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Jens Stoltenberg : Freundlich, aber hartnäckig

Seit 2014 Generalsekretär der NATO: Jens Stoltenberg im Juni bei einem Treffen mit US-Präsident Joe Biden in Washington Bild: AFP

Vor dem NATO-Gipfel in Brüssel wirbt Generalsekretär Jens Stoltenberg für seine Vorstellungen der Zukunft des transatlantischen Bündnisses. Die Staats- und Regierungschefs werden ihm in den meisten Punkten folgen.

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          Macht und Ohnmacht eines NATO-Generalsekretärs liegen nahe beieinander. Jens Stoltenberg hat das zuletzt mehrmals erlebt. Von Donald Trumps Entscheidung, die Truppen der NATO-Ausbildungsmission am Hindukusch zu halbieren, erfuhr der Norweger aus der Zeitung. Er wandte sich gegen einen überstürzten Abzug und warb dafür, dies an Bedingungen zu knüpfen. Von der neuen Regierung in Washington wurde er dann zwar konsultiert, aber ebenso vor vollendete Tatsachen gestellt.

          Thomas Gutschker
          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          Auf einem anderen Feld hat er dagegen selbst die Agenda bestimmt: der Anpassung der Allianz an eine „unsichere Welt“, wie er stets sagt, die vom geopolitischen Wettbewerb geprägt ist, von neuen Waffensystemen, Cyberangriffen und vom Klimawandel. Unter dem Schlagwort „NATO 2030“ hat Stoltenberg seine Vorschläge entwickelt. Hier und da musste er Rückschläge hinnehmen, besonders bei seinem Werben für eine Verdoppelung des Haushalts der Allianz. Konsensfähig ist nur eine moderate Erhöhung. Doch im Großen und Ganzen hat der Generalsekretär seine Vorstellungen durchgesetzt. Die Regierungschefs werden sie beim Gipfeltreffen an diesem Montag beschließen und ihm den Auftrag erteilen, bis zur nächsten Zusammenkunft in einem Jahr ein neues strategisches Konzept auszuarbeiten.

          Besinnung auf alte NATO-Tugenden

          Auf diese Weise kann der Norweger der NATO noch einmal seinen Stempel aufdrücken, bevor seine Amtszeit Ende September 2022 ausläuft. Seit Herbst 2014 steht Stoltenberg an der Spitze des Bündnisses, das sich mit der russischen Annexion der Krim auf seine alten Tugenden besinnen musste: Bündnisverteidigung gegen Russland.

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          Mit einer Mischung aus Freundlichkeit und Hartnäckigkeit hat der Norweger diese Transformation vorangetrieben. Seine größte Leistung war aber wohl, dass er es schaffte, die Allianz gegen die Angriffe Trumps zu verteidigen. Als der beim NATO-Gipfeltreffen in Brüssel 2018 damit drohte, Amerika könne die Allianz verlassen, war das auch für Stoltenberg eine der dunkelsten Stunden seiner Laufbahn. Doch gelang es ihm, Trump wieder einzufangen, indem er ihm bei jeder Gelegenheit einflüsterte, wie viele Milliarden die Verbündeten jetzt schon wieder in ihre Verteidigung gesteckt hätten.

          Stoltenberg, der 62 Jahre alt ist, war neun Jahre lang Ministerpräsident Norwegens, bevor er nach Brüssel wechselte. Er kommt aus einer angesehenen Politikerfamilie, sein Vater war Außen- und Verteidigungsminister. Er engagierte sich früh in der sozialistischen Jugendbewegung und entwickelte sich später vom Marihuana rauchenden Vietnamkriegsgegner zum konservativen Sozialdemokraten. Verheiratet ist er mit einer Diplomatin, das Paar hat zwei erwachsene Kinder. Seine Frau ist in Brüssel nicht weit – sie vertritt Norwegen als Botschafterin in Belgien.

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