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Saudi-Arabien : Frauen feiern Ende des Fahrverbots

  • Aktualisiert am

Eine Frau in Saudi-Arabien darf in dem Land zum ersten Mal ein Auto steuern. Bild: Reuters

Es ist eine historische Nacht in Saudi-Arabien: Seit Mitternacht dürfen erstmals Frauen Autos steuern. Fahrerinnen nutzen die Gelegenheit bereits am frühen Morgen – und machen sich Sorgen über die öffentliche Reaktion.

          Der von Frauen in Saudi-Arabien lang ersehnte Tag ist da: Um Mitternacht endete am Sonntag das jahrzehntelange Fahrverbot für Frauen. „Es ist ein historischer Moment für jede saudiarabische Frau“, sagte die Fernsehmoderatorin Sabika al-Dosari und setze sich wenige Minuten nach dem Ende des Fahrverbots in der östlichen Stadt Al-Chobar ans Steuer. Im Laufe des Tages dürften tausende Frauen ihrem Beispiel folgen.

          „Die Tage des stundenlangen Wartens auf einen Fahrer sind vorbei“, sagte die 21 Jahre alte Pharmaziestudentin Hatun bin Dachil. „Wir brauchen nicht länger einen Mann.“ In der Hauptstadt Riad startete die 30 Jahre alte Wala Abu Nadschm im Wagen ihres Mannes die erste Fahrt im saudischen Verkehr. „Endlich kann ich meine Familie besuchen, ohne meinen Mann fragen zu müssen, ob er mich fährt“, freute sie sich. Ihre größte Sorge sei die Reaktion der Öffentlichkeit auf das Ende des Fahrverbots. Im Internet kursieren seit Monaten saudische Witze über Frauen am Steuer.

          Reformen des Kronprinzen

          In den vergangenen Wochen wurden in dem konservativen Königreich die ersten Führerscheine für Frauen seit Jahrzehnten ausgestellt. Viele Frauen tauschten nach einem Praxistest ihre ausländischen Führerscheine in saudiarabische Papiere um.

          Saudi-Arabien war das einzige Land der Welt, in dem Frauen nicht selbst fahren durften, was weltweit seit langem auf Kritik und Unverständnis stieß. Die Aufhebung des Verbots ist Teil der Reformen, mit denen der mächtige Kronprinz Mohammed bin Salman den Ölstaat liberalisieren und modernisieren will. Die Unternehmensberatung PriceWaterhouseCoopers schätzt, dass bis 2020 rund drei Millionen Frauen einen Führerschein erhalten können. Neben Autos dürfen Frauen künftig Motorräder, Lieferwagen und Lastwagen fahren.

          In anderen Bereichen unterliegen Frauen jedoch weiter strengen Restriktionen. So benötigen sie vor Reisen oder einem Studium bestimmter Berufe die Zustimmung ihrer Männer, Väter oder anderer männlicher Verwandter. In der Öffentlichkeit müssen sie ihren Körper vollständig verhüllen.

          Noch kurz vor der Aufhebung des Fahrverbots wurden Frauenrechtsaktivistinnen festgenommen, die gegen das Fahrverbot gekämpft hatten. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch sprach von einem „unerbittlichen Vorgehen gegen die Frauenrechtsbewegung“.

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