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G 7 : Die Welt wünscht Führung von Deutschland

Auch auf dem traditionellen Gipfelfoto spielt die Kanzlerin eine zentrale Rolle. Bild: Helmut Fricke

Schon vor Beginn des zweiten Tages des G-7-Gipfels hat sich gezeigt: Trotz aller Differenzen bleiben Deutschland und die Vereinigten Staaten enge Partner. Um sich selbst nicht zu schaden, müssen sie an einem transatlantischen Strang ziehen.

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          Die bayerische Bilderbuchkulisse samt dazugehörendem Kulturgut ist eine Attraktion für Millionen Touristen. Vor Beginn des G-7-Gipels verführte sie die Kanzlerin dazu, von einem „schönen Stück Deutschland“ zu schwärmen. An den Amerikaner Obama war Merkels stolzes Werben gerichtet. Der war davon so eingenommen, dass er seinerseits Bayern, Deutschland, Merkel über den grünen Klee lobte.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          War da nicht was? Meinungsverschiedenheiten in Sachen NSA? Ja, die gibt es und die lösten sich auch nicht im Weißbierdunst auf. Aber unabhängig von Rührseligkeit oder Nostalgie und trotz Entfremdungszeichen stimmt es eben, dass Deutschland und die Vereinigten Staaten enge Partner sind und dass es in ihrem Interesse liegt, möglichst eng zusammenzuarbeiten – mögen auch viele Demonstranten das Gegenteil für richtig und etwa das transatlantische Handelsabkommen für des Teufels halten.

          Aber das ist es nicht, sein Abschluss liegt im Interesse Europas wie Deutschlands im Besonderen. Die Handelspolitik ist dabei nur ein Feld, auf dem das deutsch-amerikanische Verhältnis sich bewähren kann und muss; man denke an Putins Vorgehen gegen die Ukraine, den Klimawandel, den islamistischen Terrorismus oder, allgemein, an den „Zerfall von Ordnung“. Wenn Amerika und Deutschland sowie dessen europäische Partner nicht an einem Strang ziehen oder gar auseinandertreiben, schaden sie sich selbst. Diejenigen, die das Vakuum zu füllen bereit sind, haben ganz andere Vorstellungen von „Ordnung“.

          Im Mai 1989 machte der damalige Präsident Bush dem damaligen Kanzler ein Angebot: Partner Amerikas solle die Bundesrepublik sein. Doch Kohl war das Angebot unangenehm, er wollte dieser Partner nicht sein – wenn, dann „Europa“. Heute richten sich viele Augen, nicht zuletzt der Amerikaner, fast automatisch auf Berlin, wenn es darum geht, Verantwortung zu übernehmen, Lasten zu tragen, Führung zu zeigen. Unter Merkel sind die Deutschen in diese Rolle politisch hineingewachsen, aber im Hurra-Stil üben sie diese nicht aus, übermütig sind sie nicht. Das wäre auch töricht und unhistorisch.

          Doch das ändert nichts daran, dass Deutschland als Akteur ins Zentrum westlicher, ja internationaler Politik gerückt ist, während Obamas Amerika eine Phase der Selbstfindung und der Beschränkung nach außen durchmacht. Und wichtige europäische Länder mit sich selbst zu tun haben.

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