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G-7-Gipfel in Großbritannien : „Eine neue Atlantik-Charta“

Haben Großes vor: Boris Johnson und Joe Biden am Donnerstag mit ihren Ehefrauen in Cornwall Bild: Reuters

Boris Johnson will auf dem G-7-Gipfel mit Joe Biden eine neue transatlantische Ära begründen. Beide machten vor dem Treffen Impfstoffzusagen für ärmere Länder. Nun stehen die anderen Mitglieder der Gruppe unter Zugzwang.

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          Als Angela Merkel am Freitag am Flughafen von Cornwall eintraf und die Treppe auf die Rollbahn hinabstieg, wollte ihr jeder im Spalier des Empfangskomitees die Hand schütteln. Die Kanzlerin entzog sich, indem sie einen Gruß andeutete und danach jedem Einzelnen freundlich zunickte. Obwohl sie an der frischen Luft war, trug sie eine Maske, während die Gastgeber ihr Gesicht frei präsentierten. Es war nur ein kleines Symbol für die Unterschiede, welche die Mitglieder der G7 im Umgang mit der Corona-Pandemie pflegen.

          Jochen Buchsteiner
          Politischer Korrespondent in London.

          Das wird das Vorhaben nicht erleichtern, in den kommenden Tagen eine gemeinsame Strategie zu entwickeln, zumindest was die internationale Impfkampagne angeht. Das Ziel ist jedoch klar: Die G7 will ein Zeichen der Handlungsfähigkeit senden und auch auf dem Feld der internationalen Impfdiplomatie zeigen, dass wieder mit dem „Westen“ zu rechnen ist.

          Boris Johnson, der Gastgeber, hatte schon vor dem offiziellen Beginn des Gipfels angekündigt, hundert Millionen Impfdosen zu erwerben, um sie an ärmere Länder weiterzugeben. Kurz zuvor hatte Joe Biden, der Präsident des etwa fünfmal größeren Amerikas, in Cornwall bekannt gegeben, 500 Millionen Impfdosen zu verschenken. Damit stehen die anderen Club-Mitglieder unter Zugzwang.

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          G-7-Gipfel : Der Gipfel kommt zum Abschluss

          In einem Gastbeitrag für die F.A.Z. hatte Johnson von dem Ziel gesprochen, bis Ende des nächsten Jahres eine Milliarde Dosen zur Verfügung zu stellen. Dies könnte erreicht werden, wenn Japan, Kanada, Frankreich, Italien und Deutschland ähnliche Zusagen wie Großbritannien und Amerika machen würden.

          Merkel freut sich auf Biden

          Manchmal prägt der Zeitplan die Dynamik einer Konferenz. Dass es Johnson gelang, Biden einen Tag vor den anderen Teilnehmern in Großbritannien zu begrüßen, verschaffte ihm nicht nur die Gelegenheit, frühzeitig die Schlagzeilen zu dominieren. Unweigerlich stellte sich der Eindruck ein, als wollten die beiden traditionellen Führungsmächte der westlichen Welt den Rahmen für das Treffen setzen.

          Dafür griff Johnson tief in die Kiste der Geschichte. Nicht weniger als eine „neue Atlantik-Charta“ werde gerade zwischen ihm und Biden verabredet, sagte er am Donnerstag. Das Original datiert achtzig Jahre zurück, als Winston Churchill und Franklin D. Roosevelt am Ende des zweiten Kriegsjahres gemeinsame Grundsätze in der „Hoffnung auf eine bessere Welt“ formulierten.

          Heute seien die Herausforderungen sehr anderer Art, aber nicht minder einschüchternd, sagte Johnson. Es gehe um das Besiegen der Pandemie und die weltwirtschaftliche Erholung. Angestrebt wird aber auch ein Wiedererstarken der westlichen Welt, eine gemeinsame Strategie, um den zunehmend offensiv auftretenden autoritären Staaten zu begegnen – ihnen ein „attraktives Angebot“ entgegenzusetzen, wie es im deutschen Kanzleramt am Tag vor Merkels Abreise formuliert worden war.

          Die Bundeskanzlerin freute sich derweil auf ihre erste Begegnung mit dem neuen amerikanischen Präsidenten. Dieser repräsentiere das Bekenntnis zum wertebasierten Multilateralismus, „das uns gefehlt hat“, sagte Merkel am Freitag.

          Die geopolitischen Verschiebungen, insbesondere die Rolle Chinas und Russlands, sollen vor allem an diesem Samstag diskutiert werden. Als zusätzliche Gäste hat Johnson die Präsidenten Südkoreas und Südafrikas sowie die Regierungschefs Australiens und Indiens eingeladen; Narendra Modi wird allerdings wegen der angespannten Corona-Situation in seinem Land nur zugeschaltet sein. Ob mehr als Absichtserklärungen zu einer engeren Abstimmung der Demokratien im Schlusskommuniqué auftauchen werden, wird sich am Sonntag zeigen, wenn der Gipfel zu Ende geht.

          Wegen China drohen erste Risse

          Fachleute erkennen hinter der neu entdeckten Gemeinsamkeit der G7 nach den Trump-Jahren jedoch auch Risse. Während vor allem Washington die Entkopplung von China vorantreibe, hätten dagegen die meisten Länder der Europäischen Union Probleme mit einem harten Kurs gegenüber Peking. Großbritannien schwankt dabei, allerdings mit einer Tendenz zu den Vereinigten Staaten.

          Eine ähnliche, wenngleich etwas anders gelagerte Konstellation lässt sich auch in der westlichen Politik gegenüber Russland beobachten. Die europäischen Staats- und Regierungschefs werden die Tage im Badeort Carbis Bay nutzen, um Biden ihre jeweiligen Standpunkte mitzuteilen, bevor dieser in der kommenden Woche in Genf den russischen Präsidenten Wladimir Putin trifft.

          Bei den Beratungen über Gesundheitspolitik und Klimaschutz sollen die Staatschefs von zwei prominenten Gästen inspiriert werden. Die amerikanische Philanthropin Melinda Gates ist angereist und auch der britische Naturschützer David Attenborough.

          Manche würden noch Kronprinz Charles hinzuzählen, der die Gäste am Freitagabend – zusammen mit seiner Mutter, der Queen, und seinem Sohn William – im „Eden Project“ begrüßen wollte, einem botanischen Garten unweit des Tagungshotels. Die Queen wird Joe Biden dann am Sonntag noch einmal sehen bei einem bilateralen Treffen in Windsor Castle.

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