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G8-Gipfel : Immerhin ein Anruf für die Kanzlerin

Nicolas Sarkozy und Angela Merkel in Deauville Bild: dapd

Obama und Medwedjew, aber kein Strauss-Kahn: Frankreichs Präsident Sarkozy genießt seinen Auftritt als Gastgeber des G-8-Gipfels in Deauville. Deutschland und Bundeskanzlerin Merkel spielen nur eine Nebenrolle.

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          Auf den „planches“, den Planken der wohl berühmtesten Strandpromenade Frankreichs in Deauville, ist Nicolas Sarkozy schon als kleiner Junge gern herumgetollt. Jetzt hat er sich das feine Seebad an der Ärmelkanalküste als Kulisse gewählt, um sich mit den Großen der Welt in Szene zu setzen. Auf dem Deauviller Laufsteg feiert der 56 Jahre alte Präsident ein doppeltes politisches Comeback.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Wirkte er zu Jahresbeginn von dem friedlichen Umsturz in Tunesien und in Ägypten überrollt und als Leitfigur der „Union für das Mittelmeer“ in der EU desavouiert, hat Sarkozy seine außenpolitische Führungsrolle in Europa zurückerobert. Das Forum der sieben wichtigsten Industriestaaten und Russlands - G 8 - nutzt der französische Präsident geschickt, um eine Wertegemeinschaft mit den Akteuren des „arabischen Frühlings“ hervorzuheben.

          Sarkozy profiliert sich immer mehr als Anwalt der nach Freiheit strebenden Völker und will von der früheren französischen Stabilitätsdoktrin, die bereitwillig Diktatoren in Kauf nahm, nichts mehr wissen. Als Gastgeber in der Normandie setzt der Präsident die Akzente und lässt sich als Wohltäter der demokratiewilligen Völker in Nordafrika darstellen. Der tunesische und der ägyptische Regierungschef sind in Deauville Ehrengäste, während die Nato in Libyen ihren Militäreinsatz intensiviert.

          So sieht sich der im Kalten Krieg aufgewachsene Sarkozy am liebsten: als einer der Mächtigen, den die Präsidenten Amerikas und Russlands hofieren.

          Sarkozy hat das französische Engagement ausgeweitet, indem er Kampfhubschrauber nach Libyen schickte. Der Gastgeber ehrt im Kreise der G 8 aber auch seine eigene Afrikapolitik und hat jene afrikanischen Staatschefs eingeladen, die aus französischer Sicht Fortschritte hin zum demokratischen Wandel gemacht haben. Der ivorische Präsident Alassane Ouattara, an dessen Amtseinführung Sarkozy teilgenommen hatte, aber auch die Präsidenten Guineas und Nigers, Alpha Condé und Mahamadou Issoufou, wurden in Deauville als Vorreiter der Öffnung gewürdigt.

          Von Medwedjew und Obama hofiert

          Deauville bildet zudem einen wichtigen Markstein für eine überraschende innenpolitische Wende, deren Auswirkungen auf die französische Präsidentenwahl im nächsten Frühjahr noch niemand abschätzen kann. Der Sozialist Dominique Strauss-Kahn hatte geplant, sich den Franzosen vor den prächtigen Villen der normannischen Sommerfrische ein letztes Mal als Weltenlenker an der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu präsentieren.

          Dann wollte er sich vom IWF in den sozialistischen Vorwahlkampf verabschieden. Die Bilder von Deauville sollten den Auftakt für die Rückkehr von „DSK“ auf die französische Bühne bilden. Stattdessen ist Strauss-Kahn wegen versuchter Vergewaltigung und sechs anderen Straftatbeständen in New York angeklagt. Fernsehaufnahmen aus New York zeigten einen grinsenden Strauss-Kahn, wie er in eine Luxuslimousine stieg, um ein neues Domizil zu beziehen - eine luxuriöse Villa im Stadtteil Tribeca mit einer Monatsmiete von 50.000 Dollar.

          Sarkozy hingegen genoss es sichtlich, sich am Donnerstag vor dem Kasino von Deauville mit den Präsidenten Obama und Medwedjew vor den Kameras in Szene zu setzen - unter dem Jubel der Schaulustigen, die hinter Sperrgittern geduldig gewartet hatten. So sieht sich der im Kalten Krieg aufgewachsene Sarkozy am liebsten, als einer der Mächtigen, den die Präsidenten Amerikas und Russlands hofieren. Der Kontrast zu seinen möglichen Herausforderern aus der Sozialistischen Partei ist groß.

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