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Abschied von einer Illusion : Der Sport war schon immer politisch

Chinesische Soldaten hissen bei den Olympischen Spielen in Peking 2008 die Landesflagge. Bild: REUTERS

Den „unpolitischen“ Sport gibt es nur noch in der Welt vieler Funktionäre. Dabei geht es ihnen vor allem ums Geld. Denn schon der frühe Amateursport schloss die unteren Schichten aus.

          5 Min.

          Sport ist Theater. Die Darsteller auf der Bühne stehen – je nach Disziplin – entweder Woche für Woche oder alle vier Jahre bei Olympischen Spielen oder Fußballweltmeisterschaften im Rampenlicht. Und die Öffentlichkeit lässt sich meistens verzaubern, freut sich mit den Erfolgreichen, bedauert oder verspottet die Verlierer. Ein harmloses Spektakel also, zumindest so lange, wie die Gesundheit der Beteiligten nicht für alle sichtbar zu sehr in Mitleidenschaft gezogen wird. Und wenn es früher von Marxisten gerne hieß, Religion sei Opium für das Volk, so könnte diese Rolle heute dem Leistungssport zugesprochen werden.

          Peter Sturm
          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

          Sport war und ist nämlich immer auch Politik. Selbst die Gentlemen, die in Großbritannien einst den vermeintlich edlen Amateursport erfanden, verstanden ihre körperliche Betätigung letztlich genau so. Denn man wollte und sollte beim Sport natürlich immer unter sich bleiben. Die Oberklasse spielte also Kricket, Tennis oder – in den Privatschulen – Rugby. Auch Rudern war standesgemäß. „Billige“ Vergnügungen wie das Kampfspiel Fußball war etwas für die unteren Klassen, nicht zuletzt die Arbeiter. Und weil die es sich im Gegensatz zu den hohen Herren nicht leisten konnten, lockeren Freizeitaktivitäten nachzugehen, professionalisierte sich von den heute „großen“ Sportarten zuerst der Fußball. Seit 1888 gibt es in England eine Profiliga, Schottland folgte kurze Zeit später.

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