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Angriff auf Einkaufszentrum : G 7 sprechen von „Kriegsverbrechen“

Am Tag danach: Aufräumarbeiten an dem von einer Rakete getroffenen Einkaufszentrum in Krementschuk Bild: Reuters

Die G 7 bezeichnen die Attacke auf Krementschuk als „willkürlichen Angriff auf unschuldige Zivilisten“. In der Großstadt Cherson haben die Russen offenbar den Bürgermeister entführt.

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          Ein Raketenangriff der russischen Armee auf ein Einkaufszentrum in Krementschuk in der Zentralukraine hat scharfe Kritik der Staats- und Regierungschefs der G-7-Länder nach sich gezogen. „Willkürliche Attacken auf unschuldige Zivilisten stellen ein Kriegsverbrechen dar“, hieß es in einer Stellungnahme der G-7-Gruppe. Der russische Staatschef Wladimir Putin und die Verantwortlichen für den Angriff würden zur Rechenschaft gezogen werden. Mit dem Angriff wollte sich am Dienstag auch der UN-Sicherheitsrat beschäftigen, teilten Diplomaten mit. Nach Kiewer Angaben feuerten russische Bomber vom Typ Tu-22M3 am Montag von der Region Kursk aus die Rakete ab. Dabei habe es mindestens 20 Tote gegeben, 25 Personen seien im Krankenhaus, etwa 40 weitere würden vermisst. Eine weitere russische Rakete habe eine Sportarena in der Stadt getroffen.

          Gerhard Gnauck
          Politischer Korrespondent für Polen, die Ukraine, Estland, Lettland und Litauen mit Sitz in Warschau.
          Reinhard Veser
          Redakteur in der Politik.

          Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte, die Zivilisten im Einkaufszentrum seien keine Gefahr für die russische Armee gewesen. In einer Ansprache sagte Selenskyj später, die russischen Truppen haben das Einkaufszentrum offenbar vorsätzlich ins Visier genommen. Die Aktion sei einer „der dreistesten Terrorangriffe in der europäischen Geschichte“. Moskau gestand ein, die Rakete abgeschossen zu haben, behauptete aber wie in vielen Fällen, der Angriff habe einem militärischen Ziel gegolten, in diesem Fall einem Lager mit aus dem Ausland gelieferten Waffen, die explodiert seien. Der russische Botschafter bei den Vereinten Nationen beschuldigte die Ukraine, mit dem Vorfall vor dem NATO-Gipfel in Madrid Mitleid erregen zu wollen.

          Unklar, ob Gefangene noch am Leben sind

          In der Großstadt Cherson im Süden der Ukraine ist nach Angaben seiner Mitarbeiter der Bürgermeister Ihor Kolychajew von russischen Uniformierten entführt worden. Auf Facebook schrieb eine Beraterin Kolychajews, der Grund dafür sei seine Weigerung, mit der Besatzungsmacht zusammenzuarbeiten. Die Russen hatten Kolychajew bereits Ende April für abgesetzt erklärt, einen neuen „Bürgermeister“ ernannt und das Gebäude der Stadtverwaltung besetzt. Laut Berichten aus der Stadt ist es ihnen seither aber nicht gelungen, die Stadtverwaltung und die kommunalen Betriebe unter Kontrolle zu bringen, deren Mitarbeiter sich offenbar weigern, mit den Besatzern zusammenzuarbeiten und weiter auf Anordnungen Kolychajews gehört haben, der in der Stadt geblieben war.

          Nach Angaben seiner Beraterin hat der von den Besatzern eingesetzte „Bürgermeister“ Kolychajew vor einigen Tagen schriftlich zu einem Treffen eingeladen, um die künftige „Organisation der Zusammenarbeit“ zu besprechen. Für den Fall einer Absage Kolychajews habe er ihm mit Verhaftung gedroht. Kolychajew sei nicht zu dem Treffen gegangen. „Ich fürchte um das Leben von Ihor Kolychajew“, schreibt seine Beraterin.

          Cherson, das vor dem Krieg etwa 300.000 Einwohner hatte, ist von den russischen Truppen bereits Anfang März als einzige Gebietshauptstadt der Ukraine besetzt worden. In der direkt an die Krim angrenzenden Region haben die Okkupanten seither zahlreiche Bürgermeister, Gemeindevorsteher und andere Kommunalpolitiker festgenommen. Einige, die wieder freigelassen worden sind, berichteten von Folter.

          Bei anderen ist unklar, wo sie festgehalten werden und ob sie noch am Leben sind. Die Tatsache, dass die Besatzer Kolychajew bisher in Freiheit gelassen hatten, hatte zu Spekulationen geführt, er könne im Verborgenen mit ihnen zusammenarbeiten. Ab dem 1. Juli sollen laut einer Ankündigung der Besatzer alle städtischen Betriebe auf Abrechnung in Rubel umstellen, und alle Mitarbeiter sollten verpflichtet werden, russische Pässe anzunehmen.

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