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Friedensnobelpreisträger : Zwei Stachel im Fleische der Mächtigen

Mutige Journalisten: Dmitrj Muratow und Maria Ressa Bild: dpa

Zwei Vertreter einer in vielen Ländern der Welt bedrohten Art bekommen in diesem Jahr gemeinsam den Friedensnobelpreis: Maria Ressa von den Philippinen und Dmitrij Muratow aus Russland stehen für unabhängigen Journalismus.

          4 Min.

          Maria Ressa, vor 58 Jahren in Manila geboren, ist die mutige Chefin des Online-Nachrichtenportals Rappler. Sie wurde wegen ihrer Kritik an dem blutigen Drogenkrieg des philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte zum Ziel einer Verfolgungskampagne, die unter anderem mit juristischen Mitteln geführt wurde. In den sozialen Medien wurde Ressa zudem von Dutertes Anhängern mit wüsten Beschimpfungen attackiert.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.
          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Dem Portal, das sie im Jahr 2012 mitgegründet hatte und dessen Chefin sie seither ist, war schon im Jahr 2018 die Lizenz entzogen worden. Es hatte kritisch über die Anti-Drogen-Krieg des Präsidenten berichtet, in dessen Verlauf Tausende bis Zehntausende Menschen von der Polizei und verdeckten Todeskommandos getötet worden sein sollen.

          „Tod durch tausend Schnitte“

          Immer wieder hatten Duterte und sein Regime die Journalistin festgenommen und neue Verfahren vor Gericht angestrengt. Das Vorgehen von Duterte gegen sie und ihr Onlinemagazin Rappler hat sie einmal als „Tod durch tausend Schnitte“ bezeichnet. Unter anderem wurde sie im vergangenen Jahr wegen Verleumdung verurteilt.

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          Maria Ressa, die viele Jahre für den Sender CNN tätig war, gehört zu den bekanntesten Journalistinnen des Landes. Sie wurde auf den Philippinen geboren, zog mit ihren Eltern aber in die Vereinigten Staaten, als der Diktator Ferdinand Marcos den Ausnahmezustand über das Land verhängt hatte. In Amerika studierte sie an der Universität Princeton, bevor sie auf die Philippinen zurückkehrte. Im Jahr 2018 erhob das Magazin Time sie aufgrund ihres Eintretens für Pressefreiheit und Demokratie zu einer Person des Jahres. Die Philippinen liegen in der Rangliste für Pressefreiheit der Organisation Reporter ohne Grenzen mittlerweile auf Platz 138 von 180.

          Menschenrechtler sahen in der Verfolgung Ressas das Vorgehen eines immer autoritärer agierenden Präsidenten. Neben Rappler verlor auch der Fernsehsender ABS-CBN seine Sendelizenz. Der 76 Jahre alte Präsident hat erst vor einigen Tagen seinen Rückzug aus der Politik mit Auslaufen seiner Amtszeit im kommenden Jahr angekündigt. Duterte darf laut Verfassung nicht ein zweites Mal für das Amt kandidieren. Am Freitag hat der frühere Polizeichef und Senator Ronald „Bato“ dela Rosa seine Kandidatur für das Präsidentenamt offiziell eingereicht. Er gilt als einer der Hauptverantwortlichen für den Drogenkrieg des Präsidenten.  

          Über „Trollfabriken“ berichtet

          Dmitrij Muratow, der russische Preisträger, wurde vor bald 60 Jahren in Kujbyschew, dem heutigen Samara, an der Wolga geboren. Er ist einer der Gründer der im Ausland wohl bekanntesten russischen Zeitung, der Nowaja Gaseta. Seit 1995 ist Muratow, mit kurzer Unterbrechung von Ende 2017 bis 2019, auch Chefredakteur der „neuen Zeitung“. Der frühere sowjetische Präsident Michail Gorbatschow, ein treuer Partner und Aktionär des unter Journalisten und Intellektuellen liebevoll Nowaja  genannten Blattes, schenkte der Redaktion zum Start 1993 mit seinem eigenen Friedensnobelpreisgeld acht Computer. Muratow ermöglicht, dass die Nowaja Gaseta trotz zahlloser Widrigkeiten weiter Enthüllungen veröffentlicht, die den Reichen und Mächtigen missfallen.

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