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Front National : „Marine Le Pen hat eine Bank gefunden, Punkt!“

Marine Le Pen: Russischer Kredit sorgt für Diskussionen Bild: AFP

Aus dem Umfeld des UMP-Vorsitzenden Sarkozy kommt Verständnis für den russischen Millionen-Kredit für den Front National. Marine Le Pen selbst weist den Vorwurf zurück, das Darlehen des Geldinstituts eines Putin-Vertrauten habe Einfluss auf ihre Politik.

          In der Debatte über die russischen Millionen für den Front National (FN) hat der UMP-Abgeordnete Henri Guaino am Dienstag die Finanzierungsstrategie Marine Le Pens gebilligt. „Nein, der Kredit schockiert mich nicht“, sagte Guaino im Radiosender France Info. Der frühere Chefberater  im Elysée-Palast wird vom neuen UMP-Vorsitzenden Nicolas Sarkozy wieder als Redenschreiber in Anspruch genommen. Guaino sagte, er verstehe die Debatte über den russischen Kredit für den FN nicht.  „Marine Le Pen hat eine Bank gefunden, Punkt, aus!“, sagte Guaino.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Der UMP-Abgeordnete hatte zuvor Präsident Hollande  scharf kritisiert, weil er aufgrund der Ukraine-Krise das Milliardengeschäft  über zwei Hubschrauberträger vom Typ Mistral an die russische Marine  suspendiert hat. Marine Le Pen hat unterdessen den Vorwurf zurückgewiesen, ihre finanzielle Abhängigkeit von dem Geldinstitut eines Putin-Vertrauten bestimme ihre politische Positionierung gegenüber dem Regime Putins.

          Der frühere Arbeits-  und Sozialminister Xavier Bertrand (UMP) bezichtigte Le Pen der Lüge. Durch die Kreditaufnahme in Moskau begebe sich der Front National in einen „moralischen und politischen Interessenkonflikt“, so Bertrand. Die Unabhängigkeit des FN und der im Parteinamen und im -programm bekundete Patriotismus sei „ein großer  Scherz“.

          „Marine Le Pen hat das Recht, prorussische Positionen zu verteidigen und in Putin ihr Idol gefunden zu haben“, sagte Bertrand. „Aber künftig wird man sich immer fragen müssen, ob das so ist, weil die Russen ihr Geld geliehen haben“, sagte der UMP-Abgeordnete. Die FN-Vorsitzende habe bislang kein überzeugendes Argument gefunden, um den Verdacht zu widerlegen.

          Le Pen hat inzwischen die Schreiben veröffentlichen lassen, mit denen vier Banken (LCL, Crédit Agricole, CIC und BNPParibas) eine Kreditanfrage des FN ablehnen. Le Pen  behauptete, sie habe sich an die First Czech Russian Bank (FCRB) in Moskau  gewandt, da die französischen Geldinstitute ihrer Partei keinen Kredit gewähren wollten.

          Sozialisten: „Putin finanziert sie, um Europa zu spalten“

          Der Vorsitzende der sozialistischen Partei, Jean-Christophe  Cambadélis, hielt Marine Le Pen vor, die Unwahrheit zu sagen. Das Kreditgeschäft sei aufgrund der Seilschaften zwischen Le Pens  Parteimitstreitern und dem Putin-Regime zustande gekommen. „Wladimir Putin  finanziert sie, weil sie eine Rolle in seiner Strategie spielt, Europa zu  spalten“, sagte Cambadélis im Fernsehsender BFM TV.

          Die genaue Höhe der  zugestandenen Kredite ist noch immer unklar. Nach Enthüllungen der  Internetzeitung „Mediapart“ hatte Le Pen zugegeben, einen Kredit in Höhe von  neun Millionen Euro von der FCRB aufgenommen zu haben. Insgesamt soll der  FN-Schatzmeister Wallerand de Saint-Just einen Finanzierungsbedarf in Höhe von  40 Millionen Euro in den Verhandlungen mit der russischen Seite angemeldet  haben.

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