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Über 6400 Opfer : Früherer Präsident Kolumbiens entschuldigt sich für Tötung von Zivilisten

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Der damalige kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos im Mai 2018 im Europäischen Parlament in Straßburg Bild: dpa

Juan Manuel Santos hat um Entschuldigung für die Ermordung Tausender zumeist junger Männer gebeten. Sie waren von Armeeangehörigen getötet und dann als Rebellen ausgegeben worden, um sich Prämien zu erschleichen.

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          Der ehemalige kolumbianische Staatschef Juan Manuel Santos hat um Entschuldigung für die Tötung von Tausenden Zivilisten während seiner Amtszeit als Verteidigungsminister gebeten. „Das hätte nie passieren dürfen, das erkenne ich an und ich bitte um Vergebung, aus tiefster Seele, bei allen Müttern und ihren Familien, die Opfer dieses Grauens wurden“, sagte Santos vor der sogenannten Wahrheitskommission am Freitag.

          Santos war von 2006 bis 2009 Verteidigungsminister, von 2010 bis 2018 Präsident. Das kolumbianische Militär hatte laut der Sonderjustiz für den Frieden (JEP) zwischen 2002 und 2008 mindestens 6402 Zivilisten getötet und als feindliche Guerillakämpfer ausgegeben, um Quoten zu erfüllen und dafür Prämien zu bekommen.

          Systemische Tötungen?

          Santos, der 2016 den Friedensnobelpreis erhalten hatte, sagte, der Druck, beim Feind Verluste zu produzieren und die Belohnungen dafür seien zweifelsohne die Anreize für die Tötungen gewesen. Von systemischen Tötungen wollte der früherePräsident allerdings nicht sprechen.

          Kolumbien litt mehr als fünfzig Jahre unter einem bewaffneten Konflikt zwischen Streitkräften, linken Guerillagruppen und rechten Paramilitärs. Während des Bürgerkriegs kamen mehr als 220.000 Menschen ums Leben, Millionen wurden innerhalb Kolumbiens vertrieben.

          Die größte Rebellen-Organisation Farc schloss 2016 einen Friedensvertrag mit der Regierung von Santos, der Nachfolger von Álvaro Uribe war, und legte die Waffen nieder. In dem Vertrag wurden auch eine besondere Gerichtsbarkeit und die Wahrheitskommission vereinbart, die den Frieden garantieren soll.

          Mütter fordern Treffen mit Santos

          Die sogenannten falsos positivos (Falsche Positive) sind einer der schmerzhaftesten und emotionalsten Aspekte der Aufarbeitung des Bürgerkriegs, auch weil es sich dabei häufig um junge Männer handelte, die unter der Aussicht auf eine gut bezahlte Arbeit von zu Hause weggelockt wurden.

          Mütter und Familienangehörige wie in der Vereinigung „Mütter von Soacha“ kämpfen bis heute um Gerechtigkeit. So forderten sie am Freitag „ein Treffen, bei dem uns Juan Manuel Santos in die Augen sieht. Mehr als 13 Jahre haben wir geschrien, dass unsere Söhne keine Guerilleros waren. Endlich haben wir es aus seinem Mund gehört.“

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