https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/fratelli-tutti-spiegel-der-welt-nicht-der-kirche-16987428.html

Lehrschreiben des Papstes : Spiegel der Welt, nicht der Kirche

Papst Franziskus im Jahr 2013 bei einer Messe in Brasilien Bild: dpa

„Fratelli tutti“ hat Papst Franziskus sein jüngstes Lehrschreiben genannt. Aber seine Sozialutopie ist wieder einmal auf die Welt gemünzt, nicht auf die Kirche. Aus gutem Grund.

          1 Min.

          Es ist gut, dass Papst Franziskus wieder für die Achtung der Menschenrechte eintritt – doch leider nur in der Welt. Denn in seiner Kirche gelten andere Gesetze. Da gibt es Menschenrechte nur in den Schranken einer als angeblich von Gott her unabänderlichen Geschlechterordnung. Gut ist es auch, dass der Papst für mehr Solidarität unter den Menschen wirbt. Allerdings richtet sich der päpstliche Furor wieder einmal gegen alles, was auch nur entfernt mit Marktwirtschaft und Globalisierung zu tun hat. Soweit bekannt, hat der Sozialismus des 20. und des 21. Jahrhunderts weder die Armut verringert noch nennenswert zur Bewahrung der Schöpfung beigetragen.

          Aber mit Details hat sich Franziskus noch nie abgegeben – was womöglich auch für den Lebenswandel vieler fratelli in seiner engsten Umgebung gilt. Gut, dass es eine Figur gibt, die man publikumswirksam feuern kann, wenn Moneyval, der Expertenausschuss des Europarates für die Bewertung von Maßnahmen gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung, im Begriff ist, sich die Vatikan-Finanzen ein wenig näher anzuschauen. Schlecht nur, wenn es ausgerechnet Kardinal Becciu trifft, der jahrelang engsten Umgang mit dem Papst pflegte.

          Natürlich hat Franziskus von dessen finanziellen Machenschaften und Ränkespielen nichts gewusst. Nichts gewusst hat der Papst selbstredend auch über das Wirken seines China-Emissärs Kardinal Theodore E. McCarrick, über dessen Machenschaften als Päderast und Finanzjongleur der Vatikan doch vor geraumer Zeit Rechenschaft abzulegen versprach. Geschehen ist nichts. Oder weiß der Papst nicht doch zu wenig, sondern zu viel?

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Weitere Themen

          Erdogan bekommt, was er will

          NATO-Beitritt : Erdogan bekommt, was er will

          Die Türkei stimmt zu, Schweden und Finnland in die NATO aufzunehmen. Doch Erdogan verlangt Zugeständnisse für die Aufgabe der Blockadehaltung: Das Memorandum, auf das sich die drei Staaten verständigen, geht auf alle seine Bedingungen ein.

          Klingbeils Werbetour in Polen

          Lob für Flüchtlingshilfe : Klingbeils Werbetour in Polen

          Man habe beim Thema Russland zu wenig auf die östlichen Nachbarn gehört, hatte SPD-Chef Klingbeil jüngst bekannt. Jetzt reist er nach Polen und erklärt, die Zeit der Entspannungspolitik Willy Brandts sei vorbei.

          Topmeldungen

          Der türkische Präsident Erdogan gibt sein Veto auf.

          NATO-Beitritt : Erdogan bekommt, was er will

          Die Türkei stimmt zu, Schweden und Finnland in die NATO aufzunehmen. Doch Erdogan verlangt Zugeständnisse für die Aufgabe der Blockadehaltung: Das Memorandum, auf das sich die drei Staaten verständigen, geht auf alle seine Bedingungen ein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.