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Malala Yousafzai : Eine Vorkämpferin für Bildung

  • Aktualisiert am

Malala Yousafzai: Beraten von einem Stab von PR-Experten Bild: Reuters

Sie wurde zu einer Ikone für Zivilcourage: Die junge Pakistanerin Malala Yousafzai überlebte einen Anschlag von Fundamentalisten. Und setzt sich weiter auf der ganzen Welt dafür ein, dass Mädchen zur Schule gehen dürfen.

          Mit 15 Jahren erlangte die pakistanische Schülerin Malala Yousafzai plötzlich tragische Berühmtheit: Im Oktober 2012 hatten radikal-islamische Taliban-Kämpfer auf das Mädchen geschossen, das auf dem Heimweg von der Schule war. Zwei Wochen später wachte die Schwerverletzte in einem Krankenhaus im englischen Birmingham wieder auf. Ein eiligst organisierter Rettungsflug von Pakistan nach Europa und mehrere Operationen retteten dem Teenager aus dem Swat-Tal in Pakistan das Leben. Seither kann sich Malala vor Auszeichnungen und Auftritten nicht retten.

          Der Friedensnobelpreis in diesem Jahr ist nun die Krönung, den sie sich mit dem 60 Jahre alten indischen Kinderrechtsaktivisten Kailash Satyarthi aus Indien teilt. Malala ist heute 17 Jahre alt. Die junge Frau mit den dunklen Augen und dem locker um den Kopf geschwungenen Kopftuch wurde weltweit zu einem Symbol für Zivilcourage. Sie veröffentliche ihre Biografie und sprach vor der UN-Vollversammlung. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon nannte sie „unsere Heldin“, Madonna widmete ihr einen Song.

          Sie besuchte den amerikanischen Präsidenten Barack Obama und seine Familie im Weißen Haus und wurde von Queen Elisabeth im Buckingham-Palast empfangen. Sie ist Sacharow-Preisträgerin des Europaparlaments, hat die kanadische Ehrenstaatsbürgerschaft verliehen bekommen und sogar ihr erstes Ehrendoktorat entgegengenommen. „Im Moment hören mir die Leute wirklich zu und unterstützen mich. Aber ich weiß auch, dass sich das ändern kann. Ich weiß, dass die Reaktion nicht die gleiche in fünf oder zehn Jahren sein könnte“, sagte Malala kürzlich der britischen Zeitung „Guardian“.

          Schon mit 11 Jahren hielt sie Vorträge

          Am Anfang habe sie viele Einladungen angenommen. Doch nun habe sie sich eingeschränkt, weil sie nicht wolle, dass die Schule darunter leidet. In der Öffentlichkeit zu stehen, daran ist Malala früh gewöhnt worden. Ihr ehrgeiziger Vater, Ziauddin Yusafzai, der Besitzer einer Schul-Kette in Pakistan, nahm die Tochter schon 2008 in den Presseclub von Peshawar mit.

          Die damals kaum Elfjährige hielt dort bereits Vorträge über Bildung. Wenig später begann der britische Sender BBC einen Blog des Kindes zu veröffentlichen: In Tagebuchform berichtete Malala von den Gräueltaten der Taliban im Swat-Tal. Sie setzte sich dabei vehement für den Schulbesuch von Mädchen ein, den die Taliban verboten hatten, die zu jener Zeit das Tal besetzten und ein Schreckensregime führten. Malala geriet ins Visier der Extremisten. Ihr Vater sah sich mit dem Vorwurf konfrontiert, seine Tochter gefährlich exponiert zu haben.

          Mit ihrer öffentlichen Rolle als Vorkämpferin für Bildung nahm die Bedrohung für Malala zu. Lokalzeitungen druckten Warnungen, Drohbriefe tauchten vor ihrer Haustür in Mingora auf - bis am 9. Oktober 2012 vermummte Bewaffnete den Schulbus anhielten, nach Malala fragten und dann das Feuer auf das Kind eröffneten. Man habe sie wegen ihrer „pro-westlichen Haltung“ töten wollen, erklärten die Taliban später.

          Keine Rachegedanken

          Mit dem Anschlag wurde Malala im Westen über Nacht zur Ikone im Kampf gegen den Extremismus. Islamisten äußern weiter Morddrohungen. Inzwischen lebt sie mit ihren Eltern und ihren beiden jüngeren Brüdern in Birmingham. Ihr Vater arbeitet als Kulturattaché des pakistanischen Konsulats. Die Familie plant bislang keine Rückkehr nach Pakistan.

          Beraten von einem Stab von PR-Experten ist Malala zu einer internationalen Marke geworden, die der Familie Millionen Euro mit Buchverträgen, Auftritten und Filmrechte sichert. In Pakistan ruft dies nicht nur Stolz hervor. Vielmehr wurden wiederholt Vorwürfe laut, Malala sei zu einer Marionette des Westens geworden. Die Aktivistin weist dies klar zurück: „Ich bin eine Tochter Pakistans und ich bin stolz, Pakistanerin zu sein“, sagte sie der BBC.

          Auch gegenüber den extremistischen Angreifern hegt Malala keine Rachegedanken. Sie wolle Bildung für alle Kinder, auch „die Söhne und Töchter der Taliban und aller Terroristen und Extremisten“, erklärte sie in ihrer Rede vor der UN. „Lasst uns unsere Stifte und Bücher in die Hand nehmen. Sie sind unsere mächtigsten Waffen.“ Bildung sei die einzige Lösung gegen Armut und Extremismus. Malalas Berufswunsch? Politikerin. Sie möchte Premierministerin von Pakistan werden.

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