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Am Rande des G-7-Gipfels : Wie es Macron gelang, Trump gnädig zu stimmen

Gute Stimmung – vorerst: Der amerikanische Präsident Donald Trump zusammen mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron in Biarritz Bild: AFP

Der französische Präsident präsentiert sich in Biarritz als Überraschungskünstler: Er hat den erwartet sperrigsten Gipfelteilnehmer vorläufig gezähmt – und scheut dabei nicht vor einem Trick zurück.

          3 Min.

          „Let’s work!“: Ganz unfranzösisch hat Emmanuel Macron den ersten Gipfeltag am Sonntag in der Runde der G-7-Staats- und Regierungschefs eröffnet. Der 41 Jahre alte Gastgeber hat sich in Biarritz als Überraschungskünstler eingeführt, dem es gelang, den erwartet sperrigsten Teilnehmer, den amerikanischen Präsidenten Donald Trump, gnädig zu stimmen – zumindest vorerst.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Zwar soll Trump nach den Worten von Macrons Sherpa Emmanuel Bonne bislang nur „Cola light“ im vornehmen Hotel du Palais getrunken haben. Am guten französischen Wein kann es also nicht gelegen haben, dass der Amerikaner ungewöhnlich wohlwollend über Macron und die Nützlichkeit des G-7-Forums urteilte. Die Streitigkeiten über die französische Digitalsteuer, das Pariser Klima-Abkommen und den französischen Vermittlungsversuch in der Iran-Krise rückten in den Hintergrund.

          „Wir sind alte Freunde, ich erinnere mich gerne an unser Abendessen auf dem Eiffelturm, das war ein sehr guter Start unserer Beziehung“, sagte Trump, nachdem ihn Macron mit einem Kamerateam am Mittagstisch überrumpelt hatte.

          Schon der Termin zu einem Mittagessen kam nach Angaben des Élysée-Palastes „spontan“ zustande. Der Amerikaner wusste auch nicht, dass Macron ein Kamerateam hinzugebeten hatte. So schaute er verwundert, als ihm Macron vor laufender Kamera seelenruhig auf Französisch erläuterte, warum der Gipfel so wichtig werde und welche Ziele er erreichen wolle.

          Der mächtige Mann aus dem Weißen Haus musste ohne Übersetzung zuhören, bis Macron dann ins Englische umschwenkte. „Sicher, wir haben da manchmal unsere Divergenzen, aber gemeinsam können wir viel erreichen, deswegen sind wir stolz und glücklich, Sie hier zu haben, Mister President“, sagte der Gastgeber. 

          Trump war voll des Lobes und überschüttete Macron geradezu mit positiven Twitternachrichten. „Das Wetter hier ist perfekt, alle sind zufrieden, wir können an diesem Wochenende viel erreichen“, schrieb er. Das bilaterale Gespräch, das mehr als zwei Stunden dauerte, sei „das beste Treffen, das wir je hatten“. Auch die Unterredung mit den anderen Staats- und Regierungschef sei „sehr gut gelaufen“.

          Er beschwerte sich darüber, dass die internationale Presse das Forum der wichtigsten sieben Industriestaaten schlecht mache. Sie würde behaupten, Biarritz werden zum „Desaster“, das seien aber Fake News. „Wir Leader kommen gut miteinander aus!“, schrieb Trump.

          Auch das Frühstücksgespräch am Sonntag mit dem britischen Premierminister Boris Johnson bezeichnete er als „hervorragend“. Die beiden versicherten einander bei Rührei und Kalbswurst, dass sie nach dem Brexit „sehr schnell“ ein bilaterales Handelsabkommen abschließen wollten. „Wir werden ein ganz großes Abkommen abschließen, größer als wir es je mit Großbritannien hatten“, sagte Trump. Er nannte Johnson, „den richtigen Mann für den Job“. 

          Trump nutzte die Gelegenheit, seiner Wut über China freien Lauf zu lassen. „Was China gemacht hat, ist ungeheuerlich“, sagte der Präsident. Die Chinesen würden „stehlen und intellektuelles Eigentum entwenden“. Er könne einen nationalen Notstand ausrufen, auch wenn er dies derzeit nicht in Erwägung ziehe. Mit Blick auf Iran willigte Trump jedoch ein, auf eine Befriedung hinzuwirken.

          Beim Abendessen am Samstag verständigten sich die sieben Staats- und Regierungschefs auf Entspannungsschritte im Iran-Konflikt. Der Élysée-Palast bestätigte, dass es Übereinstimmung darüber gebe, dass die Eskalationsspirale unterbrochen werden müsse. Macron wurde beauftragt, eine entsprechende Botschaft an die iranische Staatsführung zu überbringen. Gemeinsames Ziel der G-7-Staaten bleibe es zu verhindern, dass Iran in den Besitz von Atomwaffen gelange.

          Trump widersprach am Sonntag der Darstellung, Macron haben einen Auftrag der G7 erhalten. Darüber habe er nicht diskutiert, sagte er bei einem Pressetermin mit dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe. Der amerikanische Präsident sprach sich aber nicht grundsätzlich gegen vermittelnde Gespräche aus. „Ich kann die Leute ja nicht vom Reden abhalten. Wenn sie miteinander reden wollen, dann sollen sie reden“, sagte er gönnerhaft. Ein Mandat der G7 gebe es nicht, schränkte Macron in einem spontanen Presseauftritt gleich ein. Das liege jedoch nicht an Trump, sondern allein daran, dass die G7 keine Mandate vergebe, sondern sich nur informell verständige.

          Dem Wunsch, die Einladung Russlands zum nächsten G-7-Gipfel, erteilten sie einmütig eine Absage. Aus dem Umfeld des französischen Präsidenten hieß es, Moskau müsse zunächst zeigen, dass es zu einer Beilegung des Ukraine-Konflikts beitrage.

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