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Gastbeitrag zum Internationalen Frauentag : Aus Wut muss Handeln entstehen

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„Wir müssen Verbrechen gegen Frauen verfolgen und dürfen es niemals zulassen, dass Frauen auch noch bestraft werden, nachdem sie missbraucht worden sind“: UN-Generalsekretär Ban Ki-moon Bild: dpa

Zum Internationalen Frauentag fordert UN-Generalsekretär Ban Ki-moon ein entschlossenes Handeln gegen Diskriminierung und sexuelle Gewalt gegen Frauen. „Wir müssen diesen Kampf überall aufnehmen“, schreibt Ban Ki-moon in einem exklusiven Gastbeitrag für FAZ.NET.

          An diesem Internationalen Frauentag müssen wir auf ein Jahr voller schockierender Gewalttaten gegen Mädchen und Frauen zurückblicken und uns fragen, wie wir in diesem Bereich eine bessere Zukunft schaffen können.

          In Indien wurde eine junge Frau von mehreren Männern so lange vergewaltigt, bis sie starb. Eine andere beging Selbstmord, weil sie sich schämte. Die Scham hätte allein die Täter überkommen sollen. In Pakistan ist ein Mädchen aus nächster Nähe erschossen worden, weil sie eine Ausbildung gefordert hatte.

          Sehen Sie sich die Frauen in Ihrer Nähe an. Denken Sie an die, die Sie in Ihrer Familie und Ihrem Umfeld wertschätzen. Und dann denken Sie daran, dass eine hohe statistische Wahrscheinlichkeit besteht, dass viele von ihnen in ihrem Leben Gewalt erlebt haben oder noch erleben werden. Viele andere haben nach einer Gewalttat ihre Schwester oder Freundin trösten müssen.

          Wut muss zum Handeln führen

          Die Wut über diese Taten muss uns zum Handeln bewegen. Wir müssen Verbrechen gegen Frauen verfolgen und dürfen es niemals zulassen, dass Frauen auch noch bestraft werden, nachdem sie missbraucht worden sind. Wir müssen diesen Kampf überall aufnehmen. Zuhause und am Arbeitsplatz, in Kriegsgebieten und in scheinbar friedlichen Ländern. Vor allem aber müssen wir die Haltung der Menschen ändern, die es zulassen, dass diese Gewalt weiter besteht.

          Besonders wichtig sind uns Frauen, die in Konfliktgebieten leben. Dort ist sexuelle Gewalt zu oft ein Kriegsinstrument, durch das die Gegner erniedrigt werden und ihre Würde verlieren sollen. Diesen Frauen sage ich: Die Vereinten Nationen sind an ihrer Seite. Als Generalsekretär bestehe ich darauf, dass das Wohlergehen aller Opfer sexueller Gewalt an oberster Stelle unseres Handelns stehen muss.

          In dieser Woche tagt die Kommission für die Rechtsstellung der Frau in New York . Es ist das größte Treffen das es jemals gegeben hat, um Gewalt gegen Frauen zu beenden. Auch nach Ende dieses Treffens werden wir alles tun müssen, um Fortschritte zu erzielen. Es kommt auf jeden Einzelnen an. Ob Sie einer Inititative gegen Frauengewalt Geld spenden oder Ihre Stimme erheben: Sie können Teil einer weltweiten Bewegung werden und mit dafür sorgen, dass Mädchen und Frauen die Sicherheit und Freiheit bekommen, die sie verdienen.

          Der Autor ist Generalsekretär der Vereinten Nationen.

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