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Rückzug der Kanzlerin : Merkel überlässt Macron die Bühne

Die Rollen auf dem G-7-Gipfel waren klar verteilt. Bild: Imago

Von „fruchtbarer Konfrontation“ keine Spur mehr: Der Präsident und die Kanzlerin finden zusammen. Angela Merkel hält sich zurück – und Macron zollt ihr Respekt.

          7 Min.

          Schon beim abendlichen Begrüßungsritual am Leuchtturm von Biarritz war klar: Der Bundeskanzlerin wird es schwerfallen, beim G-7-Gipfel die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Boris Johnson sprang in James-Bond-Manier aus seiner Limousine und zielte mit ausgestreckter Hand in Revolverpose auf das Gastgeberpaar. Brigitte und Emmanuel Macron lachten, als amüsiere der britische Premierminister sie mit seiner Stuntman-Nummer köstlich. Während der zweieinhalb Tage des Treffens der sieben wichtigsten Industrienationen setzten sich alle in Szene: Macron als Weltenlenker, Donald Trump als heimgekehrter Sohn im Familienkreis, Shinzo Abe als Dealmaker eines neuen Handelsabkommens zwischen Japan und Amerika, der Kanadier Justin Trudeau als Empfänger schmachtender Blicke der Trump-Ehegattin Melania und Giuseppe Conte mit seinem zwölf Jahre alten Sohn als Italiens Zukunft. Nur Angela Merkel blieb im Hintergrund und ließ sich kaum vor den Kameras der versammelten internationalen Presse blicken.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Thomas Gutschker

          Redakteur im Ressort Politik in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sogar Trump fiel das auf, was ihn während eines kurzen gemeinsamen Presseauftritts zu der Bemerkung brachte: „Ich gebe später eine Pressekonferenz. Vielleicht geben Sie auch eine. Geben Sie eine Pressekonferenz? Ich hoffe doch. Wenn Sie eine geben, dann könnte ich kommen. Nur um zuzusehen.“ Trump hatte die Lacher auf seiner Seite – natürlich war er bei der kurzen Pressekonferenz Merkels nicht anwesend. Die Bundeskanzlerin saß schon in ihrem Flugzeug nach Berlin, als Macron und Trump die Errungenschaften des Treffens verkündeten: den Nothilfeplan für den Amazonas, die Einigung im Streit über die französische Digitalsteuer, die Aussicht auf ein Treffen zwischen dem amerikanischen und dem iranischen Präsidenten und das Versprechen, im Handelsstreit mit China die Gespräche wiederaufzunehmen.

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