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Friedensnobelpreis 2018 : Ausrufezeichen gegen sexuelle Gewalt im Krieg

  • Aktualisiert am

Denis Mukwege und Nadia Murad wurden in diesem Jahr mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Bild: dpa

Sexualisierte Gewalt wird schon lange systematisch als Kriegswaffe eingesetzt. Denis Mukwege und Nadia Murad kämpfen seit Jahren gegen diese Form des Kriegsverbrechens – und erhalten dafür nun den Friedensnobelpreis.

          Für ihren Kampf gegen sexuelle Gewalt als Waffe im Krieg erhalten der kongolesische Arzt Denis Mukwege und die irakische Menschenrechtsaktivistin Nadia Murad den Friedensnobelpreis 2018. Die beiden Menschenrechtler hätten sich in herausragender Weise gegen solche Kriegsverbrechen eingesetzt, erklärte das norwegische Nobelkomitee am Freitag in Oslo. Mukwege habe sein Leben der Verteidigung von Opfern sexueller Gewalt gewidmet, Murad als Zeugin vom Missbrauch gegen sich selbst und andere berichtet. „Jeder von ihnen hat auf seine Weise dazu beigetragen, sexuelle Gewalt im Krieg besser sichtbar zu machen, sodass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden können“, erklärte das Komitee.

          Denis Mukwege gilt als weltweit führender Experte für die Behandlung von Verletzungen durch Gruppenvergewaltigungen und als Aktivist gegen sexuelle Gewalt. 1999 gründete der Gynäkologe das Panzi Hospital im ostkongolesischen Bukavu. Die Region wird seit 1996 immer wieder von Kriegen überzogen. Damals strömten im Zuge des Völkermordes im benachbarten Ruanda neben einer Million Kriegsflüchtlingen zahlreiche schwerbewaffnete Milizen in den Kongo. Die Zentralregierung hat kaum Kontrolle über den Osten, staatliche Strukturen fehlen. Verschiedene Rebellengruppen konnten sich so ausbreiten und führen einen rücksichtslosen Krieg um die reichen Bodenschätze der Region: Gold, Diamanten, Platin und Coltan. Sexualisierte Gewalt wird dabei systematisch als Kriegswaffe eingesetzt. Die Panzi Foundation, die das Krankenhaus in Bukavu finanziert, spricht von einer „Epidemie sexueller Gewalt seit zwanzig Jahren“.

          Versklavt, vergewaltigt und gefoltert

          Mukwege operiert vergewaltigte Frauen, dokumentiert aber auch seit Jahren die Taten und benennt die Täter. Vor den Vereinten Nationen hielt er 2012 eine viel beachtete Rede über den Gebrauch sexueller Gewalt als Kriegswaffe. Er forderte dabei unter anderem, Vergewaltiger zu bestrafen und kritisierte Ruanda für seine Unterstützung bestimmter Milizen, die an den Taten beteiligt sind. Zudem berichtet er seit Jahren in Interviews über die bleibenden physischen und psychischen Schäden von Opfern der Massenvergewaltigungen. Mit seinen öffentlichen Auftritten machte sich Mukwege keine Freunde: Einen Monat nach seiner Rede vor den Vereinten Nationen in New York entging er in seiner Heimat nur knapp einem Mordversuch.

          Die 25 Jahre alte Jesidin Nadia Murad wurde dagegen selbst Opfer sexueller Gewalt, als der sogenannte „Islamische Staat“ im Sommer 2014 große Teile des Irak überrannte. Die sunnitische Dschihadistenmiliz ging in ihrem Herrschaftsbereich besonders erbarmungslos gegen die jesidische Bevölkerungsgruppe vor, eine zumeist kurdischsprachige religiöse Minderheit im Nordirak. Die Dschihadisten vertrieben ihre Angehörigen in das angrenzende Gebirge und nahmen die Frauen und Mädchen als Sexsklavinnen gefangen. Auch Nadia Murad wurde von „IS“-Kämpfern versklavt, vergewaltigt und gefoltert, konnte aber in Mossul aus ihrer Gefangenschaft fliehen. Bei dem Angriff der Miliz auf ihr Dorf wurden 18 Familienmitglieder von Murad getötet.

          Seit ihrer Flucht nach Deutschland spricht Murad immer wieder öffentlich über das Erlebte, unter anderem im Dezember 2015 vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Für ihr Engagement wurde sie 2016 von der Parlamentarischen Versammlung des Europarates mit dem Václav-Havel-Menschenrechtspreis geehrt.

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          Sexuelle Gewalt wird in vielen größeren Konflikten als Kriegswaffe eingesetzt. Im Bosnienkrieg etwa dienten sie der ethnischen Säuberung umkämpfter Gebiete. Kämpfer der bosnischen Serben verfolgten mit ihren Vergewaltigungen an bosnisch-muslimischen Frauen das Ziel, diese zu „brandmarken“ – indem die Opfer gezwungen waren, die Nachkommen ihrer Peiniger zur Welt zu bringen. Der Bosnienkrieg führte auch zum ersten Prozess, der sich ausschließlich um Vergewaltigung im Krieg dreht: 2000 mussten sich vor dem Internationalen Kriegsverbrechertribunal in Den Haag drei bosnische Serben für Vergewaltigungen in 50 Fällen verantworten, darunter an Mädchen im Alter zwischen 12 und 15 Jahren.

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