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Französisch-deutsch-russisches Treffen : Diplomatie in Deauville

Diplomatie in Deaville: Sarkozy und Kanzlerin Merkel Bild: REUTERS

Sarkozy lässt die „Troika“ im Seebad Deauville aufleben: Mit nicht genau definierten Absichten hatte er Bundeskanzlerin Merkel und den russischen Präsidenten Medwedjew an die normannische Küste geladen.

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          Im französischen Seebad Deauville, das für sein Kasino und seine Pferderennen bekannt ist, hatte der französische Staatspräsident Sarkozy am Montag die „französisch-deutsch-russische Troika“ wiederaufleben lassen. Der Dreierbund hatte seine Blütezeit 2003 unter Sarkozys Vorgänger Chirac gekannt, der den Schulterschluss mit dem damaligen Bundeskanzler Schröder und dem damaligen russischen Präsidenten Putin gegen die amerikanische Irak-Politik gesucht hatte.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Jetzt hatte Sarkozy Bundeskanzlerin Merkel und den russischen Präsidenten Medwedjew an die normannische Küste geladen, mit nicht genau definierten Absichten. Darauf deutete schon die Bezeichnung des Treffens hin, das vom Elysée-Palast mal zum „trilateralen Gipfel“ erhoben, dann wieder als simples „brainstorming“ heruntergespielt wurde.

          Beschwichtigende Gesten

          Der Begegnung voran gingen beschwichtigende Gesten an jene, die sich durch die Dreierrunde brüskiert fühlen könnten. So kündigte das französische Präsidialamt mit Blick auf Polen an, im Februar 2011 werde das „Weimarer Dreieck“ zu einem Gipfeltreffen zusammenkommen. Im Juni hatte der französische Außenminister Kouchner versucht, das „Weimarer Dreieck“ zu einem Quartett zu erweitern und den russischen Außenminister Lawrow zu einem Treffen der „Dreiecks“-Außenminister hinzugeladen.

          Doch diesem Ziel hat sich Präsident Sarkozy offensichtlich nicht verschrieben. Die Briten wurden mit dem bevorstehenden französisch-britischen Gipfeltreffen vertröstet, bei dem eine engere Rüstungskooperation bekanntgegeben werden soll. Amerika fest im Blick hatte Sarkozy schließlich, als er sich nach einem Gespräch mit dem Nato-Generalsekretär Rasmussen der Forderung nach einem Nato-Russland-Gipfel noch im Dezember in Lissabon anschloss. Nur der EU-Kommission blieb Gastgeber Sarkozy eine Erklärung schuldig, warum er die EU-Außenpolitikchefin Ashton nicht nach Deauville hinzubat.

          „Russische Anbindung an den Westen konsolidieren“

          Sicherheitspolitische Fragen sollten im Vordergrund stehen in den Gesprächen zwischen Frau Merkel, Sarkozy und Medwedjew, die sich über ein Abendessen und diesen Dienstagvormittag erstrecken sollten. Der Elysée-Palast sieht den Zeitpunkt für geeignet, die „russische Anbindung an den Westen zu konsolidieren“. Unter dem Eindruck der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise habe sich Russland wieder stärker Europa zugewandt. Jetzt gelte es, diese erfreuliche Entwicklung mit Blick auf die internationalen Herausforderungen zu verstärken, hieß es dazu im Elysée-Palast. Das Thema für diesen Dienstagvormittag stand unter der Überschrift „Die strategische Verankerung Russlands im Westen“.

          Die französische Staatsführung verspricht sich von der Dreierbegegnung auch, dass Bundeskanzlerin Merkel für das französisch-russische Rüstungsgeschäft zum Verkauf von vier Hubschrauberträgern vom Typ Mistral Patin steht. Frankreich weiß, wie umstritten der mögliche Technologietransfer gerade in Osteuropa und in den baltischen Staaten ist, deshalb ist ihm das Schweigen der Bundesregierung viel Wert.

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