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Früherer Stellvertreter Saddam Husseins : Todesurteil gegen Tariq Aziz

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Ein Gericht in Bagdad hat den früheren irakischen Außenminister und Stellvertreter Saddam Husseins, Tariq Aziz, zum Tod durch den Strang verurteilt. Ein Sondertribunal befand ihn für schuldig, an der blutigen Niederschlagung von Protesten gegen Schiiten beteiligt gewesen zu sein.

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          Der frühere irakische Außenminister und stellvertretende Ministerpräsident Tariq Aziz ist in einem dritten Gerichtsurteil zum Tod durch den Strang verurteilt worden. Das irakische Sondertribunal gegen Spitzen des früheren Regimes von Saddam Hussein befand ihn für schuldig, an der blutigen Niederschlagung von Protesten gegen Schiiten 1982 beteiligt gewesen zu sein.

          Opfer waren vor allem Mitglieder der schiitischen Untergrundpartei Daawa, der auch der heutige Ministerpräsident Maliki angehört. Gleichzeitig wurden aufgrund derselben Anklage der damalige Innenminister Saaun Shaker und der Büroleiter von Saddam Hussein, Abdi Hamud, zum Tod verurteilt.

          Anwalt: Urteil politisch motiviert

          Tariq Aziz war zuvor in zwei Urteilen zu insgesamt 22 Jahren Haft verurteilt worden. Sein Anwalt kann gegen das Todesurteil in den nächsten 30 Tagen Berufung einlegen. Das Gericht müsste über den Antrag wieder innerhalb von 30 Tagen entscheiden. Dann muss der irakische Staatspräsident das Todesurteil unterzeichnen.

          Der ehemalige irakische Außenminister Tariq Aziz

          Der Anwalt von Tariq Aziz bezeichnete das Urteil als politisch motiviert und einen Versuch, vom Skandal der von Wikileaks veröffentlichten Dokumente abzulenken. Sein Sohn Ziad verteidigte in Amman den verurteilten Vater mit dem Hinweis, dass er im April 1980 Ziel eines Attentatsversuchs von Daawa-Mitgliedern gewesen sei.

          Tariq Aziz war am 11. März 2009 wegen der Unterzeichnung der Todesurteile gegen 42 Händler im Juli 1992, denen das Horten von Lebensmitteln und Preistreiberei unterstellt worden war, zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden.

          Am 3. August 2009 folgte eine Haftstrafe von sieben Jahren wegen seiner Rolle bei der Vertreibung der Kurden im Nordirak. In beiden Fällen hatte Aziz auf nicht schuldig plädiert. Aziz wurde 1983 zum Außenminister berufen und war von 1991 an auch stellvertretender Ministerpräsident.

          Gnadengesuch an die amerikanische Regierung

          Vor dem Beginn des Irakkriegs war der chaldäische Christ Aziz im Vatikan von Papst Johannes Paul II. empfangen worden. Aziz trug im Kartenspiel der 55 am meisten gesuchten Iraker Nummer 43.

          Er hatte sich am 25. April 2003 den Amerikanern gestellt und ist seither in Haft. Die chaldäische Kirche hat sich mit einem Gnadengesuch an die amerikanische Regierung gewandt. Der 1936 geborene Aziz hat in der Haft mehrere Schlaganfälle erlitten und soll schwer krank sein.

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