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Donald Trump und Xi Jinping : Der Zusammenprall

Donald Trump und Xi Jinping bei einem Treffen in Peking im November 2017 – wie werden sie beim G-20-Gipfel in Argentinien aufeinander reagieren? Bild: AFP

Die Spannung ist groß, wenn Donald Trump und Xi Jinping sich auf dem G-20-Gipfel in Argentinien treffen. Falls die beiden Großmächte ihren Streit nicht beilegen, könnte es ungemütlich werden – für alle.

          Wenn Elefanten aufeinander losgehen, wächst am Kampfplatz für längere Zeit kein Gras mehr, so sagt man. Es ist nicht überliefert, dass diese Aussicht die Elefanten jemals davon abgehalten hätte, Meinungsverschiedenheiten im direkten Duell auszutragen. Auf die Politik übertragen, heißt das, alle nicht direkt Beteiligten müssen froh sein, wenn es bei Schäden an der Grasnarbe bleibt, es nicht zu großen Verwüstungen kommt.

          Peter Sturm

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

          Eine weltpolitische Konstellation wie zurzeit hat es schon längere Zeit nicht mehr gegeben. Zwar ist die Weltgeschichte ein einziger langer Prozess der Veränderung. Aber im Moment scheint alles deutlich schneller zu gehen als früher. Ein Anzeichen dafür sind die Lautstärke und die Energie, die der amerikanische Präsident darauf verwendet, jegliche Veränderung zu Lasten seines Landes auszuschließen. Nun hat es zwar vermutlich wenig Sinn, gegenüber Donald Trump mit historischer Erfahrung zu argumentieren. Es interessiert ihn nun einmal nicht, ob es womöglich klüger ist, Veränderung zu „managen“, statt sie einfach abzulehnen.

          Andererseits ist der Präsident mit seiner Haltung in zahlreicher Gesellschaft – in Vergangenheit und Gegenwart. Eine Hegemonialmacht, die sich herausgefordert sieht, strebt vor allem anderen die Verteidigung der eigenen Hegemonie an, nicht eine auf Konsens und Interessenausgleich basierende neue internationale Ordnung. Bei Trump heißt das dann „Amerika zuerst“ oder „Amerika wieder groß machen“.

          Beide Großmächte haben auf ihre Weise recht

          Sein Herausforderer steht ihm da in nichts nach. Der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping hat vierzig Jahre nach dem Beginn der wirtschaftlichen Öffnung der Volksrepublik die von den Vätern der Reformpolitik noch gepredigte außenpolitische Zurückhaltung abgelegt. Obwohl Xi den Aufstieg Chinas gerne mit spezifisch chinesischen historischen Vergleichen begleitet und begründet, steht er in der Tradition vieler Aufsteiger in der Geschichte. Eine Macht, die den Eindruck hat, dass die Dinge mehr und mehr in ihrem Sinne laufen, neigt nicht zu Kompromissen, sondern zur Eile. Lange – im Falle Chinas laut offizieller Geschichtsdoktrin mehr als hundert Jahre lang – war man Objekt fremder Mächte. Jetzt ist die große Chance da, das wieder herzustellen, was Peking als „Normalzustand“ ansieht. Wozu also noch warten?

          Die Welt sieht sich zwei Großmächten gegenüber, die sich beide im Recht wähnen. Beide geben sich entschlossen, ihr vermeintlich gutes Recht auch durchzusetzen. Beide haben dafür auch die Machtmittel. Dass ein solches Vorgehen nicht ohne Konflikte abgehen kann, liegt auf der Hand. Die Argumente, die beide Seiten kürzlich beim Treffen des asiatisch-pazifischen Wirtschaftsforums öffentlich ausgetauscht haben, legen den Schluss nahe, dass beide auf ihre Weise durchaus recht haben.

          Denn natürlich stimmt es (wie China sagt), dass die krawallorientierte Handelspolitik der amerikanischen Regierung schwere Gefahren für die Weltwirtschaft heraufbeschwört. Und es ist auch richtig, dass dabei am Ende alle verlieren werden. Aber es stimmt eben auch (wie nicht nur Amerika sagt), dass sich China seit langem einseitige Vorteile verschafft hat; „so unfair“ nennt Trump das gerne. Die heutige chinesische Außenwirtschafts- und Kreditpolitik würde einem europäischen Imperialisten des späten 19. Jahrhunderts sicher einen bewundernden Kommentar abnötigen. Falls sich die chinesische Regierung wirklich darüber wundert, dass nicht (mehr) jeder Empfänger ihrer angeblichen Wohltaten freudig zugreift, dann zeigt das nur, dass sie vieles nicht versteht.

          Wirklich erstaunlich ist, dass und wie der Rest der Welt auf das Duell der beiden Giganten reagiert. Gerade die Wirtschaft, die jetzt mit Recht über Benachteiligungen im Verhältnis zu China klagt, gab sich jahrzehntelang empört, wenn jemand den chinesischen „Partner“ zu kritisieren wagte. Dass der sich durch so viel Wohlverhalten ermutigt fühlen musste, wissen nun auf einmal alle. Warum eigentlich erst jetzt?

          Gruppenfoto der G-20-Teilnehmer – hier beim Gipfel in Hamburg in 2017

          Das führt zu einem potentiell ganz großen Problem. Falls die beiden „Elefanten“ es nicht schaffen, ihren Streit ohne größere Verwerfungen friedlich beizulegen, wird es sehr ungemütlich, und zwar für alle. Wer aber hätte den Willen, die Kraft und nicht zuletzt das rettende Konzept, um die zwei Großen zur Vernunft zu bringen? Am Wochenende tagen die Mitglieder der G-20-Gruppe in Argentinien. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die meisten Teilnehmer hauptsächlich darum bemüht sein werden, nicht unter die Füße der „Elefanten“ zu geraten. Und wenn es zur Eskalation kommt, werden nachher alle sagen, sie hätten das aber nicht gewollt. Fast könnte man meinen, die Menschheit merke immer erst im Augenblick des Zusammenpralls, dass sie schon seit einiger Zeit auf eine dicke Wand zugefahren ist.

          Das ist keine schöne Aussicht. Die Chancen auf eine positive Überraschung werden dadurch getrübt, dass Donald Trump im Dauerwahlkampf ist und dass Xi Jinping, der die Macht in Peking auf seine Person konzentriert hat, es sich kaum leisten kann, als Schwächling zu erscheinen.

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