https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/g-7-gipfel-was-auf-schloss-elmau-besprochen-wird-18126574.html

Treffen auf Schloss Elmau : Ein G-7-Gipfel in vertrautem Rahmen

Das Schloss Elmau in Bayern am 26. Juni Bild: Lucas Bäuml

Gleicher Ort, ähnliche Themen, nur das Personal ist neu: Von diesem Sonntag an tagen die Staats- und Regierungschefs der führenden Industrienationen auf Schloss Elmau. Was werden sie besprechen?

          3 Min.

          Der mittlere der drei Gipfel, die Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) binnen einer Woche in seiner politischen Höhentour absolvieren muss, hat eine Kulisse, die in die Metapher passt: Schloss Elmau, zwischen Garmisch und Mittenwald vor der Kulisse des Karwendelgebirges gelegen. Dort hatte die Bundesregierung vor sieben Jahren schon während ihrer damaligen G-7-Präsidentschaft das Treffen der sieben führenden westlichen Industrienationen ausgerichtet. Damals hieß die Bundeskanzlerin noch Angela Merkel (CDU); der Name des amerikanischen Präsidenten lautete Barack Obama. Zur Ikone der damaligen Gipfel-Runde wurde ein Foto, das nur sie beide zeigte: Obama mit dem Rücken zum Betrachter auf einer langen Holzbank sitzend, Merkel vor ihm stehend mit weit ausgebreiteten Armen, als wolle sie die gigantische Dimension einer aktuellen Krise illustrieren, im Hintergrund Berge und blauer Himmel.

          Julia Löhr
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.
          Johannes Leithäuser
          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Auch damals befassten sich die Teilnehmer mit der russischen Aggression gegenüber der Ukraine. 2014, nach der russischen Annexion der Krim, war entschieden worden, dass Russland dem Kreis, der bis dato als G8 bezeichnet worden war, nicht länger angehören könne. Elmau war dann der erste reguläre Gipfel, auf dem dieser Ausschluss vollzogen und sichtbar wurde.

          Die Tagesordnung jenes Jahres bestimmten zahlreiche weitere Konflikte und Krisen: die Bekämpfung der Terrormilizen des Islamischen Staates im Nahen Osten, die Gefahr für den Zusammenhalt des Euro, auch die Abhöraffäre amerikanischer Geheimdienste wegen ihrer Lausch-Aktivitäten in Deutschland, vor denen auch das Handy der Bundeskanzlerin nicht sicher war.

          Die wirtschaftlichen Folgen des Krieges

          Dieses Mal hätte die Ukraine nach den ursprünglichen Entwürfen für die Tagesordnung des Gipfeltreffens nicht im Vordergrund der Beratungen stehen sollen. Stattdessen dominierten Anfang des Jahres der Klimawandel und die Nachwehen der Corona-Pandemie die Ablaufskizzen. Doch dann kam der Angriff Russlands. Nun wird es in mehreren der Arbeitssitzungen von Sonntag bis Dienstag um die Folgen des Krieges gehen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj soll am Montagvormittag per Videoschaltung am Gipfel teilnehmen.

          Ein zentrales Thema der kommenden Tage werden die wirtschaftlichen Folgen des Krieges sein. Die Hoffnungen auf einen Nach-Corona-Aufschwung haben sich rund um den Globus zerschlagen. Für Deutschland haben führende Ökonomen und Wirtschaftsverbände ihre Prognosen zum Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf unter zwei Prozent gesenkt. Zu Jahresbeginn hatte die Bundesregierung noch mit einem Zuwachs der Wirtschaftsleistung um 3,6 Prozent gerechnet.

          Auch in den Vereinigten Staaten entwickelt sich die Wirtschaft deutlich schwächer als von Fachleuten erwartet. Ein Grund ist die strikte Null-Covid-Politik Chinas, wegen der nach wie vor viele Lieferketten unterbrochen sind. Europa leidet zudem unter den stark gestiegenen Energiepreisen. Die Amerikaner sind davon wegen der Gasförderung im eigenen Land weniger betroffen.

          Die amerikanische Zentralbank hat wegen der stark gestiegenen Inflationsraten die Leitzinsen schon erhöht, die EZB will in Kürze nachziehen. Steigt das Zinsniveau, können sich Regierungen nicht mehr so günstig am Kapitalmarkt Geld leihen, die Zinslast nimmt zu. Die G-7-Staaten wollen vermeiden, darauf mit einem strikten Sparkurs zu reagieren. Wie trotzdem Investitionen vor allem in die Infrastruktur finanziert werden können, ist ein Thema der Arbeitssitzungen der Regierungschefs. Zudem will die Bundesregierung den von Scholz schon zu seiner Zeit als Finanzminister vorgeschlagenen „Klimaclub“ voranbringen. In einer größeren Gruppe als der EU sollen Wege hin zur Klimaneutralität entwickelt werden, etwa durch eine gemeinsame Bepreisung des CO2-Ausstoßes und Energiewende-Partnerschaften mit ärmeren Ländern.

          „Jede Tonne Getreide zählt“

          Ein weiteres Thema sind die drohenden Hungersnöte. Die Ukraine war bis zum Beginn des Krieges einer der wichtigsten Getreideexporteure. Nun stecken die in Afrika und im Nahen Osten dringend benötigten Weizenlieferungen in den von Russland blockierten Häfen fest. Am Freitag fand in Berlin auf Einladung von Außen-, Landwirtschafts- und Entwicklungsministerium eine internationale Konferenz zur Welternährung statt, in der über alternative Transportwege beraten wurde. Mehr Geld allein helfe nicht, sagte Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne). Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) warf dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ein „perfides Spiel“ vor. Jede Tonne Getreide, die die Ukraine verlassen könne, zähle.

          Dass sich die neue Bundesregierung entschloss, als Gastgeber ein zweites Mal in die Alpenkulisse zu bitten, hat mit Sicherheitskriterien, vor allem aber mit Planungszeiten zu tun. Die vorherige Regierung unter Bundeskanzlerin Merkel hatte nicht über das Ende der Legislaturperiode hinaus Festlegungen treffen wollen, die die nachfolgende Koalition gebunden hätten. So unterblieb eine Entscheidung und der Beginn von Vorbereitungen. Als die Ampelkoalition im Dezember arbeitsfähig war, hielt sie es für sicherer, auf den bewährten Veranstaltungsort Elmau zurückzugreifen, statt eilig auf die Suche nach einer neuen Tagungsstätte zu gehen, die den hohen Anforderungen an Sicherheit, Idylle und möglichst reizvollen Bildern genügt hätte.

          In Elmau können viele bewährte Gipfelplanungen wieder zum Einsatz kommen, von der Aufteilung der Hotelzimmer bis hin zum Einsatzkonzept der Polizei. Sogar die Gartenbank, auf der einst Obama Merkels Erläuterungen lauschte, soll dem Vernehmen nach wieder zum Einsatz kommen. Es wäre allerdings möglich, dass sie verlängert wird, damit dieses Mal alle Repräsentanten der G7 darauf Platz finden können.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          F.A.Z. exklusiv : Das halten deutsche Fußball-Fans von „Equal Pay“

          Die Debatte um die Zukunft des Fußballs der Frauen hat eine neue Grundlage: In einer repräsentativen Umfrage plädieren 59 Prozent für eine Angleichung der Erfolgsboni beim DFB – noch wichtiger sind den Fans aber andere Veränderungen.
          Donald Trump – hier unter der Woche vor dem Trump Tower in New York – hat die Opferrolle einstudiert.

          Geheime Dokumente : Trump steht nicht über dem Gesetz

          74 Millionen Amerikaner hielten Trump 2020 die Treue. Bidens Staatsanwälte werden die wenigsten von ihnen umstimmen – im Gegenteil. Doch darauf darf die Justiz keine Rücksicht nehmen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.