https://www.faz.net/-gpf-9cdtn

Trump und Putin : Zwei gegen den Rest der Welt

Putin war hingegen etwas origineller. Er sagte über die jüngsten Anklagen gegen zwölf russische Agenten des Militärnachrichtendienstes GRU in den Vereinigten Staaten wegen der Hacker-Angriffe auf Clintons Demokraten, es gebe ein Justizhilfeabkommen Russlands mit den Vereinigten Staaten. Der amerikanische Sonderermittler Robert Mueller könne entsprechend beantragen, dass die betreffenden Personen in Russland verhört würden. Trump bezeichnete dieses Angebot als „unglaublich“. Putin wurde auch gefragt, ob er gewollt habe, dass Trump die Wahl gewinne. Eine Steilvorlage. Putin bejahte: Das habe er gewollt, weil Trump im Wahlkampf darüber gesprochen habe, die russisch-amerikanischen Beziehungen wieder zu normalisieren. Befragt danach, ob Russland belastendes Material über Trump und dessen Familie habe – Vermutungen dazu beziehen sich auf einen Moskau-Besuch Trumps im Herbst 2013 – sagte Putin, Trump sei zum fraglichen Zeitpunkt doch erst ein normaler Geschäftsmann gewesen. Solle man für alle ausländischen Geschäftsleute auf Russland-Besuch Material sammeln? Trump fügte hinzu, wenn es etwas gebe, „wäre es schon lange raus.“

„Die ersten Schritte in einer hellere Zukunft“

Putin schenkte Trump, der die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland mehrfach gelobt hatte, einen Fußball, mit Blick auf die WM in den Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko 2026. Trump sagte, sein Sohn Barron werde den Ball erhalten. Aber besonders Trump war erkennbar um eine Verbesserung der Atmosphäre bemüht. Er sprach von einem sehr produktiven Gipfel. Die Meinungsverschiedenheiten seien bekannt, man habe lange darüber gesprochen. Aber „vor vier Stunden“ habe sich die Beziehung zu Russland zum Guten geändert. Trump pries Putin als „sehr guten Wettbewerber“, das sei ein Kompliment. Er sagte mit Blick auf Russlands Gasgeschäft mit Deutschland und dem übrigen Europa und die Nord-Stream-2-Pläne, die der amerikanische Präsident noch in Brüssel heftig kritisiert hatte, sei sich sicher, die Vereinigten Staaten würden wettbewerbsfähige Rohstoffe liefern. Trump sagte, er sei sich sicher, man werde sich noch oft treffen und hoffentlich alle Probleme lösen, über die man gesprochen habe. Der Präsident sagte, Amerika und „alle“ müssten sich vorwerfen, nicht genug Dialog mit Russland gehabt zu haben. „Beide“ Seiten hätten Fehler gemacht. Es seien aber in Helsinki „die ersten Schritte in eine hellere Zukunft“ gemacht worden.

Die finnische Hauptstadt hatte die beiden Präsidenten in prachtvoller Sommerschönheit empfangen. Und selbstbewusst: Die Zeitung „Helsingin Sanomat“ brachte auf vielen Anzeigetafeln in der Stadt in englischer und russischer Sprache Auszüge aus ihren Artikeln vor, die sich mit Angriffen Putins und Trumps, in unterschiedlicher Schwere, auf die Pressefreiheit befassen. Auf einem Bildschirm an der Musikhalle wurden die beiden „im Land der Pressefreiheit“ willkommen geheißen. Am Sonntag hatten in Helsinki rund zweieinhalbtausend Menschen für Frieden und Menschrechte demonstriert, erst bei einem Marsch durch die Hauptstadt, dann auf dem Senatsplatz, gegen Trump, gegen Putin, gegen beide. Noch am Sonntagabend stand ein einsames Pappschild auf der Esplanade, einem Park im Zentrum der Hauptstadt, forderte „lebenslange Haft“ für Putin wegen der Krim-Annexion, des Ukraine-Kriegs und des Abschusses von Flug MH17. Wie es sich fügt, jährt sich der Abschuss mit 298 Toten durch, so die Ermittlungsergebnisse, eine Buk-Rakete der 53. Luftabwehrbrigade aus dem westrussischen Kursk, an diesem Dienstag zum vierten Mal. Der Bürgermeister Helsinkis, Jan Vapaavuori, sagte, der Gipfel biete Finnland die Chance, sich als „echte westliche Demokratie“zu präsentieren.

Weitere Themen

Impeachment als Realityshow

Amtsenthebung im Senat : Impeachment als Realityshow

Wenn diese Woche die Verteidiger und Ankläger Trumps im Senat aufeinandertreffen, mag der Freispruch schon feststehen – nicht aber, welche Seite sich besser für den Wahlkampf in Stellung bringt.

Topmeldungen

Auftakt in Davos : Keine Greta-Show, nirgends

Durch ihren Auftritt auf dem Weltwirtschaftsforum im vergangenen Jahr ist Greta Thunberg zur Ikone einer weltumspannenden Klima-Bewegung geworden. Nun ist sie zurück – mit anderen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.