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Friedensnobelpreis für Obama : „Krieg ist manchmal notwendig“

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Der amerikanische Präsident mit Urkunde und Medaille nach der Übergabe des Friedensnobelpreises Bild: REUTERS

Mit „tiefer Dankbarkeit und großer Demut“ hat der amerikanische Präsident Barack Obama die Nobelurkunde und seine Medaille entgegengenommen. Über Kritik an der Preisvergabe hatte Obama zuvor gesagt: „Ich habe keinen Zweifel daran, dass es andere geben mag, die den Preis eher verdient hätten.“

          Der amerikanische Präsident Barack Obama hat den diesjährigen Friedensnobelpreis entgegengenommen. Der Vorsitzenden des Nobelkomitees, Thorbjörn Jagland, überreichte ihm in Oslo die Nobelurkunde und die Medaille.

          Obama sagte in seiner Rede, er sehe sich in der Tradition der Friedensaktivisten wie Martin Luther King. „Aber als Staatsoberhaupt, das geschworen hat, sein Land zu schützen und zu verteidigen, kann ich mich nicht allein an ihrem Vorbild orientieren“. „Kriege sind manchmal notwendig,“ fügte er hinzu. „Wir müssen die harte Wahrheit anerkennen, dass wir während unseres Lebens gewaltsame Konflikte nicht ausmerzen werden.“ Eine gewaltlose Bewegung hätte weder Adolf Hitler bezwungen, noch könne sie Al-Qaida-Anführer zur Aufgabe bewegen. „Daher spielt das Instrument des Krieges eine Rolle dabei, um den Frieden zu erhalten.“

          Eine endgültige Lösung für die Probleme von Kriegen habe er jedoch nicht, erklärte er weiter. Frieden sei „nicht einfach die Abwesenheit eines sichtbaren Konflikts“ und könne nur von Dauer sein, wenn er auf „den angeborenen Rechten und der Würde eines jeden Individuums“ gründe. Notwendig seien die gleichen Visionen, entschlossenes Handeln und Beharrlichkeit.

          Preisträger: Barack Obama

          Obama: „Bisher Erreichtes gering“

          Einmal mehr warb Obama für eine atomwaffenfreie Welt. Mit Russland bemühten sich die Vereinigten Staaten um den Abbau der Arsenale. Auf der anderen Seite dürften aber Länder wie Nordkorea und Iran keine Atomwaffen erlangen.

          Zu Beginn seiner Rede räumte Obama ein, dass die Vergabe der Auszeichnung an ihn Kontroversen ausgelöst habe. Verglichen mit anderen großen historischen Figuren wie Albert Schweitzer und Nelson Mandela sei das bisher von ihm Erreichte gering, gab Obama zu. „Zudem gibt es Männer und Frauen rund um den Erdball, die im Gefängnis sitzen und geschlagen werden, weil sie nach Gerechtigkeit streben“.

          Er könne denjenigen nichts erwidern, die darauf verwiesen, dass diese Menschen „die Ehre sehr viel mehr verdient haben als ich“. Auch sei er als amerikanischer Präsident für die Stationierung tausender junger Amerikaner in einem fernen Land verantwortlich. „Einige werden töten. Andere werden getötet.“ Er sei sich der Kosten bewaffneter Konflikte bewusst.

          Jagland: „Obama hat Nobelkomitee perfekt verstanden“

          Thorbjörn Jagland verteidigte in seiner Rede die Entscheidung des Nobelkomitees. Obama selbst habe den Preis als einen „Aufruf zum Handeln“ bezeichnet, sagte er. „Präsident Obama hat das norwegische Nobelkomitee perfekt verstanden.“ Vom ersten Augenblick seiner Präsidentschaft an habe Obama versucht, ein kooperativeres Klima zu schaffen und die „Temperatur in der Welt zu senken“, sagte Jagland. „Obama ist ein politischer Führer, der weiß, dass selbst die Mächtigsten verletzbar sind, wenn sie allein stehen.“ Obama möge bei seinen Vorhaben „die Hilfe erhalten, die Sie wirklich verdienen“.

          Bereits vor Entgegennahme der Auszeichnung hatte Obama nach einem Treffen mit dem norwegischen Ministerpräsidenten Jens Stoltenberg seine Absicht bekräftigt, das militärische Engagement in Afghanistan vom Juli 2011 an zu reduzieren. Dann solle damit begonnen werden, „Verantwortung an die afghanische Seite zu übertragen“. Obama nimmt den Friedensnobelpreis neun Tage nach der Entscheidung entgegen, zusätzliche 30.000 Soldaten nach Afghanistan zu senden. Weltweit war moniert worden, die Preisverleihung sei wegen der Eskalation des Krieges am Hindukusch und der bislang erfolglosen Friedensbemühungen Obamas im Nahen Osten voreilig.

          Mit der Auszeichnung würdigt das norwegische Nobelkomitee die Bemühungen Obamas für diplomatische Konfliktlösungen und eine atomwaffenfreie Welt. Auch in der Klimapolitik hätten die Vereinigten Staaten unter ihrem erst seit Januar amtierenden Präsidenten eine konstruktive Rolle übernommen, teilte das Komitee mit.

          Obama schrieb am Donnerstag einen längeren Eintrag in das Gästebuch des Instituts, was seine Frau Michelle zu der Bemerkung veranlasste: „Schreibst Du ein Buch hier?“ Und als Nobel-Sekretär Geir Lundestad die First Lady bat, sich auch einzutragen, versprach Michelle Obama: „Meiner wird nicht so lang werden.“

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