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Spanien und die Energiekrise : Kein Gasmangel, aber trotzdem solidarisch

Das größte Flüssiggast-Terminal (LNG) in Europa befindet sich in der katalanischen Metropole Barcelona. Bild: AP

In Spanien sehen sich in der Energiekrise viele zu Unrecht zur Solidarität mit Deutschland verpflichtet. Aber auch Madrid will Energie sparen, obwohl an Gas derzeit kein Mangel im Land herrscht.

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          In Spanien dauert einer der heißesten Sommer seit Wochen an. An Erdgas herrscht auch kein Mangel. Vielen Spaniern fällt es deshalb schwer, sich in die Lage der Deutschen zu versetzen, die schon jetzt die Angst vor einem kalten Winter umtreibt. Deutsche Politiker konnten auch aus anderen Gründen mit nicht allzu viel Verständnis auf der iberischen Halbinsel rechnen. Deutschland habe mit seiner Abhängigkeit von russischen Gasimporten die Sicherheit des Kontinents gefährdet, schrieb die Zeitung „El País“ in einem Leitartikel nach der Einigung über den EU-Notfallplan, der den Gasverbrauch reduzieren soll. „Die Anklagebank der Geschichte wird es richten. Der ehemalige deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder und vor allem die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel werden höchstwahrscheinlich zur Rechenschaft gezogen werden“, heißt es über die Kanzlerin, die bis vor Kurzem viele Spanier noch verehrten.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Die spanische Umweltministerin Teresa Ribera richtet nach dem jüngsten Streit in Brüssel den Blick nach vorne. Zuvor hatte sie Deutschland zwar nicht beim Namen genannt, aber alle verstanden, wen sie meinte, als die stellvertretende Ministerpräsidentin sagte: „Im Gegensatz zu anderen Ländern haben wir Spanier nicht über unseren Möglichkeiten gelebt, was die Energie angeht.“ Während der großen Finanzkrise hatte man in Berlin und anderen nördlichen Hauptstädten Spanien und Portugal vorgehalten, sie hätten über ihren Verhältnissen gelebt. Auch aus Lissabon waren jetzt ähnliche Stimmen zu hören wie aus Madrid.

          „Energie für andere zugänglich machen“

          „Spanien ist der Ansicht, dass jedem, der um Hilfe bittet, geholfen werden sollte“, äußerte Teresa Ribera gegenüber der F.AZ. Die Solidarität, die die EU gefordert habe, müsse jedoch effizient sein und Wirkung zeigen. „Es geht nicht nur darum, den Verbrauch zu senken, sondern darum, Energie für andere zugänglich zu machen“, so die Ministerin. Der ursprüngliche Ansatz der EU-Kommission sei zu begrenzt gewesen und habe keine Maßnahmen umfasst, die wirksam dazu beitragen konnten, den anderen EU-Mitgliedstaaten Zugang zu Energie zu verschaffen. „Wir waren überrascht, dass nur Einsparungen vorgeschlagen wurden, selbst in den Fällen, in denen es keine Möglichkeit gibt, das eingesparte Gas in Drittländer zu leiten“, sagte die Ministerin mit Blick auf Spanien und Portugal, die bisher nur über zwei kleinere Pipelines mit dem Rest Europas verbunden sind.

          Spanien arbeitet nach den Worten Riberas deshalb schon seit Monaten daran, die Kapazität seiner Leitungen und seiner Gasspeicher zu erhöhen. So könnten größere Flüssiggas-Tanker in spanischen Terminals entladen, wo das Gas auf kleinere Schiffe umgeladen werde, die es an andere europäische Häfen verteilen. Spanien hatte sich am Ende beim jüngsten Treffen der EU-Energieminister bereit erklärt, seinen Gasverbrauch statt den von der EU ursprünglich geforderten 15 Prozent um sieben Prozent zu reduzieren.

          Wichtig sei jetzt, dass die europäischen Demokraten jetzt geeint ein Zeichen „wirksamer Solidarität“ setzen, angesichts des Versuchs des russischen Präsidenten Wladimir Putin, die EU zu spalten. Inzwischen plant die spanische Regierung jedoch auch konkrete Sparmaßnahmen. So sollen die Temperaturen in öffentlichen Gebäuden, Büros und in Verkehrsmitteln im Sommer nur noch auf 27 Grad gekühlt und im Winter auf 19 Grad geheizt werden sollen.

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