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Trump provoziert G 7 : Viel Zwietracht vor friedlicher Kulisse

  • Aktualisiert am

Bild: AFP

Keine Einigkeit in Kanada: Der G-7-Gipfel beginnt mit Twittertiraden und schwankenden Loyalitäten. Der amerikanische Präsident provoziert, aber auch die Einheit der Europäer ist brüchig.

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          Dieser idyllische kanadische Landstrich ist wie geschaffen dafür, die Seele friedlich zu stimmen. Schon allein der Ausblick vom Luxushotel „Fairmont Le Manoir Richelieu“, in dem die Staatenlenker der G-7-Gruppe tagen, ist erhebend: der Sankt-Lorenz-Strom, dichte Wälder, die Bergsilhouetten im Hintergrund.

          Doch die Szenerie wird es schwer haben, die Gemüter der Tagungsteilnehmer aufzuhellen: Zu sehr hat Donald Trump die Stimmung vergiftet.

          Gastgeber Justin Trudeau und seine Frau empfingen den amerikanischen Präsidenten lächelnd zu Gipfelbeginn in der Parkanlage des Luxusressorts in der Provinz Québec, Trump täschelte dem kanadischen Premier die Schulter. Doch die freundlichen Gesten kaschierten tiefes Unbehagen auf beiden Seiten: Direkt vor Gipfelbeginn hatte sich Trudeau ein scharfes rhetorisches Fernduell mit Trump über die amerikanischen Strafzölle auf Stahl und Aluminium geliefert.

          „Sie sollten Russland wieder aufnehmen“

          Neben dem Handelsstreit wurde die Tagung auch durch Trumps Ausstieg aus dem Atomabkommen mit dem Iran sowie dem Pariser Klimaschutzabkommen belastet. Und vor seinem Abflug nach Kanada wartete Trump gar noch mit einer weiteren massiven Provokation auf: Russland solle wieder in die Staatengruppe aufgenommen werden, forderte er: „Sie haben Russland ausgeschlossen, sie sollten Russland wieder aufnehmen.“

          Kämpferische Stimmung am runden Tisch der G 7. Bilderstrecke

          Damit demonstrierte der amerikanische Präsident einmal mehr, dass ihn das bisherige Selbstverständnis der G-7-Gruppe als Verkörperung der westlichen Wertegemeinschaft nicht tangiert. Russland hatten die übrigen Gruppenmitglieder vor vier Jahren als Konsequenz aus der Annexion der Krim-Halbinsel aus ihrem informellen Verbund ausgeschlossen.

          Trump reiste in streitbarer Laune zu dem Gipfel an. Wenn es aber bei dem Treffen mit den übrigen sechs Staatenlenkern keine Einigung über die Handelsfragen gebe, „kommen wir umso besser weg!“, provozierte er im Kurzbotschaftendienst Twitter.

          Kämpferische Stimmung

          Aber auch unter den übrigen Teilnehmern herrschte teilweise kämpferische Stimmung. Mit Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron vereinbarte Trudeau nach Angaben des Elysée-Palasts, Trump bei dem Treffen notfalls „isolieren“ zu wollen.

          Direkt vor Gipfelbeginn setzten sich dann auf Macrons Initiative die europäischen Gipfelteilnehmer in einem Salon des „Fairmont Le Manoir Richelieu“ zu einer getrennten Sitzung zusammen, um über ihre Strategie gegenüber Trump zu beraten.

          Eine unbekannte Größe im Machtspiel von La Malbaie war der neue italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte. Vom Chef der Populistenregierung schien es wesentlich abzuhängen, ob eine geschlossene europäische Linie gegenüber Trump gebildet werden könnte. Kurz vor Gipfelbeginn scherte Conte allerdings aus dem Konsens aus, indem er sich hinter Trumps Vorschlag zur Wiederaufnahme Russlands stellte.

          „Russland sollte in die G 8 zurückkehren. Dies liegt im Interesse aller“, twitterte Conte - was den übrigen europäischen Teilnehmern wie auch Trudeau übel aufgestoßen sein dürfte. Zumindest beim Russland-Thema schien der Italiener aber schnell wieder eingemeindet worden zu sein: Die europäischen Gipfelteilnehmer seien geschlossen gegen den Wiedereintritt Russlands, verlautete nach dem Europäertreffen aus der französischen Delegation.

          Amerika zuerst

          Wie auch immer die Europäer sich letztlich bei dem Gipfel positionieren würden - Trump würde es voraussichtlich wenig scheren. Ihm ging es bei dem Treffen offensichtlich weniger um Konsens mit den westlichen Partnern als darum, sich vor dem heimischen Publikum als konsequenter Verfechter seiner Devise „Amerika zuerst“ in Szene zu setzen - dies schon mit Blick auf die Kongresswahlen im November.

          Auch die Bundeskanzlerin traf deshalb mit wenig Illusionen im Gepäck in La Malbaie ein. Sie hatte bereits vor Abreise klargemacht, dass sie keinen Kompromiss mit Trump um jeden Preis anstrebe. Es ergebe keinen Sinn, Meinungsunterschiede „beliebig zuzukleistern“, befand Angela Merkel.

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