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Französischer Nationalfeiertag : Hollandes alternative Parade

Noch kann sich Hollande (rechts) nicht von seinem Vorgänger Sarkozy lösen Bild: dpa

Frankreichs neuer Präsident kann am Nationalfeiertag nicht alles anders machen als sein Vorgänger - aber immer noch genug, um sich deutlich von Sarkozy abzusetzen.

          Ein heiteres Fest hat sich François Hollande zu seinem ersten Nationalfeiertag als Präsident gewünscht. Aber nicht nur das Wetter droht an diesem Samstag nicht mitzuspielen, wenn Hollande auf den Champs-Elysées die Truppenparade abnimmt. Open-Air-Discos und Feuerwerke im ganzen Land zum 14. Juli können nicht darüber hinwegtäuschen, dass den meisten Franzosen angesichts der jüngsten Hiobsbotschaften über Massenentlassungen in der Automobilindustrie, Steuererhöhungen und Haushaltslöcher verdrießlich zu Mute ist.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Nach zwei Monaten im Elysée-Palast hält es François Hollande deshalb für überfällig, sich an die Nation zu wenden. Er hat ein großes Fernsehgespräch anberaumt. Anders als sein Vorgänger möchte Hollande, der „normale Präsident“, es aber nicht in seinem Amtspalast führen. Er quartierte das Fernsehstudio kurz entschlossen im Hotel de la Marine am Place de la Concorde ein. Das ist zwar genauso kostspielig wie es gewesen wäre, die Fernsehkulissen im Elysée-Palast einzurichten. Aber zumindest gerät Hollande nicht in den Verdacht, die Kommunikationskniffe seines Vorgängers nachzuahmen.

          Nicolas Sarkozy wird von Hollande auch nach zwei Monaten Amtszeit immer noch für alles und jedes herbeizitiert. Ohne das Gegenbild Sarkozy scheint sich der neue Präsident verloren zu fühlen, anders als die meisten Franzosen, die mit der Ära seines Vorgängers schnell abgeschlossen haben. Hollandes politischer Dreh- und Angelpunkt bleibt der Anti-Sarkozysmus.

          Der französische Präsident hat sich entschlossen, beim traditionellen Militärdefilee ganz besonders eine Institution zu ehren, mit der sich sein Vorgänger immer etwas schwer tat: das Europäische Parlament. Der Präsident des Europäischen Parlaments, der deutsche Sozialdemokrat Martin Schulz, wird an diesem Samstag auf der Ehrentribüne Hollandes Platz nehmen. Sarkozy hatte ganz andere Gäste mit einem Logenplatz auf der Place de la Concorde ausgezeichnet, etwa 2008 den syrischen Herrscher Baschar al Assad, woran im Elysée-Palast süffisant erinnert wird. Hollande setzt aber auch einen militärischen Akzent, den er der Entscheidungsfreude seines Vorgängers verdankt. Auf den Champs-Elysées werden 133 Soldaten des deutschen Jägerbataillons 291 defilieren, die als Teil der deutsch-französischen Brigade in Illkirch-Graffenstaden im Elsass stationiert sind.

          Dass der deutsche Kampftruppenverband in Frankreich beheimatet ist, geht auf eine Anfang 2009 getroffene Vereinbarung Sarkozys mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zurück. Aufgrund der Sparzwänge im Verteidigungshaushalt hatte Frankreich zunächst mehr als 3000 Soldaten der deutsch-französischen Brigade aus Baden-Württemberg abziehen wollen. Nach deutschem Protest einigten sich die Bundeskanzlerin und der Präsident auf den neuen Standort in Frankreich.  

          Deutsche Soldaten marschieren selbstverständlich mit 

          Zum ersten Mal seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs sind damit deutsche Kampftruppen dauerhaft auf französischem Boden stationiert. Das von Oberstleutnant Frank Lindstedt angeführte Bataillon ist mittlerweile auf 500 Soldaten und Soldatinnen angewachsen. Dass die deutschen Soldaten auf den Champs-Elysées mitmarschieren, ist inzwischen fast eine Selbstverständlichkeit geworden. Niemand erwartet erschütterte Reaktionen wie 1994. Damals waren dem französischen Altpräsidenten Valéry Giscard D‘Estaing beim Anblick von 200 deutschen Soldaten beim Militärdefilee zum 14. Juli. vor Erschütterung die Tränen gekommen.

          Wie er sich die Zukunft der deutsch-französischen Freundschaft in Europa vorstellt, will Präsident Hollande in seinem Fernsehgespräch erklären. Der Sozialist will die Ergebnisse des jüngsten EU-Gipfels als Fortschritt vorstellen und die Franzosen mit der Perspektive einer Ratifizierung des europäischen Fiskalpaktes vertraut machen. Während des Wahlkampfs hatte Hollande die neuen Haushaltsregeln für Europa verworfen und Nachverhandlungen gefordert, deshalb muss er jetzt erklären, warum er den Vertragstext unverändert ratifizieren will.

          In Erklärungsnot ist der Präsident auch wegen seines Privatlebens. Zum Nationalfeiertag soll seine Lebensgefährtin Valérie Trierweiler wieder die Staatsbühne betreten. Sie hatte den Präsidenten weder nach London zu Königin Elisabeth II. noch zu den Feierlichkeiten mit der deutschen Bundeskanzlerin nach Reims begleitet. Hollande soll über ihre gegen seine frühere Lebensgefährtin Ségolène Royal gerichtete Twitter-Botschaft nachhaltig erzürnt gewesen sein. Aber welche Rolle soll die Première Dame künftig spielen? Die Nation erwartet klärende Worte im Präsidenteninterview - so wie einst von Nicolas Sarkozy.

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