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Fünf Jahre Krieg in Syrien : Das Regime zeigt sich nur noch am Himmel

Wie sich die Bilder gleichen: Vor fünf Jahren erreichte die Arabellion Syrien. Während der aktuellen Waffenruhe demonstrieren die Menschen auch in der Provinz Idlib wieder gegen Machthaber Assad. Bild: Reuters

Nach fünf Jahren Krieg gleicht Syrien politisch wie militärisch einem Flickenteppich. Alle Seiten sind ausgezehrt - doch zu schwach, die Kämpfe zu beenden.

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          Sie wagten sich wieder auf die Straße und riefen: „Das Volk will den Sturz des Regimes.“ Hunderte in den Rebellengebieten in Aleppo, Damaskus oder Homs nutzten am Freitag vergangener Woche den zerbrechlichen Schutzschild, den ihnen die vereinbarte Feuerpause bot, um gegen den Gewaltherrscher Baschar al Assad zu demonstrieren.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Es waren keine Massenproteste, es waren kleine Demonstrationen, und ihre Rufe erschollen in Ruinenlandschaften. Aber die Versammlungen erinnerten daran, wie alles angefangen hatte. Nun soll in Genf weiter darüber verhandelt werden, wie der Konflikt beendet werden kann.

          Es ist fast genau fünf Jahre her, dass der friedliche Aufstand gegen das Assad-Regime begann. In Daraa, im Süden des Landes, an der Grenze zu Jordanien, hatten ein paar Teenager Mitte Februar 2011 den im Zuge der „Arabellion“ berühmt gewordenen Satz vom Volk, das den Sturz des Regimes will, an die Wand ihrer Volksschule gesprüht. Gut ein Dutzend Jugendliche wurden in den folgenden Wochen festgenommen, sie verschwanden im Schattenreich des lokalen Geheimdienstchefs, eines für seine Brutalität und Arroganz berüchtigten Vetters Assads. Am 18. März 2011 machte die Bevölkerung nach dem Freitagsgebet ihrem Unmut Luft. Es gab Tote, als die Sicherheitskräfte in die Menge schossen. Eine blutige Spirale begann sich zu drehen.

          Inzwischen ist nach Schätzungen fast eine halbe Million Menschen getötet worden, allein 55 000 im vergangenen Jahr. Der Aufstand gegen die Willkür des Assad-Regimes ist zu einem komplizierten Konflikt geworden, in dem sich nicht mehr nur Assad und seine Gegner bekämpfen, sondern auch Iran und die arabischen Golfstaaten, in dem sich Sunniten und Schiiten bekriegen, in dem Russland seine Weltmachtambitionen auslebt und ein zauderndes Amerika düpiert.

          Menschen denken nicht in nationalen Kategorien

          Jenes Syrien, wie es die Jugendlichen von Daraa herausforderten, gibt es längst nicht mehr. Das Land ist zerstört, seine Bevölkerung flieht in Massen. Der Krieg hat sich vielerorts verselbständigt; er hat opportunistische Kriegsherren auf beiden Seiten geschaffen, syrische Wallensteins, denen es mehr nutzt, ihn fortzusetzen, als ihn zu beenden. Mehr als hundert Rebellenbrigaden kämpfen gegen das Regime, liefern sich gelegentlich auch untereinander Machtkämpfe.

          Vielerorts denken die Menschen nicht in nationalen Kategorien. Sie haben die Sicherheit ihres Dorfes, ihrer Kleinstadt im Sinn, weil schon eine Fahrt in den Nachbarort gefährlich sein kann. Wo sich die Bevölkerung gegen das Regime erhob, musste sie Verwaltung, Justiz und Polizeiarbeit selbst in die Hand nehmen. Die Führung in Damaskus zeigte sich in der Regel nur am Himmel - mit Jagdbombern oder Hubschraubern, aus denen die geächteten Fassbomben abgeworfen wurden. Die Aufständischen mussten Geld für Waffen und vor allem für Munition auftreiben und zugleich die Versorgung mit Nahrung, Strom, Wasser und Treibstoff sicherstellen.

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