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Gaucks Besuch bei Hollande : Im Geiste der Versöhnung

Ein Grund zu großer Freude für Gauck

Der Name des neuen amerikanischen Präsidenten, Donald Trump, fällt zwar nur gelegentlich. Aber irgendwie schwebt er doch über dem Gespräch. Von einer Krise der Demokratie spricht Hollande. Mit Trumps Wahl werde deutlich, so herrscht Einigkeit in dem Gespräch, dass Argumente an Kraft verloren hätten, dass Gerüchte inzwischen teilweise stärker als Fakten wahrgenommen würden. Man habe, so sagt der deutsche Präsident nach dem Gespräch mit dem französischen, die Besorgnis nicht voreinander verbergen müssen.

Doch im Grunde ist die Reise für Gauck, der sich Frankreich verbunden fühlt, ein Grund zu großer Freude. Kurz bevor am 12. Februar sein Nachfolger gewählt wird, erfährt der Bundespräsident in der französischen Hauptstadt hohe Ehren. Oder: Ist es tatsächlich der Bundespräsident und nicht vielmehr der Intellektuelle Joachim Gauck? Gleichviel: Am Donnerstag erhält er die Ehrendoktorwürde der Universität Paris-Sorbonne. Es ist ein außerordentlich festlicher Akt. Gauck trägt einen schwarz-gelben Talar, der in den Schultern etwas zu breit für ihn ist. Das „Große Auditorium“ der Universität bildet mit seinen mehr als zweieinhalbtausend Quadratmetern eine imposante Kulisse.

Über dem Präsidenten bedeckt das Gemälde „Der Heilige Wald“ von Pierre Puvis de Chavannes über mehr als 25 Meter Breite die ganze Wand. Statuen vom Gründer des Collège de Sorbonne, vom berühmten Mathematiker Blaise Pascal oder auch von Kardinal Richelieu bilden den Übergang zur mächtigen Kuppel. Unter dieser Kulisse reiht der Rektor der Académie de Paris, Gilles Pécout, Gauck an schließend ein in eine Reihe ausländischer Staatsgäste, die hier gesprochen hätten: Dante, Beethoven und Goethe. Die Latte liegt hoch.

Auch kritische Elemente tauchen in der Rede auf

Gauck weiß das, bittet zu Beginn seiner Dankesrede erst einmal um Wasser, weil die Stimme etwas stockt. Er sagt, wie sehr er sich freue, wie sehr es ihn gerührt habe, dass die deutsche und die französische Nationalhymne gesungen worden seien, wertet die „feierliche Handlung“ als Zeichen der deutsch-französischen Verständigung. Das Publikum besteht zu weiten Teilen aus Schülern, Studenten, Universitätslehrern. Zum Beginn seiner Rede zitiert Gauck aus dem Lied, das die französische Chansonsängerin Barbara 1964 in Göttingen schrieb und sang. Dort ist von den Kindern die Rede, die in Paris und Göttingen „genau die gleichen“ seien wie in Paris.

Das Lied ist ein Stück Kulturgeschichte, das nicht einmal zwanzig Jahre nach Kriegsende ein aufsehenerregendes Beispiel der deutsch-französischen Versöhnung war – und das vierzehn Jahre vor Gauck schon der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder erwähnt hatte, als er im Januar 2003 in Versailles auf einer gemeinsamen Sitzung des Bundestages und der französischen Nationalversammlung sprach. Für ihn wie für alle in der DDR und den anderen Ländern hinter dem Eisernen Vorhang seien 1964 Paris und Göttingen „gleichermaßen sternenweit“ entfernt gewesen, sagt Gauck. „Deswegen ist es für mich wie die Erfüllung eines Traumes, den ich früher nie zu träumen gewagt hätte, hier, im Herzen des alten Paris, auf diese Weise empfangen zu werden und die Ehrendoktorwürde der Sorbonne verliehen zu bekommen.“

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