mann, mit dem er zwar den Präsidententitel teilt, dessen Amt jedoch so viel mehr Macht birgt. Allzu weit ist es mit dieser Macht beim Noch-Präsidenten der Republik, François Hollande, allerdings auch nicht her, da er ohnehin nicht zu den stärksten Präsidenten gezählt wird und er sich noch dazu nicht um eine weitere Amtszeit bewirbt, wenn im Frühjahr die Wahl ansteht. Da Gauck auch bald ausscheidet, treffen sich also zwei Männer, die ihre große politische Zeit mutmaßlich hinter sich haben.

          Es heißt, die beiden hätten einen guten „Draht“ zueinander. Tatsächlich hatten sie in der frühen Phase ihrer beider Zeit als Präsidenten einen sehr wichtigen Besuch Gaucks in Frankreich miteinander vereinbart. Gauck war zu einem Staatsbesuch gekommen und mit Hollande in das kleine Städtchen Oradour gereist, dessen Bevölkerung die Nationalsozialisten in einem Massaker fast vollständig getötet hatten. In Frankreich hatte dieser Besuch Gauck einige Sympathie eingetragen.

          Nun sitzen sie also in einer für Europa und die westliche Staaten- und Wertegemeinschaft sehr ernsten Lage ein letztes Mal als Präsidenten beieinander und führen ein Gespräch, in dem es keine Plaudereien oder Späßchen gibt. Ohne große Vorreden kommen sie gleich auf die Nöte Europas zu sprechen. Dieses müsse ein starkes sein, sind sich die beiden einig. Deutschland und Frankreich gehörten zusammen, versichern sie einander. So wird später aus Teilnehmerkreisen berichtet.

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