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Migrationspolitik : Franzosen denken anders über Flüchtlinge als Deutsche

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Bundeskanzlerin Merkel während eines EU-Gipfels zur Flüchtlingspolitik 2018 Bild: dpa

In Frankreich herrscht angesichts der Bilder aus griechischen Flüchtlingslagern eine vollkommen andere Stimmung als in Deutschland. Aufrufe, mehr Menschen aufzunehmen, verhallen ungehört. Eine Mehrheit fordert die Abschottung.

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          Das Schicksal der Menschen in Moria bewegt die französische Öffentlichkeit weit weniger als die deutsche. Als Demonstranten mit „Wir haben Platz“-Spruchbändern für die Aufnahme der Migranten durch deutsche Städte zogen, probte in Frankreich gerade die Gelbwesten-Bewegung ein Comeback. Stimmen wie die des grünen EU-Abgeordneten Damien Carême, dass die französische Regierung bei der Aufnahme abermals versage, verhallten ungehört. „Wieder einmal ist es Angela Merkel, die Europa eine Lehrstunde in Sachen Menschlichkeit erteilt“, sagte Carême.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Der Grüne war als Bürgermeister in Grande-Synthe (2001–2019) an der Ärmelkanalküste mit seinem Vorhaben gescheitert, sich gegen den Kurs der Regierung in Calais aufzulehnen und ein „humanes“ Aufnahmelager aus Blockhütten in seiner Stadt zu schaffen. Das mit hohem finanziellen Aufwand für die Stadt gefertigte Lager fiel 2017 einem vorsätzlichen Brand zum Opfer, der auf einen Streit zwischen verfeindeten Migrantengruppen zurückging. Es wurde nicht wieder aufgebaut. Vorfälle wie diese nähren in Frankreich das Misstrauen. Eine Mehrheit toleriert nicht nur die restriktive Aufnahmepolitik, sie fordert sie.

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