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Friedensnobelpreis für Liu Xiaobo : Appell an Peking: „Lasst ihn frei“

  • Aktualisiert am

Der Vorsitzende des Nobelpreiskomitees, Thorbjörn Jagland, legt das Nobelpreis-Diplom auf den leeren Stuhl des Preisträgers Bild: dapd

In Oslo ist symbolisch der Friedensnobelpreises an den inhaftierten chinesischen Schriftsteller Liu Xiaobo verliehen worden. Das Nobelkomitee und Regierungen in aller Welt fordern dessen Freilassung. In Peking wurden weitere Bürgerrechtler in Gewahrsam genommen.

          Begleitet von scharfen Protesten aus Peking ist am Freitag in Oslo der Friedensnobelpreis an den chinesischen Schriftsteller Liu Xiaobo verliehen worden. Weder Liu, der in China inhaftiert ist, noch seine unter Hausarrest stehende Ehefrau Liu Xia konnten an der Zeremonie in der norwegischen Hauptstadt teilnehmen.

          China blockierte die Live-Übertragung von der Vergabezeremonie für den Friedensnobelpreis. Der Bildschirm blieb schwarz - sowohl beim amerikanischen Nachrichtensender CNN wie auch bei der britischen BBC. Auch die Webseite des norwegischen Nobelkomitees, die die Verleihung ebenfalls übertrug, war gesperrt.

          Ein leerer Stuhl und ein großes Porträt Lius symbolisierten bei der Zeremonie die Inhaftierung des Preisträgers. Der Vorsitzende des Nobelkomitees, Thorbjörn Jagland, verlangte Liu Xiabbos die Freilassung Lius, der zu einem Symbol für den Kampf um Menschrechte geworden sei. „Liu hat nur seine Bürgerrechte ausgeübt. Er hat nichts Falsches getan“, sagte Jagland. Die Reaktion Chinas habe bewiesen, das die Preisverleihung „notwendig und angemessen“ sei.

          Applaus vom norwegischen König Harald V. und Gattin Sonja

          15 Länder blieben der Zeremonie in Anwesenheit von Norwegens König Harald V. fern, darunter neben China selbst auch Russland, Afghanistan und der Irak. Die Dotierung von umgerechnet 1,1 Millionen Euro sowie das Nobeldiplom sollen in Oslo verbleiben, bis Liu Xiaobo selbst oder eine Person seines Vertrauens darüber verfügen kann.

          Die Schauspielerin Liv Ullman verlas bei der Zeremonie eine Ansprache Lius, die dieser während seines Prozesses im Dezember 2009 gehalten hatte: „Erfüllt mit Zuversicht, erwarte ich den Beginn der Zukunft eines freien Chinas. Es gibt keine Macht, die die Sehnsucht der Menschen nach Freiheit stoppen kann und am Ende wird China eine Nation werden, in der Rechtstaatlichkeit herrscht und in der Menschenrechte als Oberstes gelten.“

          Obama appelliert an Peking: „ Lasst ihn frei“

          Der amerikanische Präsident Barack Obama würdigte Liu als Preisträger, der für „universelle Werte“ stehe. „Liu Xiaobo hat den Friedenspreis viel mehr verdient als ich es hatte“, erklärte Obama, der im vergangenen Jahr mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, in Washington. Er appellierte an die Regierung in Peking, den Schriftsteller „so bald wie möglich“ freizulassen. Obama sagte, er respektiere die wirtschaftlichen Fortschritte, die China gemacht habe. Allerdings müsse das Land auch die Wichtigkeit der Menschenrechte anerkennen.

          Auch die Bundesregierung kündigte an, sich weiter für die Freilassung Liu Xiaobos einzusetzen. Regierungssprecher Steegmans sagte in Berlin, Liu habe sich mutig für die politische Freiheit und die Menschenrechte eingesetzt. „Insbesondere hat er sich immer wieder dafür ausgesprochen, diesen Kampf mit friedlichen Mitteln zu führen.“ Die deutsche Regierung bedauere es ausdrücklich, dass es Liu Xiaobo nicht gestattet worden sei, an der Preisverleihung in Oslo teilzunehmen, sagte Steegmans. Bei der Verleihung des Nobelpreises sei Deutschland von seinem Botschafter in Norwegen, Detlev Rünger, vertreten worden.

          „Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt“

          Der 54 Jahre alte Liu wurde 2009 vor einem Jahr wegen „Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt“ zu elf Jahren Haft verurteilt wurde, sitzt in einem Gefängnis in Jinzhou in Nordostchina.Die Regierung in Peking bezeichnet den Mitverfasser der Charta 08, die tiefgreifende politische Reformen in China fordert, als „Kriminellen“.

          Seine Frau Liu Xiao wird in Peking unter Hausarrest gehalten. Auch seinen Anwälten wurde die Ausreise verweigert. Die demokratischen Kräfte in China waren bei der Feier nur durch 40 Mitglieder der exilchinesischen Dissidentengemeinde vertreten sein.

          Zuletzt hatten vor 74 Jahren weder der deutsche Publizist Carl von Ossietzky noch seine Familie den Preis entgegennehmen können, weil ihnen die Nazis die Reise nach Oslo nicht erlaubten. Seit der Verkündung des Friedensnobelpreises vor zwei Monaten waren in China dutzende Aktivisten und Kritiker unter Hausarrest gestellt, in Haft genommen oder eingeschüchtert worden.

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