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„Fridays For Future“ : Schüler in mehr als 100 Staaten demonstrieren für mehr Klimaschutz

  • Aktualisiert am

Schüler bei der„Fridays for Future“–Klimademonstration in der Düsseldorfer Innenstadt. Bild: dpa

„Die Zeit rennt, ihr pennt!“ - mit bissigen Slogans fordern Schüler weltweit eine schnelle Umkehr in der Klimapolitik. Rund um den Globus gibt es Proteste unter dem Motto „Fridays for Future“. Hören die Entscheidungsträger den Jugendlichen zu?

          Hunderttausende Jugendliche haben am Freitag weltweit für einen radikalen Kurswechsel hin zu mehr Klimaschutz demonstriert. Kundgebungen unter dem Motto „Fridays For Future“ gab es in europäischen Metropolen wie Rom, Wien, Warschau, London und auch in Dutzenden deutschen Städten. Unter anderem in Berlin, Köln, Dresden und Stuttgart zogen Tausende Schüler, Studenten und Unterstützer mit Plakaten durch die Straßen. Rund um den Globus waren mehr als 2000 Kundgebungen und Schülerstreiks in mehr als 120 Staaten angekündigt, in Deutschland rund 200.

          Symbolfigur der Protestwelle ist die 16 Jahre alte schwedische Schülerin Greta Thunberg, die seit August 2018 immer freitags für einen beherzteren Kampf gegen den Klimawandel demonstriert statt zur Schule zu gehen. Sie ist inzwischen zu einer Ikone für Klimaschützer rund um die Welt geworden. In vielen Städten hielten Demonstranten Schilder mit dem Spruch „Make the world Greta again“ in die Höhe - angelehnt an den Wahlkampfslogan von Amerikas Präsident Donald Trump „Make America great again“ (Macht Amerika wieder groß).

          Die schwedische Schülerin Thunberg, die zusammen mit Tausenden Mitstreitern in Stockholm protestierte, bescheinigte den Regierungen weltweit zu wenig Ehrgeiz im Kampf gegen die Erderwärmung. Anstatt zu handeln, vergeudeten Politiker allerorten Zeit, sagte sie am Rande einer Demonstration vor dem Reichstag.

          Aus Berlin übertrug sich der Klimaprotest auf andere deutsche Städte. Am Freitag versammelten sich die Schüler hierzulande unter anderem auch in Köln, Dresden, Stuttgart und Frankfurt am Main. Bilderstrecke

          In einem Beitrag auf FAZ.NET schrieb Thunberg zusammen mit anderen jugendlichen Organisatoren der Initiative „Fridays For Future“: „Diese Bewegung musste kommen, wir hatten keine Wahl.“ Das „etwas sehr falsch läuft“ hätten ihnen die jüngsten Wald- und Buschbrände etwa in Schweden und den Vereinigten Staaten sowie die Überschwemmungen und Dürreperioden in Australien und Deutschland gezeigt. Die Erderhitzung nannten sie die „größte Gefahr, der die Menschheit jemals gegenüber stand“.

          Von den Erwachsenen erwarte die Bewegung nicht, dass sie der Jugend Hoffnung spende, schrieben Thunberg und ihre Mitstreiter. „Wir wollen, dass ihr in Panik geratet und handelt. Wir wollen, dass ihr euch anschließt.“ Konkret müsse schnell weltweit der Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas organisiert werden. Subventionen für diese Art „schmutziger Energie“ gehörten abgeschafft, stattdessen müsse viel mehr Geld in erneuerbare Energien fließen.

          Auf Plakaten bei Protesten in Deutschland hieß es unter anderem: „Wir lernen nicht für eine zerstörte Zukunft“ oder „Fehlstunden verkraften wir, Klimawandel nicht“. Andere hatten Schilder dabei mit Aufschriften wie „Die Dinos dachten auch, sie hätten Zeit“ und „Wäre die Welt eine Autofirma, hättet ihr sie längst gerettet“.

          Tatsächlich drängt die Zeit: Schon jetzt hat sich die Erde nach Befunden des Weltklimarats IPCC gegenüber der vorindustriellen Zeit um etwa ein Grad erwärmt, in Deutschland sogar noch etwas stärker. Die Jahre 2015 bis 2018 waren nach Analysen der Weltwetterorganisation die vier wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen im 19. Jahrhundert. Geht es weiter wie bisher, ist Ende dieses Jahrhunderts die Welt wohl gut drei Grad wärmer. Zu den fatalen Folgen gehören mehr Hitzewellen, längere Dürren sowie mehr Stürme, Starkregen und Hochwasser. Um den Trend zu stoppen, muss der Ausstoß von Treibhausgasen etwa aus der Verbrennung von Kohle und Öl oder aus der Tierhaltung stark reduziert werden.

          Unterstützung bekommt die ursprünglich von jungen Leuten initiierte Bewegung auch aus anderen Generationen. So haben rund 20.000 Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eine Stellungnahme unterzeichnet, um dem Anliegen der Klimabewegung Nachdruck zu verleihen. Auch Eltern stellen sich mit „Parents for Future“ an die Seite der Jugendlichen. Sie bitten unter anderem darum, auf Schulverweise oder andere disziplinarischen Maßnahmen zu verzichten, wenn Schüler für Proteste dem Unterricht fernbleiben.

          Nach Ansicht des CDU-Bundestagsabgeordneten Philipp Amthor sollten die Proteste erst nach dem Unterrichtsende beginnen. „Politisches Interesse der Schüler finde ich immer gut. Dem können sie aber auch in ihrer Freizeit nachgehen“, sagte der 26 Jahre alte Politiker der „Heilbronner Stimme“. Ähnlich äußerte sich Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in der Zeitschrift „Spiegel“. Vergangene Woche hatte jedoch nach Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Schülerproteste begrüßt.

          In Neuseeland, wo die ersten Proteste weltweit anliefen, sagte Koordinatorin Sophie Handford (18) der Deutschen Presse-Agentur: „Wir sind die, die diese Erde erben werden. Wir verdienen es, darüber mitreden zu dürfen, welche Art von Zukunft wir haben werden.“

          Auch in Rom strömten Tausende Schüler zu den Kaiserforen und forderten lauthals einen Wechsel in der Klimapolitik. Dabei skandierten sie vor der historischen Kulisse und bei strahlendem Sonnenschein Sprüche wie „Wir haben nur einen Planeten“ oder „Wir sind der Wandel“. Auch in Indien beteiligten sich insgesamt einige hundert Schüler in der Hauptstadt Neu Delhi sowie weiteren Städten. In Gurugram, einem Vorort von Neu Delhi, trug ein Mädchen einen Kittel, auf dem „Ich will nicht ersticken“ stand. Neu Delhi und Gurugram (früher Gurgaon) gehören laut Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO zu den 13 Städten mit der schlimmsten Feinstaubbelastung weltweit – alle 13 liegen in Nordindien.

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