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Freigelassene Geiseln : Frankreich feiert seinen „diplomatischen Erfolg“

Der UMP-Abgeordnete Didier Julia, eines der Gründungsmitglieder der französisch-irakischen „Freundschaftsgruppe“ in der Nationalversammlung, die stets gegen die Irak-Sanktionen protestiert hatte, war - offenbar mit geheimer Rückendeckung des Außenministeriums - zu einer Befreiungsmission nach Syrien aufgebrochen. Er behauptete, daß seine Kontaktleute die Geiseln freibekommen konnten. Als Helfer stand ihm ein ehemaliger Geheimdienstmann zur Verfügung, der früher auch als Leibwächter Parteigranden der rechtsextremen Front National beschützt hatte. Doch die „Operation Julia“ scheiterte spektakulär. Im Außenministerium gelang man durch den peinlichen Zwischenfall zu der Einsicht, daß nur Diskretion zum Erfolg beitragen könne. Die Affäre Julia legte zudem die fragwürdige Rolle Syriens offen, unter dessen Einbeziehung die Kontakte zu den Geiselnehmern geknüpft worden waren.

Vereinnahmungsversuchen der Terroristen

In dem Kommuniqué der irakischen Geiselnehmer zur Freilassung der beiden Reporter heißt es, die zwei Journalisten verdankten ihr Leben auch „den Appellen der muslimischen Organisationen und Institutionen“. Zugleich wird Georges Malbrunot und Christian Chesnot ihr „Einsatz für den Kampf der Palästinenser“ zugute gehalten. In der Auflistung der Befreiungsgründe fehlt auch nicht Frankreichs Widerstand gegen die amerikanische Politik im Irak und der Nachweis, daß die beiden Journalisten keine „amerikanischen Spione“ waren.

Staatspräsident Chirac hat sich von derlei Vereinnahmungsversuchen bisher nicht entschieden distanziert. Seine demonstrativen Ehrerbietungen beim Tod des Palästinenserpräsidenten Arafat in einem französischen Militärkrankenhaus wie seine fortdauernde Kritik an Washingtons Irak-Politik weisen nicht darauf hin, daß er sich gegen diese Vereinnahmung zur Wehr setzen will. Premierminister Raffarin hat vor den Vertretern aller im Parlament vertretenen Parteien am Mittwoch bekundet, Frankreich habe kein Lösegeld gezahlt. Die Entführer sollen die zwei Geiseln also nur „aus politischen Gründen“ freigelassen haben.

Ohne irakische Hilfe

Chirac hat mit seiner Politik in Kauf genommen, daß die irakischen Interimsbehörden Frankreich mit großem Mißtrauen begegnen. Der seit September angekündigte Besuch des irakischen Übergangspräsidenten in Paris hat noch immer nicht stattgefunden.

Der irakische Regierungschef Allawi sparte in der Vergangenheit nicht mit Kritik an Chirac. Der irakische Botschafter in Paris, Mouaffak Aboud, rief Chirac in einem Gespräch mit der Zeitung „Le Monde“ dazu auf, endlich in die Zukunft zu blicken und sich nicht mit rückwärtsgewandter Rechthaberei zu begnügen. Der Botschafter bedauerte, daß die Franzosen „Gefangene ihrer Vorkriegshaltung“ und nur daran interessiert seien, aufzuzeigen, wie ihre negativen Prognosen sich erfüllt hätten. „Wir hoffen, daß Frankreich künftig besser mit uns zusammenarbeitet und uns bei der Ausbildung unserer Sicherheitskräfte hilft“, sagte der Botschafter.

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