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Gasleitung Turkstream : Der Balkan am langen Seitenarm

Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan bei der Einweihung der Gaspipeline TurkStream in Istanbul. Bild: AFP

Der Abzweig von Turkstream in Richtung Bulgarien, Serbien und Ungarn fordert die EU heraus: Sie droht in Südosteuropa an Einfluss zu verlieren.

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          Im Schatten der Debatte um die Gasleitung Nord Stream 2 in der Ostsee haben Wladimir Putin und Tayyip Erdogan am anderen Ende des Kontinents Fakten geschaffen. Ab sofort wird Gas aus Russland unter dem Schwarzen Meer hindurch in die Türkei geliefert – unter Umgehung der Ukraine, die damit gegenüber Moskau weiter in die Defensive gerät.

          Ganz neu ist das nicht, denn durch die Leitung Blue Stream, die ebenfalls auf dem Grund des Schwarzen Meeres verläuft, wird der wachsende türkische Markt schon seit 2003 mit russischen Gas beliefert. Doch Turkstream, die neue Leitung, hat nicht nur eine fast doppelt so große Kapazität, sie ist auch politisch ambitionierter.

          Ein Seitenarm verläuft nach Bulgarien und soll von dort aus nach Serbien, Ungarn und in die bosnische Serbenrepublik geführt werden. Auch Athen und Skopje bekunden Interesse. Isoliert und kurzfristig betrachtet mag eine Anbindung an Turkstream für die Länder der Region von Vorteil sein. Doch gewinnen Moskau und Ankara damit Zugriff auf einen Teil der Energiesicherheit in der fragilen Kleinstaatenwelt Südosteuropas.

          Das ist keine beruhigende Aussicht für die EU. Deren Einfluss sinkt auch deshalb, weil die Perspektive einer EU-Mitgliedschaft seit dem französischen Veto gegen Beitrittsgespräche mit Albanien und Nordmazedonien im vergangenen Jahr nicht mehr glaubhaft ist. Wenn die EU, Berlin und Paris nicht eine aktivere Rolle spielen, werden sie in Südosteuropa weiter ins Hintertreffen geraten.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

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