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Nach verheerenden Anschlägen : Friedensprozess in Afghanistan in Gefahr

Afghanische Sicherheitskräfte bewachen das angegriffene Krankenhaus. Bild: Reuters

Die Spannungen in Afghanistan verschärfen sich: Nach Anschlägen mit zahlreichen Toten macht die Regierung die Taliban verantwortlich. Die warnen, sie seien im Falle eines Angriffs bereit zurückzuschlagen.

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          Nach zwei verheerenden Anschlägen mit zahlreichen Toten droht ein schwerer Rückschlag für den Friedensprozess in Afghanistan. Präsident Aschraf Ghani und die Taliban-Rebellen wiesen einander die Verantwortung für eine mögliche militärische Eskalation zu.

          Christian Meier

          Redakteur in der Politik.

          In einer Fernsehansprache verkündete Ghani am Dienstagabend, die Armee werde die seit Ende Februar geübte Zurückhaltung aufgeben: „Ich befehle allen Sicherheitskräften, ihre aktive Verteidigungsposition zu beenden und ihre Operationen gegen den Feind wiederaufzunehmen.“ Den Taliban warf er vor, ihre Angriffe verstärkt und Aufrufe zur Eindämmung der Gewalt ignoriert zu haben.

          Der Angriff galt der Geburtsstation

          Mit Blick auf die beiden Anschläge, bei denen am Dienstag mindestens 48 Menschen getötet wurden, sagte Ghani, Kabul und Nangarhar erlebten wieder Angriffe der Taliban und des „Islamischen Staats“ (IS). Während der IS den Selbstmordanschlag auf eine Trauerfeier in der östlichen Provinz Nangarhar, bei dem mehr als 20 Menschen getötet und weitere 68 verletzt wurden, für sich reklamiert hat, haben weder die Terrormiliz noch die Taliban die Verantwortung für die Attacke auf ein Krankenhaus im Westen Kabuls übernommen.

          Dort hatten mehrere Angreifer laut Angaben des Gesundheitsministeriums mehr als 20 Menschen getötet und etwa 20 weitere verletzt. Besondere Empörung rief hervor, dass der Angriff der Geburtsstation galt: Unter den Opfern waren Neugeborene, Krankenschwestern und Medienberichten zufolge mehrere Schwangere. Das Krankenhaus liegt in einem vorwiegend von schiitischen Hazara bewohnten Viertel, die häufig zum Ziel von Anschlägen des IS werden.

          Die Taliban nannten Ghanis Ankündigung eine „Kriegserklärung“. Sie seien „voll und ganz vorbereitet“, auf jede Art von Angriff zu reagieren, hieß es in einer Mitteilung ihres Sprechers Zabihullah Mudschahid. Die Regierung in Kabul sei verantwortlich für alle Konsequenzen und „eine weitere Eskalation der Gewalt“.

          „Ein Akt des puren Bösen“

          Der amerikanische Außenminister Mike Pompeo verurteilte die Anschläge, insbesondere während des „heiligen Monats Ramadan“. Den Angriff auf Kinder und Schwangere nannte er „einen Akt des puren Bösen“. Zugleich wies Pompeo darauf hin, dass die Taliban sich von beiden Anschlägen distanziert haben.

          Er rief die Aufständischen sowie die Regierung in Kabul zur Zusammenarbeit auf, um die Täter zu ermitteln. Solange es keine Gewaltreduzierung und keinen Fortschritt dabei gebe, eine Friedenslösung auszuhandeln, bleibe Afghanistan anfällig für Terrorismus, sagte Pompeo.

          Die Regierung in Washington hatte Ende Februar eine Vereinbarung mit den Taliban getroffen, die den Abzug der ausländischen Truppen aus Afghanistan sowie innerafghanische Friedensverhandlungen vorsieht. In letzterem Punkt gab es jedoch wenig Fortschritte. Seit Anfang März haben die Regierung und die Taliban insgesamt etwa 1200 Gefangene ausgetauscht.

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