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Früherer argentinischer Diktator : Videla: Kirche wusste von Verschwindenlassen

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Der frühere argentinische Diktator und General Jorge Rafael Videla im Gerichtssaal Anfang Juli Bild: AFP

Hohe Würdenträger der katholischen Kirche wussten während der Diktatur in Argentinien, dass das Regime Personen verschwinden ließ. Das bestätigte der frühere Diktator Rafael Videla. Die Geistlichen hätten sich sogar angeboten, um auf Angehörige der Opfer Einfluss zu nehmen.

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          Der frühere argentinische Diktator Rafael Videla hat bestätigt, dass hohe Würdenträger der katholischen Kirche über die Praxis, Personen verschwinden zu lassen, informiert waren. Die Geistlichen hätten sogar ihre „guten Dienste“ angeboten, um auf Angehörige der Opfer Einfluss zu nehmen. Die Kirchenvertreter hätten seinerzeit zugesichert, die Familienmitglieder aufzufordern, nicht an die Öffentlichkeit zu gehen und nicht weiter nach ihren verschwundenen Verwandten zu suchen, weil diese tot seien.

          Videla äußerte sich über die Mitwisserschaft der Kirche in Gesprächen mit der Zeitung „El Sur“, die schon 2010 geführt worden waren, deren Inhalt jedoch erst jetzt publik wurde. Er hatte die Bedingung gestellt, dass seine Äußerungen erst veröffentlicht werden dürften, wenn er die Provinz Córdoba verlassen habe. Damals saß Videla in einem Gefängnis in der nordwestargentinischen Provinz ein; inzwischen ist er verlegt und wegen der Menschenrechtsverletzungen, die unter seiner Herrschaft begangen wurden, mehrfach zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

          Videla sagte, er habe während der Militärdiktatur (1976 bis 1983) mit zahlreichen Kirchenvertretern gesprochen. Unter ihnen seien der 2009 gestorbene Apostolische Nuntius Pio Laghi, der damalige Kardinalprimas Raúl Primatesta (gestorben 2006) und andere Mitglieder der argentinischen Bischofskonferenz gewesen. Das Verschwindenlassen von Personen sei eine „bedauernswerte Angelegenheit“ gewesen, die man den Geistlichen als ein „schmerzhaftes Geschehen“ dargestellt habe.

          „Sie haben uns beraten, wie damit umzugehen sei“, sagte Videla. Wie bei anderen Gesprächen mit Medien berief sich der frühere Juntachef auf die Dekrete zur „Vernichtung“ der politischen Gegner, die Übergangspräsident Ítalo Lúder 1975, kurz vor Beginn der Diktatur, erlassen hatte. Videla bezeichnete diese Erlasse als „von einer demokratischen Regierung verfügte Lizenz zum Töten“.

          Folter, Kindesraub, die Plünderung des Eigentums der Opfer und andere von den Militärs begangene Verbrechen bezeichnete der frühere Diktator als „menschliche Niederträchtigkeiten“, zu denen es gekommen sei, weil den Streitkräften eine so große Freiheit zugestanden worden sei. In einer solchen Lage sei es „unvermeidlich, dass viele diese Freiheiten zum eigenen Vorteil benutzt“ hätten. Gegen Ende seiner Mitgliedschaft in der Junta, in den Jahren 1980 und 1981, sei erwogen worden, die Liste mit den Namen der Verschwundenen zu veröffentlichen. Dazu ist es jedoch nicht gekommen, denn „dann wären wir Gegenfragen ausgesetzt gewesen“, sagte Videla.

          „Wenn wir einer Mutter gesagt hätten, dass ihr Sohn auf der Liste steht, hätte sie niemand daran hindern können, zu fragen, wo ist er begraben, um dort eine Blume niederzulegen; wer hat ihn getötet, warum, wie haben sie ihn umgebracht? Es gab keine Antworten auf jede einzelne dieser Fragen, und wir glaubten, dass nur noch mehr Lärm um diese Realität entstanden wäre, und das hätte nur unsere Glaubwürdigkeit beeinträchtigt.“

          „Wir wissen nichts, irgendetwas wird schon gewesen sein“

          Ähnlich hatte Videla schon 1978 argumentiert, als ihn bei einem Mittagessen Primatesta, der damalige Vorsitzende der Bischofskonferenz, und zwei weitere Bischöfe darauf angesprochen hatten, dass das Verschwindenlassen von Personen auf lange Sicht „schlechte Auswirkungen“ haben könne. Die Kirchenvertreter müssen damals schon vom Schicksal der beiden im Dezember 1977 verschwundenen französischen Nonnen Alice Domon und Léonie Duquet gewusst haben. Als jedoch die Superiorin der beiden Ordensfrauen, Evelyn Lamartine, bei der Kirchenführung in Argentinien nachfragte, bestritten sowohl Primatesta als auch Laghi, über Informationen zu verfügen. „Wir wissen nichts, irgendetwas wird schon gewesen sein“, habe Laghi gesagt, berichtete Evelyn Lamartine später.

          Die katholische Kirche Argentiniens war während der Diktatur gespalten. Die Mehrzahl der Mitglieder des höheren Klerus wie Primatesta und der Kardinal Juan Carlos Aramburu, damals Erzbischof von Buenos Aires, verteidigten das Vorgehen der Junta und verschlossen sich den Anliegen der Angehörigen der Opfer. Andere wie die Bischöfe Enrique Angelelli oder Carlos Ponce de León wurden selbst Opfer. Sie starben unter mysteriösen Umständen bei Autounfällen.

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