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Deutschland und Frankreich : Die einen haben Sympathie, die anderen Respekt

Eine deutsche und eine französische Flagge hängen hinter der Figur Karls des Großen am Rathaus von Aachen. Bild: dpa

Die Franzosen pflegen ein gutes Bild von Deutschland, umgekehrt ist es genauso. Allerdings deutet sich laut einer Studie ein Minderwertigkeitskomplex in unserem Nachbarland an – die Bundesrepublik ist wirtschaftlich zu erfolgreich.

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          Franzosen und Deutsche sind mehr denn je von der Notwendigkeit der Zusammenarbeit beider Länder zugunsten der EU überzeugt. Das hat eine aktuelle Umfrage des französischen Meinungsforschungsinstituts Ifop in beiden Ländern zutage gefördert. 92 Prozent der Deutschen und 85 Prozent der Franzosen sind der Meinung, dass die Kooperation notwendig ist. Das Bild vom „deutsch-französischen Motor“ für Europa ist in den Köpfen also fest verankert.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Unterschiede fallen bei der Bewertung des Zustands der bilateralen Beziehungen auf. 83 Prozent der Deutschen finden sie „zufriedenstellend“, bei den Franzosen sind es 70 Prozent. Nur 61 Prozent der Franzosen sind der Meinung, dass die Beziehung ausgeglichen ist, anders als 86 Prozent der Deutschen. Während die Deutschen gegenüber Frankreich mehrheitlich „Sympathie“ empfinden, haben die Franzosen gegenüber Deutschland „Respekt“.

          Für Chloé Morin von der Stiftung Jean Jaurès, die mit der Friedrich-Ebert-Stiftung die Studie in Auftrag gegeben hat, zeugt das vom Minderwertigkeitskomplex, den immer mehr Franzosen gegenüber dem wirtschaftlich erfolgreicheren Deutschland entwickelt hätten. „Das spiegelt den sehr französischen Eindruck wider, dass ihr Land wirtschaftlich und politisch absteigt, während Deutschland eine in Europa beispiellose wirtschaftliche Dynamik erlebt hat“, so Morin.

          Trotz der deutschlandkritischen bis -feindlichen Äußerungen der Rechtspopulistin Marine Le Pen haben sich ihre Anhänger ein überwiegend positives Deutschlandbild bewahrt. So geben 70 Prozent der Le Pen-Sympathisanten an, sie hätten ein positives Bild von Deutschland. Auch beim Linkspopulisten Jean-Luc Mélenchon, der in seinem Buch „Bismarcks Hering“ Deutschland als „Gift“ für die Zukunft Europas beschreibt, teilt die Mehrheit der Anhänger die negative Wahrnehmung nicht. 73 Prozent der Sympathisanten der Linkspartei La France Insoumise haben ein positives Deutschlandbild.

          Das trägt zu der guten, wenn auch im Vergleich zu den Vorjahren leicht verschlechterten Gesamtnote bei: bei 77 Prozent der Franzosen ist das Deutschlandbild positiv. Am größten ist die Bewunderung unter den Anhängern von Emmanuel Macrons Partei La République en marche mit 91 Prozent. Umgekehrt haben 86 Prozent der Deutschen ein positives Frankreichbild, bei den AfD-Anhängern sind es 75 Prozent, bei den Sympathisanten von Die Linke 94 Prozent.

          Deutsche und Franzosen unterscheiden sich darin, welche Themen sie vom deutsch-französischen Duo angepackt wissen wollen. Für die Mehrheit der Franzosen (60 Prozent) steht die Klimapolitik an erster Stelle. Den Deutschen ist die Kooperation beim Kampf gegen den Klimawandel auch wichtig (52 Prozent), ihr Hauptanliegen ist jedoch die Steuerung der Migrationsströme (54 Prozent). Auch 51 Prozent der Franzosen geben an, dass sie die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Einwanderungs- und Asylpolitik zwischen Berlin und Paris verbessert sehen wollen. Bei der Sicherheitspolitik und friedenserhaltenden Maßnahmen sehen 47 Prozent der Deutschen und 44 Prozent der Franzosen Handlungsbedarf.

          In der Umfrage wurde allerdings nicht die Frage nach gemeinsamen Kampfeinsätzen etwa der Deutsch-Französischen Brigade gestellt. Die Erwartungen an gemeinsame Veranstaltungen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Präsident Emmanuel Macron sind gering. Nur elf Prozent der Franzosen und der Deutschen glauben, dass über jährliche Events auf Regierungsebene eine neue Dynamik in den deutsch-französischen Beziehungen entstehen kann. Ihre Hoffnungen setzen sie vielmehr in konkrete Projekte zwischen Berlin und Paris, 52 Prozent der Franzosen und 40 Prozent der Deutschen äußerten dies.

          Auf deutscher Seite überwiegt dabei die Ansicht, dass sich die Kooperation auf grenzüberschreitende Zusammenarbeit (58 Prozent) konzentrieren sollte, die Franzosen begrüßen das zu 42 Prozent. Ifop hat nicht danach gefragt, wie der Aachener Vertrag wahrgenommen wird. Zum 1. Jahrestag der Unterzeichnung sei es noch zu früh für eine Zwischenbilanz gewesen, hieß es.

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