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Gasprom droht : Die entbehrlichen Europäer

  • -Aktualisiert am

Gaspromchef Alexej Miller Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Wenn Gasprom-Chef Aleksej Miller in Aktion tritt, wird er auch als Sprachrohr des Kremls wahrgenommen. Nun hat seine Drohung mit Gasentzug, falls Europa die Aktivitäten des russischen Erdgasmonopolisten beschränken wolle, bei der EU für Aufruhr gesorgt.

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          Aleksej Miller ist nicht nur einer der mächtigsten Männer in der russischen Wirtschaft, denn er ist Vorstandsvorsitzender des russischen Erdgasmonopolisten Gasprom, an dem der Staat die Mehrheit der Anteile hält. Zugleich ist Miller eine Art politischer Vollzugsbeamter des Kremls, der unter Präsident Putin seinen Einfluß auf den Gasprom-Konzern verstärkt und das Unternehmen zu einem Instrument seiner Weltpolitik gemacht hat.

          Wenn Miller öffentlich in Aktion tritt, wird er deshalb auch als das Sprachrohr des Kremls wahrgenommen, insbesondere, wenn es um Themen an der Grenze zwischen Politik und Wirtschaft geht. Es verwundert daher kaum, daß eine Äußerung Millers auf einem Treffen mit den Botschaftern der EU dieser Tage in Moskau für gehöriges Aufsehen gesorgt hat.

          Zuckerbrot und Peitsche

          Miller hatte den Konzern einerseits als verläßlichen Partner und Lieferanten der Europäer gepriesen, der ohne jeden Zweifel alle Verträge über Gaslieferungen erfüllen werde und sich seiner Verantwortung für die Energiesicherheit in Europa bewußt sei und diese auch garantieren werde. Das war das Zuckerbrot aus der Hand des russischen Mächtigen.

          Gasprom will „aktiv in neue Märkte vordringen”

          Andererseits gab er aber zu bedenken, daß der weltweite Wettbewerb um die russischen Energieträger immer stärker werde und daß Gasprom die Entwicklung seiner Absatzmärkte in China und Nordamerika fest im Blick habe. Auch mittelasiatische Anbieter von Erdgas schenkten dem chinesischen Markt besondere Aufmerksamkeit.

          Miller weiß das schon deshalb, weil Gasprom große Mengen Gas in Zentralasien kontraktiert und weiterverkauft und außerdem die Hand auf vielen Pipelines in der Region hat, so daß der direkte Marktzugang der mittelasiatischen Anbieter von Erdgas kaum gegeben ist. Es sei deshalb notwendig zu erwähnen, fuhr Miller vor den Botschaftern fort, daß Versuche, Gasproms Aktivitäten in Europa zu beschränken und Gasversorgungsfragen zu politisieren, zu keinem guten Ende führten. Das war ein Knall mit der Peitsche.

          Briten im Visier

          Der Gasprom-Chef mag mit der Peitsche auf die Briten gezielt haben, die inzwischen vom Nettoexporteur zum Nettoimporteur bei Erdgas geworden sind und deren Regierung, so war dieser Tage bekannt geworden, die Übernahme des britischen Gasversorgers Centrica durch die Russen verhindern will. Aber aufgeschreckt sind alle Westeuropäer. Immerhin bezieht Deutschland bislang rund 35 Prozent des insgesamt verbrauchten Erdgases aus Rußland, und nach Inbetriebnahme der zwischen Eon und BASF sowie Gasprom verabredeten nordeuropäischen Gaspipline unter der Ostsee wird sich dieser Anteil bald auf mehr als 40 Prozent erhöhen. Die EU deckt rund ein Viertel ihres Erdgasverbrauchs durch Lieferungen von Gasprom.

          Der Brüsseler Energiekommissar Andris Piebalgs äußerte denn auch am Donnerstag tiefe Besorgnis wegen der Äußerungen Millers vor den EU-Botschaftern, daß Gasprom nach neuen Absatzmärkten Ausschau halte. Diese Äußerungen würden die Sorge wegen der großen Abhängigkeit von ausländischen Bezugsquellen bekräftigen. Die EU benötige dringend eine Diversifizierung sowohl der Bezugsquellen von Energieträgern als auch der Lieferwege. Die BBC berichtete derweil, daß in der EU die Befürchtung wachse, daß unter den gegebenen Umständen die Preise für Energieträger rasch steigen werden und die Regierungen sich gezwungen sehen könnten, politische Zugeständnisse einzugehen, um die Gaslieferungen stabil zu halten.

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