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Fukushima : Eine Baustelle für Generationen

  • -Aktualisiert am

Fukushima: Ein Stahlrahmen für Block 1 Bild: REUTERS

Ein halbes Jahr nach dem Unglück in Japan zeigt sich, dass man nur knapp einer noch größeren Katastrophe entgangen ist. Das große Aufräumen wird Jahrzehnte dauern.

          Wie schlimm sind die Folgen der Nuklearkatastrophe im japanischen Fukushima? Auch sechs Monate nach deren Beginn am 11. März ist bislang nur eines gewiss: Es hätte noch viel schlimmer kommen können. Das zeigt vor allem der Vergleich mit der Nuklearkatastrophe im ukrainischen Tschernobyl im Jahr 1986.

          Ein Sechstel des damals freigesetzten Cäsium-137 und ein Zehntel des Jod-131 gelangte während der ersten Wochen der japanischen Katastrophe in die Luft. Doch nur etwa ein Fünftel des in Fukushima freigesetzten Cäsiums ging auf dem japanischen Festland nieder, das zumindest zeigen kürzlich veröffentlichte Simulationsdaten japanischer Forscher. Die eigentliche Wolke blies der Wind aufs Meer hinaus. Lediglich am 15. und am 21. März drehte er und wehte landeinwärts. „Wir haben maßloses Glück gehabt“, sagt Rolf Michel, Vorsitzender der Strahlenschutzkommission. Wäre die Wolke Richtung Tokio gezogen, so Michel, hätte man es mit Folgen ganz anderen Ausmaßes zu tun gehabt.

          So blieb die betroffene Fläche deutlich kleiner als die in der Umgebung des sowjetischen Reaktors, wo sich hoch kontaminierte Regionen noch in 150 Kilometer Entfernung finden. In Japan ist ähnlich stark nur ein 40 Kilometer langer und zehn Kilometer breiter Streifen in nordöstlicher Richtung der Reaktorruine betroffen. 85.000 Menschen wurden im März aus der 20-Kilometer-Zone um das havarierte Kernkraftwerk gebracht. Die meisten von ihnen werden für Jahrzehnte nicht in ihre Häuser zurückkehren können. Für die Vertriebenen dürfte es kein Trost sein, dass in Folge von Tschernobyl 336.000 Menschen aus ihren Häusern fliehen mussten - und etwa sieben Millionen Ukrainer und Weißrussen heute noch in Gebieten mit einer bedenklichen Cäsium-Kontamination leben.

          Auch aus technischer Sicht unterscheidet Fukushima vieles von der ukrainischen Katastrophe. So hatte der sowjetische Reaktor keinen Sicherheitsbehälter - diese birnenförmige Metallhülle umgibt den eigentlichen Reaktordruckbehälter und gehört seit Tschernobyl zum Sicherheitsstandard. Ohne ihn konnte die Explosion des sowjetischen Reaktorkerns und der anschließende tagelange Brand einen Großteil des radioaktiven Inventars in die Luft schleudern. „Auf diese Weise wurden große Mengen Plutonium und Strontium frei, die maßgeblich zur Verstrahlung der Zehn-Kilometer-Zone beitrugen“, sagt Michel. Sie wird auf Menschengedenken eine Sperrzone bleiben müssen: Plutonium hat eine Halbwertszeit von 24.000 Jahren. In Fukushima hat man es dank der Sicherheitsbehälter auf lange Sicht lediglich mit dem flüchtigen Cäsium zu tun, von dessen Atomen nach 30 Jahren nur noch die Hälfte übrig ist.

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