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Friedensnobelpreisträger : Zwei Stachel im Fleische der Mächtigen

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Im Überblick : Nobelpreisträger von 1901 bis 2021

Das ist angesichts von immer mehr Gleichschaltungen, erst im vergangenen Jahr der Zeitung Wedomosti, ein beeindruckendes Verdienst. Viele von Russlands besten Investigativjournalisten arbeiten für die Nowaja oder haben für sie gearbeitet. Die Begründung des Nobel-Komitees listete einige der Themen auf, denen sich die Zeitung widmet: Korruption, Polizeigewalt, widerrechtliche Festnahmen, Wahlmanipulationen, „Trollfabriken“ von Internethetzern, Russlands Truppeneinsätze im In- und Ausland. Und immer wieder Tschetschenien, Gewalt und Willkür in der Nordkaukasus-Teilrepublik.

Die Gefahren verdeutlicht, dass Muratow schon sechs Kollegen – so die Zählung der Zeitung, der nun auch das Nobel-Komitee folgte – begraben musste, die ermordet wurden. 2003 starb sein Stellvertreter Jurij Schtschekotschichin offiziell an einem allergischen Schock, vermutlich aber an einer Vergiftung. Am 7. Oktober 2006 wurde Anna Politikowskaja, die selbst eine Vergiftung überlebt hatte, im Aufzug ihres Moskauer Wohnhauses erschossen; auch das Nobel-Komitee nannte nun ausdrücklich diese ermordete Journalistin.

Muratows Kollegen leben gefährlich

Ein Auftraggeber der Tat wurde nie ermittelt und könnte sich seit Donnerstag, Politkowskajas 15. Todestag, offiziell auf Verjährung berufen. Zu diesem Anlass veröffentlichte die Nowaja Gaseta eine Zeitungsausgabe mit dem Bild ihrer berühmten Tschetschenien-Reporterin auf der Titelseite, ein Buch („Dafür“) sowie einen Film, „Wie sie Anna töteten“, und äußerte sich überzeugt, dass die Staatsmacht, deren Agenten und Polizisten Komplizen der Täter waren, alles daran gesetzt habe, die Ermittlungen ins Leere laufen zu lassen.

Auch heute leben Muratows Kollegen, die sich mit Themen wie in Tschetschenien oder mit Jewgenij Prigoschin – jenem regimenahen Unternehmer, dem Söldner und „Trolle“ zugeordnet werden – befassen, sehr gefährlich, werden angegriffen und bedroht. So wirkte die Erinnerung an Politkowskaja mitten in einer neuen, noch härteren Repressionswelle gegen Russlands unabhängige Journalisten auch wie eine Selbstvergewisserung, nicht allein auf der richtigen Seite zu stehen. ancher mag nun in Russland hoffen, dass der Friedensnobelpreis für Muratow die Nowaja Gaseta davor bewahrt, ebenfalls der „Bereinigung“ der Medien zum Opfer zu fallen. Denn immer mehr Journalisten werden zu „ausländischen Agenten“ erklärt, unter ihnen Roman Anin, ein früherer Investigativreporter der Nowaja, und dessen von ihm seither aufgebautes Onlinemedium Waschnyje Istorii (Wichtige Geschichten). Russland liegt in der Rangliste von Reporter ohne Grenzen auf Platz 150; es dürfte noch schlimmer werden.

Das Komitee hob hervor, „ungeachtet der Morde und Bedrohungen, verzichtete Chefredakteur Muratow nicht auf das Prinzip der Unabhängigkeit und schützte konsequent das Recht von Journalisten, über ihre ausgewählten Themen zu schreiben, solange es der Professionalität und den ethischen Standards des Journalismus entspricht“. Muratow selbst kündigte an, er werde einen Teil des Geldes aus dem Nobelpreis einer Stiftung spenden, die Kindern mit seltenen, schweren Erkrankungen hilft. Deren Schicksale stellt seine Zeitung regelmäßig vor und wirbt um Spenden, welche die Familien dringend brauchen, um ihre Kinder zu retten.

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