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Unter deutschem Vorsitz : G7 beschließen Pandemiepakt

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) am Freitag in Berlin. Bild: dpa

Die Vorsorge und Bekämpfung der Massenansteckungen sollen besser werden, fordern die Gesundheitsminister der sieben führenden Industriestaaten.

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          Mit Hilfe eines „Pandemiepakts“ will die Gruppe der sieben großen Industrieländer (G7) Infektionsausbrüche künftig schneller erkennen und bekämpfen. Unter deutschem Vorsitz beschlossen die Gesundheitsminister am Freitag in Berlin, dafür ein internationales Netz an Fachleuten zu gründen. Der Pakt für Pandemie-Bereitschaft soll der Vorsorge dienen und auch ein Frühwarnsystem aufbauen, damit Massenansteckungen möglichst gar nicht erst um sich greifen.

          Christian Geinitz
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) nannte als Beispiele die bessere Überwachung neuer Erreger, die schnelle Arznei- und Impfstoffentwicklung und eine abgestimmte Strategie zur Anwendung von Schutzkleidung oder Schritten wie Reisebeschränkungen: „Das ist das beste Geld, das man investieren kann, denn die Kosten der Pandemie sind in menschlicher und finanzieller Hinsicht unübersehbar groß.“

          Bekenntnis zur kritisierten WHO

          Als Drehscheibe für den Pakt dient das neue Zentrum für Pandemie- und Epidemieaufklärung der Weltgesundheitsorganisation WHO in Berlin. Dort sollen alle verfügbaren Daten zusammenlaufen und besser und schneller genutzt werden. „Wir müssen mit einer stetig zunehmenden Pandemiegefahr in den nächsten Jahrzehnten rechnen“, warnte Lauterbach, auch aufgrund des Klimawandels.

          Das G-7-Treffen gab ein Bekenntnis zur WHO ab, die wegen einer angeblich zu chinafreundlichen Ausrichtung und aufgrund ihrer Unterfinanzierung ins Gerede gekommen war. Die Minister sind der Ansicht, dass der Organisation eine wesentliche Rolle für die Gesundheit der Menschheit zukomme, weshalb sie finanziell gestärkt werden müsse. Langfristig wollen die G-7-Staaten ihre Pflichtbeiträge für die WHO um die Hälfte erhöhen. Die Gruppe beschloss zudem, dass ihre Gesundheitssysteme bis 2050 treibhausgasneutral ausgerichtet sein müssen. Als großer Wirtschaftszweig stießen sie viel Treibhausgas aus.

          Ein Bekenntnis gab es auch dazu, die „stille Pandemie“ von wachsenden Antibiotikaresistenzen stärker zu bekämpfen. Auf direkte Weise stürben daran mehr als eine Millionen Menschen im Jahr. Unwirksame oder fehlende Antibiotikabehandlungen zögen häufig Blutvergiftungen (Sepsis) nach sich, die jährlich elf Millionen Menschenleben kosteten. Deshalb will man die Forschung und Entwicklung neuer Substanzen fördern und ihren Einsatz verbessern. Bis Ende 2023 soll es dazu nationale Ziele geben. Auch die Diagnose und Therapie von Sepsis will man verbessern.

          Die G7 verurteilten den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Hunderte Kliniken und andere Gesundheitseinrichtungen seien angegriffen, das Personal oft vertrieben worden. Die Minister verpflichteten sich, die Ukraine zu unterstützen und ihr beim Wiederaufbau zu helfen.

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