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Gipfel der Überraschungen : Wer reden will, soll ruhig reden

Es ist das erste Mal, dass Emmanuel Macron einen G-7-Gipfel ausrichtet. Bild: Reuters

In Biarritz inszeniert Emmanuel Macron einen G-7-Gipfel voller Überraschungen. Er überrumpelt Trump und lässt den iranischen Außenminister einfliegen. Ganz offensichtlich hat der französische Präsident aus seinem Anfängerfehler gelernt.

          In die G-7-Saga seit 1975 könnte das Treffen in Biarritz als Gipfel der überraschendsten Wendungen eingehen. So wirkte es zumindest am Ende des ersten vollen Tages, den die Staats- und Regierungschefs der sieben wichtigsten Industrienationen gemeinsam an der Atlantikküste verbrachten. Vom Lieblingssport der Urlauber in Biarritz, dem Surfen, hatte sich Gastgeber Emmanuel Macron sichtlich inspirieren lassen. Er wirkte wie ein diplomatischer Wellenreiter, der immer den rechten Zeitpunkt abpasste, sich von der Strömung tragen zu lassen. Ein von der Atlantikbrise sichtlich aufgeheiterter amerikanischer Präsident machte es dem Franzosen dabei leicht. Er hatte sich als angriffslustiger Gegner der französischen Weinbauern und ihres Präsidenten angekündigt – überraschte dann aber damit, dass er aus seiner Suite im vornehmen Hotel du Palais vornehmlich Lobesworte auf Biarritz, Macron und den Gipfel twitterte.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Auch Boris Johnson, der britische Premierminister, fiel durch wider Erwarten mäßigende Worte bei seinem Einstand unter den sieben „Großen“ auf. Trump führte den „Neuen“ überschwänglich ein. „Er braucht keinen Rat. Er ist der richtige Mann für den Job“, sagte Trump. Johnson werde ein „herausragender Premierminister“. In das vorauseilende Siegesgeheul, nach dem Brexit würden Amerika und Großbritannien schnell „das bislang umfassendste Handelsabkommen“ unterzeichnen, mochte Johnson nicht einstimmen. „Ich weiß, dass es noch einige schwierige Gespräche geben wird“, dämpfte er die Hoffnung auf eine schnelle Einigung. „Ich habe großen Respekt vor Handelsgesprächen mit Amerika.“ Johnson hatte schon auf dem Flug nach Biarritz gesagt, es gebe weiterhin erhebliche Handelsbarrieren für britische Unternehmen in Amerika. Die „amerikanischen Freunde“ müssten daher zu Kompromissen bereit sein.

          Wer wird „Mister No Deal“?

          Im Austausch mit Trump wagte er dann sogar Widerspruch, nachdem der Amerikaner behauptet hatte, keiner der anderen Staats- und Regierungschefs habe ihn von einem Handelsstreit mit China abbringen wollen. Trump bezeichnete das chinesische Vorgehen als „ungeheuerlich“ und sagte, seine Vorgänger hätten zugelassen, dass China jedes Jahr Hunderte Milliarden Dollar abpumpe. „Sie stehlen und enteignen intellektuelles Eigentum in Höhe von 300 bis 500 Milliarden Dollar pro Jahr“, führte er aus. Johnson bat artig um die Erlaubnis, eine „friedfertige Anmerkung“ vorzubringen: „Wir bevorzugen einen allgemeinen Handelsfrieden.“ Johnson fügte hinzu, Großbritannien habe in den vergangenen „200 Jahren“ stets vom Freihandel profitiert.

          In dieser Frage lag er deutlich näher am EU-Ratspräsidenten Donald Tusk, der in Biarritz mahnte: „Handelskriege führen zur Rezession, während Handelsabkommen die Weltwirtschaft beleben.“ Tusk führte aus: „Ich hoffe immer noch, dass Premierminister Johnson nicht als Mister No Deal in die Geschichte eingehen will.“ Johnson konterte, ein Scheitern beim Erreichen eines Brexit-Abkommens würde auch ein schlechtes Licht auf Tusk werfen. Wenn Tusk nicht selbst als „Mister No Deal“ in Erinnerung bleiben wolle, dann werde er ihm hoffentlich noch entgegenkommen. Zugleich merkte Johnson in einem Fernsehgespräch in Biarritz an, dass ein Austritt ohne Abkommen „riskant“ („touch and go“) sei.

          Auch deshalb setzte der Brite seinen jovialen Schulterschluss mit Trump in Szene. Bei Rührei, Kalbswürstchen, Toast und französischen Teigwaren stärkten sich die beiden für den Tag, an dem abermals der junge Gastgeber die Regie führte. Schon am Vortag hatte Macron Trump mit einer „spontanen“ Mittagessenseinladung überrumpelt. Zum Auftakt brachte der Gastgeber sogar ein Kamerateam mit, das dann filmte, wie Macron dem mächtigsten Mann der Welt knapp zehn Minuten auf Französisch erläuterte, was er vom Gipfel erwarte. „Sicher, wir haben da manchmal unsere Divergenzen, aber gemeinsam können wir viel erreichen, deswegen sind wir stolz und glücklich, Sie hier zu haben, Mister President“, sagte der Gastgeber. Erst danach lieferte er seinem erstaunten Gast eine englische Fassung seiner Ausführungen. Trump ließ sich jedoch nicht von seiner guten Laune abbringen. Er sagte: „Wir sind alte Freunde, ich erinnere mich gerne an unser Abendessen auf dem Eiffelturm, das war ein sehr guter Start unserer Beziehung.“ Hinterher bekundete er bei mehreren Gelegenheiten, das zwei Stunden lange Mittagessen sei der beste Austausch gewesen, den er je mit Macron gehabt habe.

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