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Irak im Loyalitätskonflikt : Im Fadenkreuz der Großmächte

  • -Aktualisiert am

Sitzt zwischen den Stühlen: Adel Abdel Mahdi, Ministerpräsident des Irak. Bild: dpa

Die harte Haltung der Vereinigten Staaten gegenüber Iran bringt viele Staaten in Zugzwang. Mit am stärksten betroffen ist der Irak. Bislang ist unklar, wer sich in diesem Kampf um Einfluss und Macht durchsetzen wird. Ein Gastbeitrag.

          Kein Printmedium behandelt amerikanische Außenpolitik mit so viel Eifer wie das „Wall Street Journal“. Geht es um die Zukunft des Nahen Ostens, publiziert das Blatt schon seit geraumer Zeit harte außenpolitische Ansichten gegenüber der Islamischen Republik Iran. Nie reicht der Druck auf Iran und nie sind Sanktionen ungerechtfertigt. Doch jetzt sind kürzlich sogar im „Wall Street Journal“ Bedenken laut geworden, ob durch die Vollendung der „Strategie des maximalen Drucks“ gegen Iran nicht regionale Kollateralschäden entstehen, die den Vereinigten Staaten schaden. Viele Länder geraten in eine unangenehme Lage, weil die amerikanische Regierung ihnen nur die Wahl zwischen den Vereinigten Staaten oder dem Iran lässt und mit extraterritorialen Sanktionen droht, wenn ihrem Willen nicht entsprochen wird. Kaum ein Land ist diesem Kräftemessen so ausgeliefert wie der Irak.

          Es geht um die Frage, ob Washington durch eine Verschärfung der Iransanktionen nicht seinen Interessen im Irak nachhaltig schadet. Nur wenige Tage vor der Januarvisite des amerikanischen Außenministers Mike Pompeo in Bagdad waren der iranische Außen- und der Ölminister im Irak empfangen worden. Für die Unternehmerschaft in den Vereinigten Staaten stand damit fest, dass die Iraner die Umsetzung amerikanischer Geschäftsvorhaben verhindern wollen. Amerikanische Unternehmen sind besonders an Energie- und Infrastrukturprojekten im Irak interessiert, worauf auch die Iraner scharf sind. Noch sind die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Iran und Irak zu eng und verwoben, als dass Washington sie durchtrennen könnte.

          Alex Vatanka ist Senior Fellow am Middle East Institute in Washington D.C. Vatanka schreibt für Foreign Policy und Foreign Affairs und ist Gastautor im Transformationsindex BTI der Bertelsmann Stiftung. Er twittert unter @AlexVatanka.

          Iran und Irak kommen sich wirtschaftlich näher

          Die Skeptiker in den Vereinigten Staaten verbreiten die Botschaft, dass Washington eine neue politische Linie gegenüber dem Iran finden muss, wenn es den Irak nicht auch noch verlieren will. Für die Amerikaner wäre es ein strategischer Fehler größeren Ausmaßes, wenn wegen der Washingtoner Iran-Politik der amerikanische Einfluss im Irak schwindet. Iraner und Iraker arbeiten an neuen Möglichkeiten für Bankgeschäfte, die den Handel zwischen beiden Ländern am Leben halten. Mit ihrer Verwirklichung verbindet sich die iranische Hoffnung, sich vom Finanzsektor der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) unabhängiger zu machen, der in der Vergangenheit die finanzielle Schnittstelle zu Bankdienstleistungen mit dem Rest der Welt bildete. Viele iranische Händler sehen inzwischen im Irak die passende Drehscheibe und das geeignete Durchgangsland für den iranischen Außenhandel. Der Irak kann für Iran eine wichtige wirtschaftliche Rolle spielen, von der beide Länder profitieren. In Dubai dagegen werden die Geschäfte für iranische Firmen immer schwieriger und teurer, so dass erste Berichte von einem Einbrechen des Handelsvolumens zwischen Iran und den VAE sprechen.

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