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Wegen Missbrauchs angeklagt : Früherer Vatikanbotschafter Wesolowski gestorben

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Józef Wesolowski war Nuntius des Vatikans in der Dominikanischen Republik (Archivbild 2009) Bild: Reuters

Einst war er Botschafter des Papstes in der Dominikanischen Republik. Der Vatikan hatte ihn wegen Missbrauchs Minderjähriger angeklagt. Nun wurde Józef Wesolowski tot aufgefunden.

          Józef Wesolowski, der wegen sexuellen Missbrauchs angeklagte frühere Vatikanbotschafter in der Dominikanischen Republik, ist am frühen Freitag tot in seinem Zimmer im Vatikan aufgefunden worden. Nach einer offiziellen Mitteilung starb der 67 Jahre alte polnische Ex-Bischof vermutlich eines natürlichen Todes; dennoch sollte noch am Freitag eine Autopsie erfolgen. Der Papst habe den Tod mit Bedauern zu Kenntnis genommen, hieß es weiter.

          Am 11. Juli hätte im Vatikan der Prozess gegen den früheren Erzbischof eröffnet werden sollen. Doch Wesolowski erschien nicht. Stattdessen teilte der Vatikan mit, der Angeklagte sei am Vortag nach gesundheitlichen Beschwerden auf die Intensivstation eines römischen Krankenhauses gebracht worden. Daraufhin wurde der Prozess auf unbestimmte Zeit vertagt. Ende Juli wurde Wesolowski dann aus dem Krankenhaus entlassen und kehrte in den Vatikan zurück.

          Der Staatsanwalt des Vatikanstaats, Gian Piero Milano, hatte Wesolowski vorgeworfen, in der Dominikanischen Republik mehrere Jungen im Alter von 13 bis 16 Jahren sexuell missbraucht zu haben. Zudem soll Wesolowski eine „enorme Menge“ kinderpornografischen Materials besessen zu haben. Es war das erste Mal, dass ein vormals ranghoher kirchlicher Würdenträger wegen sexuellen Missbrauchs vor einem Gericht des Vatikanstaats stand.

          Wesolowski drohte dort eine mehrjährige Haftstrafe. Nach dem Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe war Wesolowski im August 2013 von seinem Posten als Papstbotschafter in der Dominikanischen Republik abberufen worden. Im September 2014 wurde er auf persönliche Anordnung von Papst Franziskus unter Hausarrest gestellt, aber im Dezember 2014 nach Ablauf der zulässigen Höchstdauer auch wieder daraus entlassen.

          Seither musste er sich im Vatikan aufhalten. Im Juni 2014 war Wesolowski bereits in einem erstinstanzlichen Urteil aus dem Priesterstand entlassen wurden, wogegen er Widerspruch einlegte. Der Prozess gegen den einstigen Geistlichen bestätigt die harte Linie, mit der Papst Franziskus wie sein Vorgänger Benedikt XVI. gegen Kindesmissbrauch durch Geistliche vorgeht. Im Juni gründete Franziskus zudem der Schaffung eines Kirchengerichts, das auch die Vertuschung von Missbrauchsfällen ahnden soll.

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