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Nach Suizid von Ärztin : Kritik am Umgang mit Drohungen von Impfgegnern in Österreich

Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen geißelte nach dem Tod von Lisa Kellermayr „Hass und Intoleranz“. Bild: dpa

Lisa Kellermayr wurde monatelang wegen ihres Engagements für Corona-Impfungen bedroht. Nach dem Suizid der Medizinerin steht die österreichische Polizei in der Kritik.

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          In Österreich hat der Suizid einer Ärztin, die in der Impfkampagne gegen das Coronavirus engagiert war, Betroffenheit, aber auch Kritik ausgelöst. „Sie ist als Ärztin dafür eingestanden, Menschen zu heilen und vor Krankheiten zu beschützen. Sie hat sich für die Wissenschaft stark gemacht. Für Impfungen und für einen vorsichtigen Umgang mit der Pandemie“, schrieb Bundespräsident Alexander Van der Bellen auf Twitter, nachdem am späten Freitagnachmittag bekanntgeworden war, dass die oberösterreichische Ärztin Lisa Kellermayr sich das Leben genommen hatte. „Hass und Intoleranz haben in unserem Österreich keinen Platz“, schrieb Van der Bellen.

          Niklas Zimmermann
          Redakteur in der Politik.

          Damit bezog sich der Bundespräsident auf die Anfeindungen und Morddrohungen, denen Kellermayr seit mehreren Monaten ausgesetzt war. Am 27. Juni hatte die Allgemeinmedizinerin ihre Praxis in Seewalchen am Attersee geschlossen. Sie habe mehr als 100.000 Euro in einen Sicherheitsdienst investiert, „um garantieren zu können, dass sich niemand der hier Hilfe sucht dadurch in Gefahr begeben muss“, schrieb die Ärztin zur Begründung auf Twitter. Die Kosten würden den Gewinn einer Hausarztpraxis um ein Vielfaches übersteigen.

          Am 13. Juli teilte Kellermayr mit, dass die Praxis endgültig geschlossen bleibe. „Solche Arbeitsbedingungen, wie wir sie die letzten Monate erlebt haben, sind niemandem zuzumuten“, schrieb sie. Laut dem Wochenmagazin „Falter“ hat die Ärztin bereits Mitte Juli einen Suizidversuch unternommen. Eine Obduktion wurde nach ihrem Tod nicht angeordnet. Laut der Staatsanwaltschaft Wels sind Abschiedsbriefe gefunden worden.

          Kritik wurde unterdessen vor allem am Verhalten der Polizei laut. Die Wiener Zeitung „Presse“ schrieb, dass das „Darknet“ nicht mehr als Grund genannt werden könne, um die Tätersuche einzustellen. Der „Standard“ erinnerte daran, dass die oberösterreichische Polizei am 1. Juli der Ärztin ausrichtete, sie würde sich „in die Öffentlichkeit drängen“ und mit ihrer Kritik an mangelnder Hilfe durch die Behörden „das eigene Fortkommen fördern“ wollen.

          Während am Wochenende über hasserfüllte Netzkommentare auch nach Kellermayrs Tod berichtet wurde, ist für Montagabend eine Gedenkveranstaltung auf dem Stephansplatz in Wien angekündigt.

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