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Friedensprozess in Afghanistan : Kabul stoppt Gefangenenaustausch

Afghanische Polizisten in Kabul bei einem Fahrzeug, von dem am 18. August Raketen abgefeuert wurden. Bild: Reuters

Afghanistan will vorerst keine weiteren Taliban-Häftlinge freilassen – erst sollen die Aufständischen Forderungen erfüllen. In Kabul schlagen am Unabhängigkeitstag Raketen ein.

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          Der Friedensprozess in Afghanistan droht ein weiteres Mal in eine Sackgasse zu geraten. Die afghanische Regierung verkündete am Montagabend, dass sie die Freilassung inhaftierter Taliban-Kämpfer vorerst nicht fortsetzen werde, und stellte neue Bedingungen auf. In der Hauptstadt Kabul schlugen am Dienstag während der Feierlichkeiten zum afghanischen Unabhängigkeitstag Raketen ein. Der Sprecher von Präsident Ashraf Ghani, Sediq Sediqqi, sagte der Nachrichtenagentur AP am Montagabend, die Regierung werde – wie von den Taliban gefordert – weitere 320 Kämpfer freilassen. „Das ist kein Thema.“ Er forderte aber eine Gegenleistung von den Islamisten: Sie müssten weitere Gefangene der Regierung freilassen. Es handele sich um eine „sehr kleine Zahl“, so Sediqqi.

          Christian Meier

          Redakteur in der Politik.

          Der Taliban-Sprecher Suhail Schahin bestritt, dass es noch weitere Angehörige der Sicherheitskräfte gebe, die von den Aufständischen festgehalten würden. Er verwies zudem darauf, dass die Taliban ihre Verpflichtung aus dem Abkommen mit den Vereinigten Staaten vom Februar erfüllt hätten. Demnach sollen die Taliban 1000 Gefangene freigeben. Umgekehrt sollen von der Regierung bis zu 5000 Taliban freigelassen werden. Danach sollen innerafghanische Friedensgespräche beginnen.

          Iran bestreitet Prämien an Taliban

          Die Regierung hat bislang 4680 Kämpfer freigelassen. Um das Schicksal der verbliebenen Häftlinge, die großteils wegen schwerer Verbrechen verurteilt sind, wird seit Wochen gerungen. Mittlerweile haben sich auch ausländische Regierungen gegen die Freilassung einzelner Häftlinge ausgesprochen, die an der Tötung von Staatsbürgern der jeweiligen Länder beteiligt waren. Es handelt sich um Frankreich und Australien sowie nach Medienberichten die Vereinigten Staaten. Sediqqi bestätigte, dass gegenüber Kabul Bedenken mit Blick auf „sechs oder sieben Individuen“ geäußert worden seien.

          Präsident Aschraf Ghani während einer Zeremonie zum Unabhängigkeitstag Afghanistans am 18. August in Kabul
          Präsident Aschraf Ghani während einer Zeremonie zum Unabhängigkeitstag Afghanistans am 18. August in Kabul : Bild: AFP

          Verstärkt wurden die Spannungen durch mehrere Raketeneinschläge in Kabul am Dienstag. Laut Angaben des Innenministeriums wurden 14 Raketen von zwei Fahrzeugen abgefeuert. Die meisten von ihnen trafen demnach Wohnhäuser, mehrere schlugen laut Augenzeugenberichten in der Nähe des Regierungsviertels ein, wo Präsident Ghani an einer Zeremonie zum Unabhängigkeitstag teilgenommen hatte. Mindestens zehn Zivilisten wurden demnach verletzt, unter ihnen vier Kinder. Zwei Verdächtige seien festgenommen worden. Ein Ableger der Terrorgruppe "Islamischer Staat" reklamierte den Anschlag später für sich.

          Unterdessen wies Iran Medienberichte zurück, wonach es eine Zusammenarbeit mit den Taliban gegeben habe. „Die konspirativen Unterstellungen des amerikanischen Außenministers bezüglich einer militärischen Unterstützung der Taliban sind grundlos und absurd“, sagte Außenamtssprecher Said Chatibsadeh am Montag. Der amerikanische Sender CNN hatte berichtet, dass amerikanische Geheimdienste zu der Auffassung gelangt seien, Iran habe Taliban-Kämpfern Prämien für Angriffe auf ausländische Soldaten in Afghanistan gezahlt. Ähnliche Vorwürfe hatte es jüngst mit Blick auf Russland gegeben.

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