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Friedensnobelpreis 2013 : Malala, Manning oder sogar Snowden?

  • Aktualisiert am

Gute Aussichten: Malala Yousafzai könnte mit nur 16 Jahren mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet werden Bild: AP

An diesem Freitag gegen elf Uhr wird verkündet, wer den Friedensnobelpreis erhält: Die Spekulationen haben sich in den vergangenen Wochen auf einen Namen zugespitzt. Malala. Aber auch prominente „Whistleblower“ sind im Gespräch.

          Ein Mädchen könnte am Freitag den Friedensnobelpreis bekommen. Unangefochten steht die 16 Jahre alte Pakistanerin Malala Yousafzai an der Spitze der Spekulationen. Weil sie den Kampf für Bildung für Frauen und Mädchen in ihrer Heimat trotz eines Mordanschlags auf sie fortsetzt, haben Politiker in mehreren Ländern Malala für den renommierten Preis vorgeschlagen. Das norwegische Nobelkomitee könnte sie etwa gemeinsam mit der Unesco auszeichnen, spekulieren skandinavische Medien kurz vor der Bekanntgabe des Preisträgers. 

          Weitere aussichtsreiche Kandidaten sind der kongolesische Arzt Denis Mukwege, der Ende September für seine Behandlung tausender missbrauchter Frauen bereits mit einem Alternativen Nobelpreis geehrt wurde, und der weißrussische Menschenrechtler Ales Beljazki.

          Ein Kandidat: Chelsea Manning

          Unter den bekannten Kandidaten in diesem Jahr ist auch der amerikanische Whistleblower Bradley Manning, der sich auf dem Weg zur einer Geschlechtsumwandlung jetzt Chelsea nennt. Die Nominierung von Edward Snowden dürfte dagegen zu spät beim Nobelkomitee in Oslo eingegangen sein. Gleiches dürfte für den russischen Präsidenten Wladimir Putin gelten, über dessen Kandidatur der britische „Independent“ vergangene Woche berichtete.

          Nominierung zu spät? Edward Snowden

          Malala Yousafzai wurde Opfer der Taliban, da sie öffentlich ihren Wunsch nach Schulbildung äußerte. Nur knapp überlebte die Schülerin einen Kopfschuss der Fanatiker. Seit ihrer Genesung tingelt sie von Termin zu Termin, hat eine Biographie veröffentlicht und wird als Politikerin der nächsten Generation gelobt. Am Donnerstag erhielt sie den Sacharow-Preis, eine Auszeichnung der EU für Menschenrechtsaktivisten. Doch nicht alle sehen ihre Favoritenrolle beim Friedensnobelpreis mit Wohlwollen: Sie sei jung, noch ein Kind, gelenkt von Eltern und Dritten. Für das Nobelkomitee spiele das Alter eines Kandidaten keine Rolle, hieß es aus Oslo.

          Die Verkündung des Friedensnobelpreisträgers bildet den offiziellen Abschluss des Nobelreigens, nach der Verkündung der Preisträger in den Sparten Medizin, Physik, Chemie und Literatur.

          Der Friedensnobelpreis ist die einzige der mit je 8 Millionen schwedischen Kronen (915.000 Euro) dotierten Auszeichnungen, die nicht in Stockholm vergeben wird. Er wird in jedem Jahr am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels, in Oslo offiziell verliehen.

          Würdiger Preisträger oder falsche Wahl?

          Seit seiner Gründung 1901 haben 101 Personen und 24 Organisationen die Auszeichnung erhalten, darunter das Internationale Komitee vom Roten Kreuz, das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge, Albert Schweizer, Mutter Teresa oder Martin Luther King. So renommiert, so umstritten ist der Preis. Immer wieder war die öffentliche Empörung groß: Wie konnte das Komitee ausgerechnet jene Person oder Organisation auszeichnen?

          Im vergangenen Jahr hatte die EU die Auszeichnung bekommen. Auch diese Wahl mitten in der Euro-Schuldenkrise stieß auf Kritik und Empörung: Es sei falsch ein von der Finanzkrise gebeuteltes Bürokratiemonster auszuzeichnen, hieß es von den Kritikern. Andere aber bezeichneten es als kluge Entscheidung des Komitees, den Wert der Europäischen Union gerade in der Krise hervorzurufen. Die F.A.Z. sprach von einer Idee von kühner Weitsicht.

          Die EU habe zu einem Versöhnungsprozess im Sinne Alfred Nobels beigetragen, erklärte der Präsident des Nobelkomitees, Thorbjörn Jagland. Der Friedenspreis sei wohlverdient und notwendig. Die Union sei „eindeutig kein Vorkämpfer für den Frieden“, kritisierten dagegen frühere Friedensnobelpreisträger und Menschenrechtler. Darunter Desmond Tutu, vormaliger anglikanischer Erzbischof von Kapstadt.

          Für Preisgründer Nobel, den 1896 gestorbenen schwedischen Erfinder des Dynamits, waren die Kriterien scheinbar klar. Erhalten sollte den Friedensnobelpreis, so Nobel in seinem Testament, wer am meisten oder am besten die Brüderlichkeit zwischen Nationen gefördert habe, wer bestehende Armeen abgeschafft oder verkleinert habe oder Friedenstreffen gegründet oder ausgeweitet habe. Der letzte Wille des Erfinders ist eine Vorlage, auf deren Basis das Nobelkomitee aus fünf Mitgliedern des norwegischen Parlaments seine Wahl treffen soll. Dennoch haben sich die Kriterien im Laufe der Jahrzehnte gewandelt.

          Waren es zu Anfang Pioniere weltweiter Friedensorganisationen, wurden vermehrt aktive Politiker ausgezeichnet, die sich für Frieden in einer bestimmten Periode einsetzten. Zuletzt wurde auch der Einsatz gegen Folgen des Klimawandels mitbedacht. Allein die Menge der Kandidaten dürfte die Auswahl schwer machen. Jährlich gibt es 150 bis 200 Vorschläge - und die Zahl steigt. In diesem Jahr wurden 209 Personen und 50 Organisationen vorgeschlagen, mehr als je zuvor in der Geschichte des Preises. Vorschlagsberechtigt sind unter anderen Mitglieder des Nobelkomitees und des Nobelinstituts, Mitglieder von nationalen Parlamenten und Regierungen, aber auch Professoren und frühere Preisträger. Friedensnobelpreise waren und bleiben umstritten.

          Nicht nur die EU rief Proteste hervor; Namen wie Henry Kissinger, Jassir Arafat und Schimon Peres ließen wiederholt die Frage aufkommen, ob es richtig ist, aktive Politiker auszuzeichnen, die Friedensstifter, aber auch treibende Kriegsakteure waren. So wurde Kissinger 1973 noch während des Vietnamkriegs ausgezeichnet.

          Le Duc Tho, der mit Kissinger den Preis erhalten sollte, lehnte ihn aus diesem Grund ab. Arafat und Peres erhielten den Preis 1994 für erste Friedensverhandlungen - doch der israelisch-palästinensische Konflikt schwelt bis heute. Auch die Vergabe an den amerikanischen Präsidenten Barack Obama 2009 wurde kritisch beäugt. Obama war kaum Präsident; profiliert hatte er sich außenpolitisch noch nicht. Ebenfalls kritisch gesehen wurde die Ehrung von Mohammed el-Baradei als Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA 2005.

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